Rems-Murr-Kreis

Kaisersbacher Gemeinderat hat höchste Frauenquote

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Das Kaisersbacher Rathaus. © Privat
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Die Kaisersbacher Gemeinderätin und Agraringenieurin Alexandra Bäuerle.
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Juliane Sonntag sitzt für die SPD im Waiblinger Gemeinderat. Bei der nächsten Wahl tritt sie nicht mehr an.
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Melanie Lang ist mit 29 jüngste Gemeinderätin im Backnanger Stadtrat.

Rems-Murr-Kreis. Den höchsten Frauenanteil in einem Gemeinderat im Kreis hat Kaisersbach. Mit 41,7 Prozent liegt die Kommune im Vergleich ganz vorne. Eine Analyse der Kommunen zeigt, dass Frauen in den Gemeinderäten im Rems-Murr-Kreis noch immer unterrepräsentiert sind, in Kaisersbach, Waiblingen und Backnang sind es jedoch verhältnismäßig viele. Drei Gemeinderätinnen sagen, was bei ihnen im Ort richtig läuft.

„Frauen auf dem Land übernehmen immer mehr Verantwortung, besonders in Kaisersbach", sagt die 49-jährige Alexandra Bäuerle, die dort inzwischen seit zehn Jahren im Gemeinderat sitzt. Der Ort im Fränkisch-Schwäbischen Wald hat mit 41,7 Prozent den höchsten Frauenanteil im Rems-Murr-Kreis. Es ist jedoch noch gar nicht so lange her, da saßen auch dort kaum Frauen. Bis zur Wahl 2014 seien es nur zwei gewesen, erzählt die Agraringenieurin Bäuerle. Sie sprach vor der vergangenen Kommunalwahl aktiv andere Frauen an und forderte sie auf, zu kandidieren.

In Kaisersbach gibt es keine Fraktionen, das spricht Frauen an

Bäuerle hat eine Vermutung, was die Frauen in den Gemeinderat zieht: In Kaisersbach gibt es keine klassischen Fraktionen oder Parteilisten, wie in anderen Orten. Während in anderen Gemeinden etwa in SPD- und CDU-Fraktionen gearbeitet wird, sind hier alle fraktionslos. „Es gibt hier kein Korsett und keine Fraktion, jeder darf frei abstimmen, das spricht offenbar die Frauen an“, sagt die 49-Jährige, die von dem Konzept überzeugt ist. Als eine der wenigen Kommunen hat Kaisersbach mit Katja Müller auch eine Bürgermeisterin.

Das Rezept der SPD in Waiblingen: Quotierte Listen

Auch in Waiblingen sind mit 40,6 Prozent besonders viele Frauen in der Kommunalpolitik. Juliane Sonntag sitzt im Waiblinger Stadtrat für die Fraktion der SPD, die durch ihren besonders hohen Frauenanteil auffällt. In der Fraktion sind vier von sieben Gemeinderäten weiblich, darauf ist Sonntag stolz. Ihr Rezept für einen hohen Frauenanteil: Eine quotierte Liste, auf der abwechselnd Männer und Frauen stehen. Sie spricht an, dass die Kandidatinnen idealerweise einen gewissen Bekanntheitsgrad mitbringen sollten, um gewählt zu werden. Warum es in anderen Gemeinderäten teilweise so wenige Frauen sind? Sonntag geht davon aus, dass die Arbeit im Gemeinderat viele Frauen, die sich auch um den Haushalt und die Familie kümmern müssen, abschreckt.

Die freiberufliche Dozentin ist inzwischen seit zehn Jahren dabei und will bei der kommenden Kommunalwahl nicht mehr kandidieren. Auch ihre SPD-Gemeinderatskolleginnen treten, bis auf Christel Unger, nicht mehr an. Trotzdem ist sie optimistisch, was den Anteil der Frauen in der SPD-Fraktion betriff und kündigt an: „Bei der kommenden Kommunalwahl werde die SPD mit einer ausgewogenen neuen Liste kandidieren." Sie findet es sehr wichtig, dass der "Gemeinderat alle Bürgerinnen und Bürger repräsentiert, etwa hinsichtlich des Alters und des Geschlechts."

Im Backnanger Gemeinderat sitzen viele Frauen, die in der Stadt bekannt sind

In Sachen Frauenquote ist Backnang mit Waiblingen gleichauf, auch dort sind Frauen zu 40 Prozent vertreten. „Wir haben viele Frauen im Gemeinderat, die in der Stadt sehr bekannt sind, unter anderem etwa eine Ärztin“, sagt Melanie Lang von den Grünen, die mit 29 die Jüngste im Stadtrat ist. Sie vermutet, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Personen wählen, die sie selbst kennen, unabhängig vom Geschlecht. Lang sagt von sich selbst, dass ihr bei der vergangenen Kommunalwahl geholfen habe, dass man sie etwa von der Feuerwehr oder anderen ehrenamtlichen Aktivitäten in Backnang bereits kannte.

Zwar seien viele Frauen ehrenamtlich aktiv, doch häufig würden sie die Arbeiten im Hintergrund übernehmen, während die Männer die öffentlichen Ämter begleiten, sagt Lang. Sie rät weniger stadtbekannten Frauen, die kandidieren wollen, aktiven Haustürwahlkampf zu betreiben und sich persönlich vorzustellen. Frauen sollen außerdem von den Parteien und Gruppen, die die Listen aufstellen, einfordern, sie auf einen vorderen Listenplatz zu setzen. Lang war 2017 auch Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd.


Gemeinderätinnen aus dem Rems-Murr-Kreis sprechen über ihre Erfahrungen

  • Frauen im Gemeinderat unterrepräsentiert: Eine Grafik zeigt, wie viele Frauen in welchen Stadt- und Gemeinderäten sitzen. Im Rems-Murr-Kreis sind nur 27,3 Prozent der Gemeinderäte weiblich, die Städte im Kreis weisen einen höheren Frauenanteil auf.
  • Im Gemeinderat allein unter Männern: In Murrhardt und Großerlach sitzt nur eine Frau im Gemeinderat. Die beiden Gemeinderätinnen Eva Pfeil und Susanne Barreuther haben über das Problem gesprochen, sie versuchen anderen Frauen Mut zu machen, für den Gemeinderat zu kandidieren.