Rems-Murr-Kreis

Kinderporno-Konsum: Polizei sorgt sich

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Aalen/Waiblingen. Früher war nicht alles besser. Die Zahl der Straftaten ist im Rems-Murr-Kreis 2018 erneut zurückgegangen. Viele Menschen empfinden die Lage dennoch als angespannt – ihr Sicherheitsgefühl ist nicht das wohligste. Sorge bereiten dem Kripo-Chef Reiner Möller aktuell diese beiden Felder: Konsum von Kinderpornografie und gezielt gegen Senioren gerichteter Betrug.

„Große Sorge bereitet mir das Thema Kinderpornografie“, sagte Reiner Möller am Freitag bei der Vorlage der Polizeistatistik vor der Presse in Aalen: „Die Fallzahlen steigen.“ Es sei heute recht einfach, übers Internet an einschlägige Bilder und Videos heranzukommen – und offenbar wird das sehr rege genutzt. Im Zuge eines Verfahrens, von dem Möller als Beispiel berichtete, hatten es die Beamten mit vier Millionen Bildern und mehr als 28 000 Videos zu tun.

Das gesamte Material ist lückenlos zu sichten

Beamte müssen sich das alles anschauen, denn das Material muss um der Opfer willen akribisch und lückenlos geprüft werden: Es geht nicht nur darum, Beweise zu sammeln für Strafverfahren gegen Konsumenten von Kinderpornografie. Vielmehr versucht die Polizei, anhand der Bilder missbrauchte Kinder zu finden, diese Fälle aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. 17 Verfahren sind laut Möller aktuell bei der Kripo anhängig. Die Beamten haben es mit 11,6 Millionen Bildern und 184 000 Videos zu tun. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie jemand sich fühlen muss, der jeden Tag stundenlang diese Dinge anschauen muss. Mittels Supervision und Personalwechseln in diesem Bereich versuche man, die Belastung für die Ermittler zumindest einzugrenzen.

In der offiziellen Polizeistatistik taucht auch diese Zahl nicht auf: Mehr als 700 Todesfallermittlungen hatte die Polizeidirektion Aalen, die für den Rems-Murr- und den Ostalbkreis sowie für Schwäbisch Hall zuständig ist, im vergangenen Jahr abzuarbeiten. Etwa bei Suiziden oder Todesfällen, bei denen auch eine nicht natürliche Ursache vorliegen könnte, muss die Kripo ermitteln.

Betrüger nehmen gezielt ältere Menschen ins Visier

Einen ihrer Schwerpunkte wird die Polizei im laufenden Jahr aufs Bekämpfen von Betrügereien legen, die sich gezielt gegen Senioren richten. Als sein „Hauptärgernisthema“ bezeichnete Möller die Betrugsmasche „falscher Polizist“. Über im Ausland angesiedelte Call-Center organisieren Banden eine Vielzahl von Anrufen bei älteren Menschen. Ein Anrufer gibt sich als Polizist aus und behauptet beispielsweise, in der Nachbarschaft sei eingebrochen worden. Nun müssten Vermögenswerte gesichert werden; ein Beamter hole demnächst Wertgegenstände ab. Auf solchen Unsinn fallen die meisten nicht herein – manche aber doch.

Aufklärungsarbeit seitens der Polizei, Medienberichte und seit einiger Zeit auch Schulungen von Bankangestellten, die bei auffälligen Bargeldabhebungen misstrauisch werden sollten – alles zusammen soll helfen, Senioren vor dem Verlust ihrer Ersparnisse zu bewahren. Hin und wieder zeigen sich Betroffene allerdings „beratungsresistent“, so Möller: Sie bleiben mit Betrügern in Kontakt, obwohl die echte Polizei sie über deren Absichten aufgeklärt hat.

Polizeipräsident Roland Eisele verwies – bezogen auf alle Straftaten – auf die mit fast 63 Prozent höchste Aufklärungsquote im Zehn-Jahres-Vergleich. Die Zahl der Straftaten ist erneut zurückgegangen, und das Polizeipräsidium Aalen liegt bei einer wichtigen Kennzahl Baden-Württemberg-weit auf dem zweiten Platz: Statistisch kommen auf 100 000 Einwohner 3869 Straftaten. In Stuttgart sind es weit mehr als doppelt so viele. Eiseles Fazit: „Es lebt sich relativ sicher im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen.“

Jene, die für Sicherheit sorgen, mögen das für sich selbst nicht so empfinden: Gewalttaten gegen Polizisten, Aggressionsbereitschaft, Beleidigungen und Respektlosigkeit nehmen seit Jahren zu. Die höchste Zahl seit fünf Jahren wies die 2018er-Statistik zudem im Deliktfeld „Aggression im öffentlichen Nahverkehr“ auf.

Von ebenfalls steigenden Zahlen berichtete die Polizei, was häusliche Gewalt angeht: Offenbar, so Eisele, zeigt sich zunehmende Gewaltbereitschaft nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch im Privaten. „Opferschutz hat zu Recht einen sehr hohen Stellenwert bekommen“, sagte Eisele weiter. Rund ein Fünftel der Opfer von Straftaten wurde in ihrem nahen sozialen Umfeld angegangen.

Die Zahl der Tatverdächtigen – bezogen auf alle Straftaten – lag im Gebiet des Polizeipräsidiums Aalen im vergangenen Jahr mit rund 16 600 etwas unter Vorjahresniveau. Knapp zwei Drittel der Tatverdächtigen waren Deutsche.

Weniger Einbrüche

 

Die Zahl der Wohnungseinbrüche war im vergangenen Jahr weiter rückläufig. Gegenüber dem Hoch im Jahr 2014 mit 662 Einbrüchen im Kreis hat sich die Zahl bis heute mehr als halbiert (277). Die meisten Einbrüche fanden im November, Dezember und Januar statt.

Von den 16 627 Tatverdächtigen (2017: 16 891) im Bereich der PP Aalen waren 12 638 (12 997) männlich, 1578 (1694) Heranwachsende sowie 2100 (2176) Jugendliche oder Kinder. Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen sank von 5800 auf 5683, die der Flüchtlinge von 1815 auf 1725.

Hauptstraftaten der nichtdeutschen Tatverdächtigten waren Körperverletzung (1445), Vermögens- und Fälschungsdelikte (1437), Diebstahl (1133), Rauschgift (514) und Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung (135).


Zahlen und Fakten

Mit insgesamt 18 018 Straftaten im vergangenen Jahr liegt der Rems-Murr-Kreis vorn innerhalb der drei Landkreise, für die das Polizeipräsidium (PP) Aalen verantwortlich ist. Der Ostalbkreis hatte 11 677 Straftaten zu verzeichnen, Schwäbisch Hall 6347.

Die Aufklärungsquote, bezogen auf alle Straftaten, lag im Jahr 2009 bei knapp 58 Prozent, im vergangenen Jahr bei knapp 63 Prozent: der beste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich.

Gewaltkriminalität hat - entgegen der öffentlichen Wahrnehmung - deutlich abgenommen: Das PP Aalen verzeichnete im vergangenen Jahr 1176 Fälle. Im Jahr davor waren es 1358 Fälle.

Deutlich zugenommen hat die Zahl der Straftaten im häuslichen Umfeld, also beispielsweise Körperverletzungen innerhalb einer Partnerschaft. Die Zahl stieg – bezogen auf das PP Aalen – von 688 im Jahr 2017 auf 803 im Jahr 2018.

1788 „Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum“ zählte das PP Aalen im vergangenen Jahr, nach 1802 im Jahr davor. Die Zahl der Aggressionsdelikte in öffentlichen Verkehrsmitteln stieg von 235 auf 249.

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg von 522 auf 580. In diesem Deliktfeld waren die Hälfte der Täter Deutsche.