Rems-Murr-Kreis

Holzstapel-Brände: Betroffene gesucht

1/2
Holzstapelbrand, Winterbach, 04.01.2019.
Einer von 32 Holzstapel-Bränden, hier in Winterbach am 4. Januar. © ZVW/Benjamin Beytekin
2/2
_1
Hartmut Meyer weiß noch nicht so recht, wie er mit den Brandresten auf seiner Wiese verfahren soll.

Weinstadt. Der mutmaßliche Holzstapel-Serienbrandstifter hat teilweise gestanden und sitzt nicht mehr in U-Haft. Eine Kaution ist hinterlegt, die Ermittlungen laufen weiter. Unterdessen sucht Hartmut Meyer aus Strümpfelbach andere Betroffene: Sein Holzstapel brannte Anfang November. Noch immer liegen die verkohlten Holzreste verstreut auf seiner Wiese.

„Überregionale Serie von Holzstapelbränden aufgeklärt“, titelte die Polizei Ende Januar. Ein 38-jähriger Deutscher aus dem Rems-Murr-Kreis wurde inhaftiert. Wie viele und welche Brandstiftungen die Ermittler ihm nachweisen können und ob gegen den Mann Anklage erhoben wird, ist noch offen. Laut Pressestaatsanwalt Heiner Römhild hat der Mann zugegeben, Brände gelegt zu haben. Der Beschuldigte habe sich „zu den Vorwürfen geäußert“ und sei „teilweise geständig“ gewesen. Ende Februar kam der 38-Jährige frei. Der Haftbefehl wurde gegen Kaution außer Vollzug gesetzt. Mehr Informationen gibt die Staatsanwaltschaft Stuttgart zurzeit nicht heraus. Solange das Ermittlungsverfahren nicht abgeschlossen ist, hält man sich bedeckt.



Am Vormittag des 23. Januar, einem Mittwoch, nahm die Kripo Waiblingen den Mann fest. „Beweiserhebliche“ Spuren fand die Polizei in seiner Wohnung, und die Staatsanwaltschaft in Stuttgart stufte den Mann als dringend tatverdächtig ein, weshalb er umgehend in U-Haft kam.

Auf die Frage nach dem Warum gibt es – noch – keine Antwort

Nun geht es um die Details. Die wichtigste Frage: Für welche Holzstapel-Brände ist der Mann verantwortlich? Und was hat ihn dazu getrieben, des Nachts x-mal in Wäldern oder auf abgelegenen Wiesengrundstücken Holzstapel in Brand zu stecken?

Hartmut Meyer hat, wie er sagt, „aus Frust“ all das größtenteils verkohlte Holz auf seiner Wiese oberhalb von Strümpfelbach in der Oberen Lindhalde bisher einfach liegen lassen. Auf 3000 Euro schätzte die Polizei seinerzeit den Schaden. 15 bis 20 Festmeter sind hinüber, beste Buche und Eiche. Hartmut Meyer hat das Holz eigenhändig gespalten, es lagert schon fünf, sechs Jahre dort auf der Wiese, ordentlich gestapelt und von einem Blechdach beschützt. Nun liegen die Reste kreuz und quer verstreut, das meiste verkohlt. Die Feuerwehr hatte seinerzeit den Stapel auseinandergezogen, weil sich der Brand so besser löschen ließ. Mit den Resten ließen sich noch etliche Grillfeuer füttern; das eine oder andere halb heile Scheit wird Hartmut Meyer wohl noch in seinem Kachelofen verschwinden lassen. Später. Zurzeit ist alles nass.

 

 

Meyer erinnert sich noch gut an den Morgen Anfang November, als er auf seinem Handy eine Whatsapp-Nachricht fand: Bei dir auf der Wiese hat’s heute Nacht gebrannt, schrieb sinngemäß ein Bekannter von der Feuerwehr. „Ohnmächtig“ habe er sich zunächst gefühlt, erzählt der 62-jährige selbstständige Handelsvertreter – und dann wütend. Zu gern hätte er gewusst, wer der Verdächtige ist, was die Ermittlungen bisher ergeben haben. Dazu gibt’s aber auch für Betroffene keine Auskunft: Datenschutz.

Er weiß, es kann gut sein, er bleibt auf seinem Schaden sitzen. Noch ist ja nicht mal klar, ob dem Tatverdächtigen überhaupt der Prozess gemacht wird. Falls ja, könnte Hartmut Meyer als Nebenkläger auftreten und später versuchen, einen Ersatz für seinen materiellen Schaden zu erhalten.

Nun sucht der Strümpfelbacher Mitstreiter: Ob sich noch andere Betroffene bei ihm melden wollen? Ob man sich zusammenschließen sollte, um als Gruppe etwas zu erreichen? Meyer ist per Mail erreichbar: HM@Meyer-Weinstadt.de

Im Grunde geht’s dem Strümpfelbacher mehr ums Prinzip als ums Geld. „Was Recht ist, muss Recht bleiben“, findet er – und zeigt sich trotz allem erleichtert, dass bei all den Bränden niemand zu Schaden kam. Er hat sogar vom Feuer verschont gebliebenes Holz seinerzeit auf der Wiese gelassen – allein schon mangels alternativer Lagerstätte. Ein Nachbar reagierte anders, holte sein Holz von der Wiese und stapelte es am Haus.

Der Haftbefehl ist im Moment nur außer Vollzug gesetzt

Der (oder die) Brandstifter zündete(n) stets nur Stapel fernab bebauter Gebiete an. Zu Hartmut Meyers Wiese kommt man auch nur über ein Anlieger-frei-Sträßchen; mit dem Auto sind es ein paar Minuten vom Strümpfelbacher Ortsrand bis hinauf zum Idyll. Trotzdem. Die Vielzahl der Holzstapel-Brände mutete gruslig an. Was, wenn der Brandstifter einen neuen Kick sucht und ihm einsame Flammen des Nachts im Wald nicht mehr reichen?

„Die Ängste der Bevölkerung im Umkreis sind nun wohl gebannt, nachdem der Brandleger inhaftiert wurde“, schrieb die Polizei am 24. Januar. Der Haftbefehl gegen den Mann ist nicht aufgehoben, betont Presse-Staatsanwalt Heiner Römhild. Leistet sich der Mann jetzt nur das Geringste – fährt er wieder ein.


Übersicht: Unsere Berichterstattung zu den Holzstapel-Bränden