Rems-Murr-Kreis

Jeder dritte Neuwagen im Rems-Murr-Kreis fährt (teil-)elektrisch

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Der Gebrauchtwagenmarkt erlebt gerade einen Boom © Archivbild

„Gebrauchte Pkw boomen in der Region. Bei den Neuwagen kauft sich die Regierung einen Marktanteil von 32 Prozent für Elektroautos und Hybride, aber untern Strich hilft das unseren Betrieben wenig“, bewertet Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart die Zulassungszahlen von September und die Jahresentwicklung auf dem Automarkt.

In der Pressemitteilung heiß es weiter: In der Region Stuttgart gab es bei den Neuzulassungen im September insgesamt nur einen leichten Zuwachs um zwei Prozent (Bund: plus 8,4 Prozent). „Der erhöhte Umweltbonus macht sich bei den Neuzulassungen deutlich bemerkbar“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Allerdings werden „dreieinhalbmal mehr Hybrid-Pkw als reine Elektroautos zugelassen“.

Boom bei Gebrauchten

Ein Lichtblick für das Kfz-Gewerbe ist jedoch der Boom bei Gebrauchten, bei denen die Besitzumschreibungen um 16,3 Prozent zunahmen (Bund: zwölf Prozent). Im Rems-Murr-Kreis allein sanken die Neuzulassungen um 2,2 Prozent. Bei den Besitzumschreibungen gab es ein Plus von 11,7 Prozent. Aufs ganze Jahr gesehen, ergibt sich daraus „aber kein besonders erfreuliches Bild“, sagt der Kreisvorsitzende Reiner Äckerle: „Wir liegen im Kreis bei den Neuwagen um fast 4900 Einheiten schlechter als 2019 und bei den Besitzumschreibungen um über 1200 Einheiten, das ist zusammengerechnet ein Umsatzverlust von rund 155 Millionen Euro. Da fallen ein paar Elektroautos mehr wirtschaftlich nicht ins Gewicht.“

Eigentlich gibt es, aus Sicht der Kfz-Betriebe zumindest, eine gute Nachricht: Der Bestand an Pkw, Lkw, Bussen, und Sonderfahrzeugen, kurz allem, was als Kraftfahrzeug einen Motor und ein Nummernschild hat, hat mit 2 001 797 Fahrzeugen in der Region erstmals die Zwei-Millionen-Mark geknackt. Über 1,66 Millionen davon sind Pkw: „Zumindest das Wartungs- und Reparaturgeschäft für unsere Betriebe ist damit bis auf weiteres gesichert“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Das Werkstattgeschäft ist das „dritte Bein“, auf dem das Geschäft der Betriebe und damit die Arbeitsplätze der Beschäftigen stehen. Aber Bein 1, das Neuwagengeschäft, und Bein 2, das Gebrauchtwagengeschäft, machen Sorgen.

„Die Umsatzverluste gehen derzeit in die Millionen und die Regierungsmaßnahmen haben den versprochenen Wumms nicht gebracht“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Beispiel Rems-Murr-Kreis: Hier gibt es mit 266 219 Pkw zum 30. September einen neuen Bestandsrekord. „Das ist fast eine überraschende Nachricht, denn nirgendwo wird auf das Privatfahrzeug mehr eingedroschen als in Stuttgart“, sagt Christian Reher. Das betrifft auch Pendler aus dem Kreis. Aber nicht mal die neuesten Fahrverbote haben geschadet. „Die Menschen steigen um“, sagt Reiner Äckerle, Geschäftsführer des gleichnamigen Korber Autohauses. Zur Not auch auf billige Benziner. Letzter Stand beim Dieselbestand insgesamt: etwas über 72 000. „Mehr als jeder vierte Pkw im Kreis ist ein Diesel“, sagt Äckerle. 22 215 davon sind aktuell noch Euro-5-Diesel, sagt die Zulassungsstelle. Der September brachte 349 neue Diesel-Pkw (minus 50 gleich minus 12,5 Prozent) und 830 gebrauchte Diesel (plus 75 gleich plus 9,9 Prozent) in den Kreis, die in dieser Zahl enthalten sind.

Zahl der Neuzulassungen sinkt

Insgesamt sank die Zahl der Neuzulassungen laut Zulassungsstelle um 32 oder 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresseptember. Die Gesamtzahl der Neuzulassungen lag damit bei 1449. „Das ist nicht einmal der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Christian Reher: „Das verstärkt das grandiose Minus in der Quartalszwischenbilanz. Unsere Betriebe haben ein Minus von fast 4900 Pkw oder fast 31 Prozent zu verkraften. Die Mehrwertsteuersenkung hat da nicht mal ein Wümmsle gebracht und ein Umsatzverlust von rund 146 Millionen Euro im Neuwagenbereich ist existenzbedrohend.“ Elektroautos und Hybride warten dabei im Neuwagenbereich mit mehrstelligen Zuwachsraten auf: „Aber 130 neue Elektroautos (Vorjahr 30) im September plus 293 Hybridfahrzeuge (Vorjahr 131) sind zwar 29,2 Prozent der Neuwagen, aber nicht der Retter des Umsatzes und schon gar nicht des Klimas“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Denn „der Geschäftsmarkt, der die Neuzulassungen dominiert, schwächelt, der Privatmarkt, der sich wie 2009 über eine Umstiegsprämie hätte ankurbeln lassen, konzentriert sich ohne Kaufanreize auf Gebrauchtwagen, weil die meisten Haushaltsbudgets, E-Autos oder Hybride nicht hergeben. Alle, die rechnen müssen, tauschen vor allem ganz alte Autos gegen nicht ganz so alte“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Und zuweilen auch vergleichsweise neue Euro-5-Diesel gegen Benziner, „was negativ für die CO2-Bilanz und ökologischer Unsinn ist“.

3458 Besitzumschreibungen hat die Zulassungsstelle im September vollzogen. 11,7 Prozent oder 361 Pkw mehr als letztes Jahr. Unterm Strich sind die Gebrauchtwagen der „einzige Hoffnungsschimmer der Drei-Viertel-Jahresbilanz“, sagt Christian Reher: „Die liegt derzeit zwar noch mit über 1200 Pkw im Minus, womit so um die neun Millionen Euro Umsatz fehlen dürften - aber hier zeigt der Trend wenigstens seit Mai mit monatlichen Zuwächsen zwischen fünf und 18 Prozent nach oben. Das könnte noch knapp zu einer schwarzen Null reichen, wenn uns Corona keinen Strich durch die Rechnung macht.“