Rems-Murr-Kreis

Kommt endlich genug Schutzausrüstung im Kreis an?

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Symbolbild. © Alexander Roth

Rems-Murr-Kreis.
Das Coronavirus im Rems-Murr-Kreis – der Tagesüberblick ...

Wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen aktuell?

Insgesamt 506 Infektionen im Rems-Murr-Kreis sind bislang offiziell – darunter 63 neu gemeldete Fälle am Montag, 30. März (Stand 18 Uhr): Allmersbach im Tal (3), Backnang (12), Berglen (1), Burgstetten (1), Fellbach (7), Kernen (4), Kirchberg/Murr (1), Korb (1), Murrhardt (2), Oppenweiler (2), Rudersberg (1), Schwaikheim (5), Spiegelberg (1), Waiblingen (7), Weinstadt (4), Weissach (5), Welzheim (1), Winnenden (5). Die aktuellen Fallzahlen finden Sie hier.

Welche Kommunen sind besonders betroffen?

  • Nach wie vor verzeichnet Backnang die meisten Infektionen – mittlerweile 74 (bei 37 300 Einwohnern macht das eine Infektionsrate von rund zwei Promille).
  • Auch die Backnanger Nachbargemeinden Weissach im Tal (25 Fälle, 7400 Einwohner; 3,3 Promille) und Allmersbach (13 Fälle, 4800 Einwohner; 2,7 Promille) sind stark betroffen.
  • Waiblingen zählt 69 Fälle (55 400 Einwohner; Infektionsrate: 1,2 Promille), Schorndorf 35 (39 600 Einwohner; 0,9 Promille), Weinstadt 38 (27 000 Einwohner; 1,4 Promille), Fellbach 37 (45 700 Einwohner; 0,8 Promille).
  • Immer noch kein Fall wurde aus Alfdorf gemeldet. Der Osten des Landkreises bleibt bislang weitgehend verschont: Kaisersbach, Alfdorf, Welzheim, Urbach und Plüderhausen kommen zusammen auf fast 40 000 Menschen – und nur 19 Infektionen (etwa 0,5 Promille).

Sind diese Zahlen besorgniserregend oder vielleicht gar nicht so schlimm?

Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wird: Sind die Infektionszahlen für den Rems-Murr-Kreis, die wir täglich veröffentlichen, wirklich so dramatisch, wie sie im Schaubild aussehen? Oder liefert die Grafik ein gar zu düsteres Bild? Auch an Influenza, bekommen wir zu hören, erkranken doch viele Leute, und auch Grippewellen fordern Menschenleben.

Das ist richtig – laut Robert-Koch-Institut kann die Zahl der Todesfälle bei einzelnen Grippewellen in Deutschland stark schwanken, von Hunderten bis über 20 000. Zum Vergleich: Stand 30. März verzeichnete das RKI etwa 500 Todesfälle durch das Coronavirus in der Bundesrepublik.

Das Problem bei Corona allerdings sind nicht die aktuellen Zahlen – das Problem ist die Tendenz. Covid-19 ist ein neuartiges Virus; es gibt momentan weder eine Grund-Immunität in der Bevölkerung noch einen Impfstoff: Die Verbreitung vollzieht sich stürmisch. Um die Dynamik zu verstehen, schauen wir die Zahlen aus dem Kreis näher an – wir bilden dabei Fünf-Tages-Intervalle:

  • Vom 13. bis zum 17. März stieg die Zahl der Infektionen von 26 auf 53. Multiplikationsfaktor: 2,0.
  • Vom 17. bis zum 21. März stieg die Zahl von 53 auf 133. Faktor: 2,5.
  • Vom 21. bis zum 25. März stieg die Zahl von 133 auf 240. Faktor: 1,8.
  • Vom 25. bis zum 29. März stieg die Zahl von 240 auf 445. Faktor: 1,8.

Ob die Lage sich von hier aus bedenklich zuspitzen wird, oder ob uns das erspart bleibt, weil Distanzgebote, Schul- und Ladenschließungen die Ausbreitung verlangsamen – diese Frage ist momentan nicht zu beantworten. Behelfen können wir uns allenfalls mit spekulativen Rechnungen:

  • Wenn wir unterstellen, dass die Dynamik – Faktor 1,8 im Fünf-Tages-Intervall – in den nächsten Wochen gleich bleibt, dann läge bis Karfreitag, 10. April, die Zahl der Infektionen im Kreis bei etwa 2600.
  • Wenn wir statt Faktor 1,8 im Fünf-Tages-Intervall Faktor 2,0 annehmen, landen wir bis Karfreitag bei mehr als 3500.
  • Beim Faktor 1,6 wären es nur 1800.

Bleiben wir für einen Moment bei den 2600 – davon wären Gesundete abzuziehen, Leute, die eine Infektion schon durchlaufen haben. Nähmen wir ganz pauschal 600 Gesundungen an, um eine runde Zahl zu bekommen, dann blieben 2000 aktuelle Fälle.

Wie viele der Angesteckten müssen einen schweren Krankheitsverlauf durchleiden und deshalb an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden? Die bisher weltweit verfügbaren Zahlen schwanken stark – von zwei bis 25 Prozent.

  • Zwei Prozent von 2000 wären 40 – die Rems-Murr-Kliniken verfügen über 85 Beatmungsplätze. Es bliebe ein solider Puffer.
  • Wenn wir mit fünf Prozent rechnen, wären das 100 Beatmungsfälle, von denen viele gleichzeitig zu behandeln wären – die kritische Schwelle, ab der das Gesundheitssystem an Grenzen stieße, wäre erreicht; ein Phänomen, das wir von Grippewellen nicht kennen.

Kommt endlich genug Schutzausrüstung im Kreis an?

Nein. Das Land hat zwar hoch und heilig schnelle Lieferungen versprochen – und ein bisschen ist jetzt tatsächlich eingetroffen im Rems-Murr-Kreis: 1000 OP-Masken (Mund- und Nasenschutz), 2500 FFP2-Schutzmasken (die unter anderem für den Umgang mit Coronakranken gebraucht werden), 5000 Paar Schutzhandschuhe. Aber auch wenn Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamtes, diplomatisch kommentiert: „Alles, was kommt, hilft“; und auch, wenn Monique Michaelis, Pressesprecherin der Rems-Murr-Kliniken, höflich lobt: „Wir freuen uns über alles, was kommt“ – es ist mal wieder nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Von dem Material sollten eigentlich ja auch Rettungsstellen, niedergelassene Ärzte und Pflegeheime mitversorgt werden – die neue Fuhre aber dürfte allenfalls den Bedarf für diese Woche decken. Damit gilt weiter, was Martina Keck schon vor Tagen als Devise ausgegeben hat: Der Kreis „kratzt überall zusammen, was er kriegen kann“.