Rems-Murr-Kreis

Katzenpensionen sind in den Ferien überfüllt

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Ich sehe was, das du nicht siehst: Eine Katze sitzt auf einem Zaun nahe der renaturierten Rems gegenüber dem Klärwerk in WInterbach. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen/Kernen/Plüderhausen. „Aus die Maus“ heißt es am internationalen Katzentag für Besitzer, die eine Ferien-Unterbringung für ihre Katze suchen. Tierpensionen und Tierversorger im Kreis sind belegt. Wer noch ein Plätzchen fürs schnurrige Schätzchen sucht, muss Glück haben oder sich mit einer „kleinen Lösung“ begnügen.

„Frühbucher“ sind auch im Katzenhotelbereich klar im Vorteil: „Die Ferienwochen sind Hochsaison, freie Plätze gibt es erst wieder ab Mitte September“, sagt Rita Reiss, Inhaberin einer privaten Katzenpension in Weissach im Tal. Ihre Ferienkatzen haben sich gut eingelebt, die meisten seien Stammgäste. Mischa nicht.

„Sie ist knapp ein Jahr alt, es ist unser erster Urlaub, seit wir sie haben“, sagt die Katzenbesitzerin. „Sei schön brav, ich bin bald wieder da“, verabschiedet sie sich kraulend und knuddelnd. Rita Reiss setzt Mischa auf einen Tisch, prüft den Impfpass und verabreicht ihr den obligatorischen Flohschutz. „Mischa hat bei uns morgens ihre aktivste Zeit“, teilt die Besitzerin mit.

Aus sicherer Distanz werden das neue Zuhause und die WG-Mitbewohner inspiziert

An dem Vormittag der Ankunft ist von Mischas Aktivität aber nicht viel zu merken: Die pensionsunerfahrene Katze steuert den nächstgelegenen Vorhang an und verschanzt sich. Das Verhalten sei „ganz normal“, sagt Rita Reiss. „Sie beobachtet vom sicheren Versteck aus die Lage, bevor sie sich heraustraut.“

Aus sicherer Distanz werden das neue Zuhause und die WG-Mitbewohner inspiziert: Coco schläft eingerollt auf einem Sims, Filly kaut knackend Trockenfutter. Der Größte im Raum ist der lebhafte Maine-Coon-Kater Diego mit langem rotem Fell, der abwechselnd klettert und sich die Krallen am Kratzbaum wetzt. In einer Kiste döst Luky, von dem nur die Pfote herausragt. Chico maunzt mit durchdringendem Ton: „Der Schlingel braucht nur ein paar Streicheleinheiten“, weiß die „Katzenmama“.

Kletterlandschaft aus Pflanzen, Gras und Steinen

Mischa sitzt und guckt. Beim Anruf einen Tag später ist laut Rita Reiss die erste natürliche Scheu überwunden, den Vorhang braucht Mischa nicht mehr. „Sie ist erst ein Jahr alt, die Jüngeren sind oft unproblematischer und offener für alles.“ Das Kätzchen ist im Zimmer mit Garten untergekommen. Durch zwei Katzenklappen und ein Fenster erreichen die Tiere den eingezäunten Außenbereich, hier haben sie eine Kletterlandschaft aus Pflanzen, Gras und Steinen und können beobachten, was sich draußen tut. Hin und wieder dauere die Eingewöhnungsphase länger, das kann – auch bei Katzen – Heimweh sein.

„Zeigen sie sich nach mehreren Tagen noch nicht, rühren das Futter nicht oder kaum an, bekommen sie zusätzliche Streicheleinheiten und werden mit Leckerchen oder einem Ergänzungsfuttermittel zum Fressen animiert“, sagt Rita Reiss. „Wenn es nach der Katze ginge, müsste der Besitzer daheim bleiben.“

Neue Umgebung, Gerüche und Stimmen sind Stress pur

Annemarie Werner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen, bestätigt: „Für viele Katzen ist es das Beste, sie im eigenen Umfeld zu belassen.“ Neue Umgebung, Gerüche und Stimmen seien Stress pur. Für Annemarie Werner gehört es zur Anschaffung eines Tieres dazu, sich über Urlaub oder Abwesenheit im Krankheitsfall im Klaren zu werden. Das Thema beschäftigt sie ganzjährig: Katzenbesitzer, die ins Krankenhaus müssen oder in Reha, benötigen Hilfe.

Die Ferienzeit spüre das Tierheim dann ganz besonders - die Kapazitäten für Katzen, die nicht in Ferien mitgehen können, seien erschöpft. „Der Verein hat kein eigenes Tierheim, alle Tiere werden in privaten Pflegestellen untergebracht, die sind alle belegt“, sagt Annemarie Werner. Katzenbesitzer können sich trotzdem an den Verein wenden: Er sei immer bemüht, Urlaubstiere unterzubringen, und biete Hilfe an, anderweitig eine Lösung zu finden. „Wir versuchen, Ehrenamtliche oder private Pflegestellen zu finden, die sie vor Ort versorgen und füttern.“

Am besten mindestens drei Monate im Voraus buchen

Im Katzenhotel von Bianca Schwer in Kernen-Rommelshausen hätte sich zwei Tage vor dem internationalen Katzentag noch ein Türchen in eines der großzügigen Zimmer mit Zugang zum Freigehege öffnen können. Sogar die Suite mit eigenem Garten für einen Freigänger war noch zu haben. „Doch es kann sich täglich ändern“, sagt Bianca Schwer. Sie bekomme im Schnitt fünf Anrufe täglich und nehme maximal 30 Katzen auf.

Nischa Mitchell, Tierheimleiterin in der Tierstation Plüderhausen, müsste spontane Urlaubskatzen abweisen. „Wir empfehlen eine rechtzeitige Buchung, bis zu drei Monate im Voraus rufen die Leute bei uns an“, spricht sie von Erfahrungswerten. Was ihre Plätze derzeit zusätzlich verknappt, sei die hohe Zahl an Fundkatzen.

Grundsätzlich sei das Wesen der Katze zu berücksichtigen

Seit Pfingsten würden vermehrt „Frühjahrskätzle“ – teilweise Mütter mit ihren Kitten – bei ihnen abgegeben. Wer dringend ein vorübergehendes Quartier sucht, dem empfiehlt sie „Katzensitter“, die gegen Bezahlung zu den Besitzern nach Hause kommen, sie füttern, streicheln, bürsten, die Katzentoilette reinigen. Was auch immer geht, sei Nachbarschaftshilfe: „Beim zuverlässigen Nachbarn erkundigen, ob er nach der Katze schauen kann.“

Grundsätzlich sei das Wesen der Katze zu berücksichtigen, bevor man eine Katzenpension bucht und der Katze damit keinen Gefallen tut. „Viele fühlen sich zu Hause grundsätzlich wohler als in einer Pension – egal, wie schön es dort ist.“


Sachkundenachweis

Seriöse Katzenpensionen haben den Sachkundenachweis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz. Die „Paragraf-11-Erlaubnis“ regelt die Vermittlung, Haltung, Pflege und Unterbringung von Tieren.