Rems-Murr-Kreis

Kiffen für die Wissenschaft

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Symbolbild. © Christine Tantschinez

Berlin. Fakenews? Hoax? Manchmal erreichen uns Pressemitteilungen, die sind eigentlich  zu schön um wahr zu sein. Wie jene von der "Forschungsinitiative Cannabiskonsum GmbH" aus, natürlich, Berlin. Dort startete am 6.Februar  nämlich die Bewerbungsphase zur wissenschaftlichen Studie zu "Cannabisfolgen bei physisch gesunden erwachsenen Konsumenten".

Also quasi Kiffen für die Wissenschaft. Gesucht werden Cannabiskonsumenten mit Wohnsitz in - na klar - Berlin. Ausgeschlossen sind Erstkonsumenten, Minderjährige sowie Risikoprobanden, beispielsweise mit abhängigem Konsum oder psychischen Störungen. Vorgesehen ist die kostenpflichtige Abgabe von Cannabisblüten über Apotheken bis monatlich 30 Gramm, dies entspricht bis 7,5 Gramm Tetrahydrocannabinol. 30 Gramm im Monat, das macht also rund ein Gramm pro Tag. Wenn man sich an alte Erfahr...äh..Quellen erinnert, reichen für einen ordentlichen Joint 0,3 bis 0,5 Gramm aus. 

Unverwechselbare Webseite

Natürlich springt man da als Journalist auf den Zug auf, wird sofort hellhörig. Aber auch misstrauisch. Spätestens nach einem Blick auf die Internetadresse des Wissenschaftlichen Instituts - www.fi-ck.de - schrillen sämtliche Alarmglocken. Das kann doch nicht, nee, ach komm, ernsthaft? 

Nachdem man sich die ersten Lachtränen aus den Augen gewischt hat, checkt man kurz die Seite bei Mimikama.at, der erste Hilfe für sogenannte Hoax-Webseiten. Aha, keine Meldung zu finden. Also anrufen beim FICK (dass der Domänname überhaupt noch frei war, grenzt eigentlich an ein kleines Wunder). Mist, keine Telefonnummer auf der Webseite zu finden. Dafür der Bewerbungsbogen, der die für die Studie relevanten Fragen stellt: Haben Sie schon mal Cannabis konsumiert, in welchem Alter erstmals und wieviel Cannabis haben Sie in den letzten 30 Tagen zu sich genommen? 

 Dazu kommt in der Pressemitteilung der geschäftsführende Gesellschafter der FICK, Marko Dörre, zu Wort: 
"Wir machen den nächsten Schritt zur Erforschung von Cannabiskonsum. Die Hürden für unsere Studie sind hoch, aber wir sind vorsichtig optimistisch, noch in diesem Jahr alle gesetzlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Wir werden weiterhin alles tun, um mit unserem Vorhaben mögliche Risiken zu minimieren und den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn zu maximieren."

Na, dann wünschen wir viel Erfolg. Schade, dass nur Berliner daran teilnehmen dürfen. Wir wären an Erfahrungsberichten sehr interessiert.