Rems-Murr-Kreis

Keine körperliche Gewalt gegen Lehrer

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Gegen einen filmenden Lehrer in Heidenheim erging ein Strafbefehl wegen der Verletzung der Privatsphäre - er musste mehrere Tausend Euro zahlen. (Symbolbild) © ZVW/Danny Galm

Waiblingen. Es sind die schweren Fälle, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. In Tenningen, einer Gemeinde nahe Freiburg, verletzte ein Siebenjähriger im März seine Lehrerin mit einem Messer. Befragte Schulen im Rems-Murr-Kreis sind von solchen Ereignissen nicht betroffen. Verbale Gewalt kommt allerdings durchaus auch hier vor.

Regelrecht beschwingt klingt die Aussage von Volker Losch, dem Schulleiter des Staufer-Gymnasiums in Waiblingen. „Nach einer Kurzumfrage in der Lehrerküche kam einhellig die Bestätigung meiner Vermutung, dass diese Thematik bei uns eigentlich gar nicht aufkommt. Das ist gut und darüber freuen wir uns sehr.“

„Diese Thematik“, das ist Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer. Der Verband Bildung und Erziehung VBE hatte das Forsa-Institut damit beauftragt, bundesweit Schulleiterinnen und Schulleiter dazu zu befragen. Bei der Kultusministerkonferenz Ende Juni in Berlin kam das Thema dann auf die Tagesordnung – was der VBE als Erfolg für sich verbucht, denn Gewalt gegen Lehrer sei ein „Tabuthema“.

Beleidigt und bedroht

Die Forsa-Umfrage liefert leider keine Daten speziell für den Rems-Murr-Kreis. Nur die Zahlen für Baden-Württemberg können aus der Gesamtstatistik herausgelöst werden. 251 Rektorate wurden hier befragt. Diese meldeten für die letzten fünf Jahre 45 Fälle, in denen Lehrerinnen oder Lehrer „beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt“ wurden.

In 16 Fällen wurden die Lehrer über das Internet „diffamiert, belästigt, bedrängt, bedroht oder genötigt“. In 16 Fällen kam es zu körperlichen Übergriffen.

Bei der Aufarbeitung der verschiedenen Fälle von Gewalt erweisen sich vor allem zwei Punkte als häufiges Hindernis: Betroffene Schülerinnen und Schüler zeigen sich oft uneinsichtig. Und Eltern sind nicht kooperationswillig. Dieses Ergebnis gilt allerdings nur für ganz Deutschland – für Baden-Württemberg gibt’s diesbezüglich keine Auswertung.

Übergriffige Kinder

Auch zum Alter der übergriffigen Kinder macht die Statistik nur sehr ungenaue Aussagen: Psychische Gewalt, also Beleidigungen oder Bedrohungen, kommen häufiger an Haupt-, Real- und Gemeinschaftsschulen vor als an Grundschulen oder Gymnasien. Cybermobbing findet an Schulen der Sekundarstufe deutlich häufiger statt als an Grundschulen.

Körperliche Gewalt dagegen findet gehäuft an Grundschulen statt. Wobei der VBE davon ausgeht, dass die befragten Lehrerinnen und Lehrer „von einer niederschwelligen Definition von Gewalt jenseits der Polizeistatistik“ sprechen. Also etwa von einem Tritt gegen das Schienbein.

Das Schulamt in Backnang kann zum Thema Gewalt gegen Lehrer nichts sagen: Es sind keine aktuell konkreten Fälle bekannt, es gebe keine Dokumentation. Sicher gebe es immer wieder Vorfälle, doch es komme ganz selten vor, dass das Schulamt als Schulaufsichtsbehörde involviert sei.

Mangel an Respekt

Körperliche Gewalt scheint tatsächlich im Rems-Murr-Kreis keine Rolle zu spielen. Ihm seien keine Fälle an seinem Weissacher Bildungszentrum bekannt, sagt Jürgen Wörner. Er spricht von einer „Hemmschwelle“, die nicht überschritten werde. Wörner leitet das große Schulzentrum mit Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule, in das deutlich über tausend Kinder und Jugendliche gehen.

„Was wir allerdings haben“, schreibt er, „ist ein gelegentlicher Mangel an Respekt gegenüber der einen oder anderen Lehrperson, die sich dann in der unpassenden Wortwahl oder auch der falschen Lautstärke Ausdruck verschafft.“

Dieses Verhalten, so denkt er, habe im Laufe der Jahre zugenommen. Und er stellt, ganz der VBE-Statistik entsprechend, fest, dass in solchen Fällen manchmal die „konstruktive Zusammenarbeit mit dem Elternhaus“ fehle.

Auch Eltern werden ausfällig

Diese Erfahrung bestätigt auch Eva Neundorfer, Schulleiterin der Staufer-Gemeinschaftsschule in Waiblingen: Sie spricht über gelegentliche verbale Übergriffe, besonders von Jungs gegenüber Lehrerinnen. Was sie zur Erweiterung des Themas noch anfügt: „Auch Eltern werden gelegentlich ausfällig.“


Meldung machen

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat Lehrerinnen und Lehrer in einem Brief dazu aufgefordert, Vorfälle von Gewalt an die Schulaufsichtsbehörden zu melden.

Auf der Kultusministerkonferenz selbst wurde offensichtlich kein Beschluss zum Thema gefasst. Dem VBE liegen jedenfalls keine Informationen vor.