Rems-Murr-Kreis

Jugendiche aufgepasst: Es gibt noch freie Ausbildungsstellen - das Wichtigste im Überblick

Mohammed
Es gibt noch freie Ausbildungsplätze. © Benjamin Büttner

Corona hat unsere Welt durcheinandergewirbelt – viele Eltern und Jugendliche, aber auch die ausbildenden Betriebe im Kreis machen sich derzeit Gedanken, wie es dieses Jahr mit der Ausbildung weitergeht. Die Jugendlichen suchen nach ihrem Beruf der Zukunft, die Betriebe suchen ihre zukünftigen Fachkräfte. Für junge Leute sieht die aktuelle Lage nicht so übel aus – es gibt noch freie Stellen.

Wie viele junge Leute haben schon eine Stelle, wie viele suchen?

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2019 haben sich bei der Agentur für Arbeit Waiblingen 2518 Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 269 oder knapp 10 Prozent weniger als im Juni letzten Jahres. Von den gemeldeten Jugendlichen sind 1343 bereits versorgt, das heißt, sie haben einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, machen einen Freiwilligendienst oder besuchen weiter die Schule. 1175 junge Menschen sind noch auf der Suche.

Wie viele freie Ausbildungsstellen stehen dem gegenüber?

Dem gegenüber stehen 2512 bislang gemeldete Ausbildungsstellen, 109 mehr als vor einem Jahr (plus 4,5 Prozent). 1084 dieser Stellen sind aktuell noch nicht besetzt. Die übrigen 1428 Ausbildungsstellen wurden größtenteils besetzt, ein geringer Anteil wurde storniert.

Wie sind diese Zahlen einzuordnen?

„In den letzten Jahren hatten wir deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsstellen, dieses Jahr ist es ungefähr gleich“, kommentiert Christine Käferle, Leiterin der Agentur für Arbeit Waiblingen. „Viele Jugendliche im Kreis pendeln für ihre Wunschausbildung in die angrenzenden Regionen, vor allem nach Stuttgart – daher ist das Verhältnis der Bewerber zu den Ausbildungsstellen nicht bedenklich“. Wichtig sei, „dass sich die Jugendlichen, die noch nichts haben, weiter bewerben. Es gibt noch viele freie Stellen in der Region.“

In welchen Berufen gibt es die meisten Ausbildungsstellen?

Nach Berufen betrachtet wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Agentur und Jobcenter seit Berichtsjahresbeginn am meisten Ausbildungsstellen für die Berufe Kauffrau/-mann im Einzelhandel (209) gemeldet. Dahinter: Verkäufer/-in (131) und Fachkraft Lagerlogistik (93). Bei den noch unbesetzten Ausbildungsstellen ist es ähnlich. So gibt es aktuell noch die meisten freien Stellen in den Berufen Kauffrau/-mann im Einzelhandel (101) und Verkäufer/-in (72). Platz drei in dieser Rangliste teilen sich Fachkraft Lagerlogistik (50) und die/der Informatikkauffrau/-mann (50).

Welche Berufe sind bei den jungen Leuten besonders begehrt?

Die Berufe, die von den Bewerber/-innen seit Berichtsjahresanfang am meisten nachgefragt wurden, sind Kauffrau/-mann im Büromanagement (142), Kauffrau/-mann im Einzelhandel (134) und Industriemechaniker/-in (133).

Gibt es da auch Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?

Oh ja. So interessieren sich weibliche Jugendliche vor allem für die Ausbildungen zur Medizinischen Fachangestellten (111), Kauffrau im Büromanagement (109) und Verkäuferin (64), wohingegen die männlichen Jugendlichen vor allem die Ausbildungen zum Industriemechaniker (127), KFZ-Mechatroniker PKW-Technik (109) und Kaufmann im Einzelhandel (76) nachfragen.

Welchen Tipp kann man Jugendlichen bei der Suche geben?

Jugendliche sollten sich „nicht nur auf einen Beruf fixieren“, empfiehlt Christine Käferle, Leiterin der Agentur für Arbeit Waiblingen. „Es gibt viele tolle Berufe, die nicht so bekannt sind. Wer sich zum Beispiel für den Beruf des Industriemechanikers interessiert, für den könnte auch eine Ausbildung zum Feinwerk-, Zerspanungs- oder Werkzeugmechaniker in Frage kommen. Unsere Berufsberatung kennt die Berufe und kann Alternativen zum Wunschberuf aufzeigen, bei den Bewerbungen helfen und auch freie Stellen zuschicken.“ Zu erreichen ist die Berufsberatung unter über den neu eingerichteten BiZ-Call (07151/9519 902) von montags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr.

Gibt es wegen Corona Ausbildungshilfen für Betriebe?

Ja. Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ hat das Bundeskabinett Ende Juni ein Paket mit fünf verschiedenen Hebeln verabschiedet, um auf Corona zu reagieren. Gefördert werden kleine und mittelständische Unternehmen, die eines der folgenden fünf Kriterien erfüllen; Betriebe also, die ...

  • durch die Corona-Pandemie besonders betroffen sind;
  • ihr Ausbildungsniveau ohne Einschränkung halten;
  • ihre Ausbildungsleistungen erhöhen;
  • trotz eines erheblichen Arbeitsausfalls uneingeschränkt weiter ausbilden;
  • Auszubildende von pandemiebedingt insolventen anderen Betrieben bis zum Ausbildungsabschluss übernehmen oder zeitweise Auszubildende übernehmen, deren Ausbildungsbetrieb für einen gewissen Zeitraum die Ausbildung unterbrechen muss.

Weitere Informationen zu diesem Hilfspaket gibt es via Mail (Adresse: Waiblingen.141-Arbeitgeber-Service@arbeitsagentur.de) oder über die Arbeitgeberhotline 0800 45 555 20.

Wie sieht es im Handwerk aus?

Jugendliche, die ihre Zukunft im Handwerk sehen, haben nach wie vor gute Chancen auf ihren Traumberuf. Fast 350 freie Ausbildungsplätze sind aktuell bei der Handwerkskammer Region Stuttgart gemeldet. „Trotz Coronakrise bieten die Handwerksbetriebe für Schulabgänger ausgezeichnete Berufschancen. Jugendliche sollten sich jetzt schnell bewerben. Wir möchten, dass aus den Lehrstellen keine Leerstellen werden, wenn am 1. September das neue Ausbildungsjahr beginnt“, betont Kammerchef Thomas Hoefling. Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk sei weiterhin hoch. „Bilden Betriebe jetzt nicht aus, hat man die Krise nach der Krise. Die Coronakrise hat im Frühjahr die Berufsorientierungsmaßnahmen für die Schulabgänger stark eingeschränkt. Ausbildungsmessen und praxisorientierte Projekte konnten nicht stattfinden. Deshalb sollten Jugendliche die noch verbleibende Schulzeit und auch die Ferienzeit nutzen, um sich über die 130 Ausbildungsberufe im Handwerk zu informieren.“

Alleine für den Beruf des Elektronikers sind in den sechs Stadt- und Landkreisen der Region Stuttgart aktuell 50 freie Lehrstellen gemeldet. Über 40 Plätze sind im Anlagenmechaniker-Handwerk für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, 40 Plätze im Friseur-Handwerk frei. Auch Maler und Lackierer, Schreiner, Stuckateure oder Kfz-Mechatroniker haben noch Plätze frei. In der Lehrstellenbörse gelistete freie Ausbildungsplätze allein im Rems-Murr-Kreis: 79.

Alle freien Ausbildungsplätze können über die Lehrstellenbörse und die App Lehrstellenradar der Handwerkskammer abgerufen werden. Zudem stellen auf der Videoplattform azubiTV.de Lehrlinge ihren Ausbildungsberuf in kurzen Clips vor. Mehr Infos: www.hwk-stuttgart.de, www.handwerk.de.