Rems-Murr-Kreis

Kann man Home Office von der Steuer absetzen?

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© Christine Tantschinez

Waiblingen. Was früher in vielen Betrieben eher eine Ausnahme war, ist gegenwärtig für viele Abeiternehmer zur Pflicht geworden: Wer kann, soll daheim bleiben und von zu Hause aus arbeiten. Aber: Lassen sich die Kosten fürs Home Office eigentlich steuerlich absetzen? Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. gibt Tipps:

Nach aktuellem Steuerrecht: Home Office nur mit Arbeitszimmer absetzbar 

Momentan nutzen aber die meisten Arbeitnehmer, die aufgrund des Coronavirus teilweise oder ganz von zu Hause arbeiten müssen, keine eigenen Räume, sondern sitzen am Esstisch, in der Arbeitsecke, im Wohnzimmer oder auch am Schreibtisch im Flur, oft an privaten Laptops oder Computern. Klar, denn normalerweise haben diese Angestellten einen vom Arbeitgeber zu Verfügung gestellten Arbeitsplatz. Nach aktuellem Steuerrecht die Kosten für diese privaten Arbeitsplätze nicht absetzbar, nur, wenn man einen eigenen Arbeitsraum hat. Ein Durchgangszimmer, den Küchentisch oder die Ecke im Wohnzimmer erkennt das Finanzamt nicht an. Denn: Das Arbeitszimmer muss fast ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt werden.

Bei der Frage, wie viel Kosten Arbeitnehmer für ihr Arbeitszimmer absetzen können, entscheidet die Art der Nutzung: Ist das separate Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit - zum Beispiel bei freischaffenden Journalisten oder Schriftstellern - können die Kosten in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden. Wird das separate Arbeitszimmer lediglich für bestimmte berufliche Aufgaben genutzt und steht dafür beim Arbeitgeber kein entsprechender Arbeitsplatz zur Verfügung, können maximal 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten in die Steuererklärung eingetragen werden. Das gilt zum Beispiel für Lehrer oder Außendienstmitarbeiter.

Forderung: Auch die Arbeitsecke soll in Corona-Zeiten anerkannt werden

Deswegen fordert der Lohnsteuerhilfeverein: Auch die Kosten für die Arbeitsecke sollten in Corona-Zeiten anerkannt werden. Wer derzeit und über mehrere Wochen im Home-Office in der Arbeitsecke im Wohnzimmer sitzt, geht leer aus. Bundesregierung und Finanzministerium sollten nach Ansicht des Vereins für das Steuerjahr auch die tatsächlichen Kosten für eine Arbeitsecke anerkennen, sowie anteilig die Kosten für Strom, Telefon oder Miete - genau wie für den privat finanzierten Bürostuhl oder Computer.

Empfehlungen für Arbeitnehmer:

  • Ob mit oder ohne separatem Arbeitszimmer: Arbeitnehmer sollten sich eine schriftliche Bescheinigung ihres Arbeitgebers ausstellen lassen, in welchem Zeitraum ihr Arbeitsplatz im Unternehmen nicht zur Verfügung stand und der Arbeitnehmer deshalb von zu Hause aus arbeiten musste. 
  • Außerdem sollten Arbeitnehmer möglichst präzise aufzeichnen, wann sie ihre Arbeitsecke oder Arbeitszimmer genutzt haben - zum Beispiel in Form einer Tabelle mit Datum, Anzahl der Stunden usw.
  • Rechnungen für zum Beispiel Druckerpapier, Schreibmaterial, Stromkosten und Telefonkosten sollten aufbewahrt werden, falls der Arbeitgeber diese Kosten nicht erstattet.
  • Je detaillierter die Aufzeichnungen und die Nachweise sind, desto größer sind die Chancen, dass die Finanzämter die Aufwendungen anerkennen.

Die VLH: Größter Lohnsteuerhilfeverein Deutschlands

Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) ist mit mehr als einer Million Mitglieder und rund 3.000 Beratungsstellen bundesweit Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein. Gegründet im Jahr 1972, stellt die VLH außerdem die meisten nach DIN 77700 zertifizierten Berater. Die VLH erstellt für ihre Mitglieder die Einkommensteuererklärung, beantragt Freibeträge, ermittelt und beantragt Förderungen und Zulagen, prüft den Steuerbescheid und einiges mehr im Rahmen der gesetzlichen Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG.