Rems-Murr-Kreis

In Gefahr: Senioren auf Pedelecs

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Toedliche Unfaelle.pdf © VLP

Aalen/Waiblingen. Sechs von 20 Menschen, die vergangenes Jahr auf Rems-Murr-Straßen gestorben sind, waren Senioren. Ein 89-Jähriger starb, als er mit seinem Pedelec in Rudersberg den Bahnübergang trotz Schranke überquerte und ein Zug ihn erfasste. Vier Motorradunfälle endeten tödlich.

In der Statistik zählen Menschen ab einem Alter von 65 Jahren als Senioren. Die Zahl der Unfälle mit Senioren hat im Rems-Murr-Kreis vergangenes Jahr deutlich zugenommen. „Auch Pedelecs haben eine Rolle gespielt“, sagte Ottmar Kroll, der Leiter der Verkehrspolizeidirektion, vor der Presse in Aalen. Die mit einem Elektromotor ausgestatteten Fahrräder erreichen ganz schön hohe Geschwindigkeiten, weshalb die Fahrer Geschick brauchen und in der Lage sein müssen, schnell zu reagieren. Nicht ohne Grund trägt das Land künftig einen Teil der Kosten für Fahrsicherheitstrainings. E-Bike-Fahrer sollen kostenfrei üben können. Auf diese Weise will das Verkehrsministerium Anreize setzen, damit Pedelec-Fahrer eigenverantwortlich und vorausschauend handeln, bevor sie auf ihren neuen Zweiradflitzer steigen (wir haben berichtet). Im vergangenen Jahr sind in Baden-Württemberg 68 Fahrradfahrer ums Leben gekommen. 15 von ihnen waren auf einem Pedelec unterwegs gewesen.

Zu den Pflichtaufgaben der Polizei zählt, bei (Hoch-)-Risiko-Fußballspielen vor Ort zu sein. Die aktuelle Debatte dreht sich vor allem darum, ob künftig wie bisher allein der Steuerzahler dafür aufkommen muss oder sich die finanzstarken Fußballvereine an den Kosten beteiligen. Diese Diskussion ums Geld ändert nichts an der Tatsache, dass Beamte, die am Rand von Fußballfeldern stehen müssen, währenddessen nichts anderes tun können. Im Gebiet des PP Aalen trifft das die Polizei und letztlich die Bürger in nicht unerheblichem Maße: Fast 1400 Beamte haben im vergangenen Jahr rund 9200 Einsatzstunden im Zusammenhang mit Fußballspielen geleistet. Von neun Fußballprofimannschaften in Baden-Württemberg tragen zwei ihre Spiele hier aus: der VfR Aalen und die SG Sonnenhof-Großaspach. Von 48 Spielen in der dritten Fußball-Bundesliga galten zwei als Hochrisiko- und 26 als Risiko-Spiele. Ein Kriterium ist die Gewaltbereitschaft der Fans.

 

Eine andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern auf zwei Rädern hat die Polizei stets im Visier: die Motorradfahrer. Bei sechs von elf Motorradunfällen mit tödlichem Ausgang 2018 im Gebiet des Polizeipräsidiums (PP) Aalen hatte der Motorradfahrer den Unfall verursacht. Das PP Aalen ist für den Rems-Murr- und den Ostalbkreis sowie für Schwäbisch Hall zuständig. Hauptunfallursache bei den tödlichen Motorradunfällen war laut Polizei zu hohe Geschwindigkeit, gefolgt von zu geringem Abstand.

Unfallfluchten: Höchststand im Fünf-Jahres-Vergleich

Auf dem Höchststand im Fünf-Jahres-Vergleich lag 2018 die Zahl der Unfallfluchten: 2800 Fälle registrierte die Polizei allein im Rems-Murr-Kreis, das waren 134 mehr als im Jahr davor. „Nur in wenigen Fällen plagt den Unfallverursacher das schlechte Gewissen und er meldet sich freiwillig bei der Polizei“, berichtete Ottmar Kroll bei der Pressekonferenz in Aalen. Ziemlich häufig kommt die Polizei den Übeltätern dennoch auf die Schliche: Fast 40 Prozent der Unfallfluchten wurden vergangenes Jahr präsidiumsweit aufgeklärt.

Bei der Polizei sind extra ausgebildete Beamte beschäftigt, die zum Beispiel anhand von Lackspuren oder auf der Grundlage von teilweise bekannten Autokennzeichen ganz erstaunliche Ergebnisse zutage fördern. Wurden Menschen verletzt oder liegt ein hoher Sachschaden vor, scheut man selbst langwierige Ermittlungen nicht. Die Polizei fragt, sofern ein Teil des Kennzeichens des Flüchtigen bekannt ist, in Flensburg an und erhält die Daten aller Fahrzeughalter, deren Kennzeichen diese Fragmente enthalten. Es sind dann unter Umständen viele Hausbesuche nötig – doch am Ende lohnt sich das offenbar, wie die Jahresstatistik zeigt.

Schlicht und ergreifend hängt es von den Personalkapazitäten ab, wie intensiv die Polizei welche Ermittlungen vorantreiben kann. Trotz Neueinstellungen ist die Polizei laut Polizeipräsident Roland Eisele „noch im personellen Tal unterwegs“, denn all die Neueinsteiger, die nach und nach die Vielzahl der Beamten ersetzen sollen, die altersbedingt ausscheiden, müssen erst ausgebildet werden.