Rems-Murr-Kreis

Krätze im Pflegeheim

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Symbolbild. © ZVW/Sarah Utz

Murrhardt. Im Seniorenhaus Hohenstein in Murrhardt sind mehrere Fälle von Krätze aufgetreten. Wie die Pressestelle des Landratsamts Rems-Murr bestätigt, waren Bewohner und einzelne Mitarbeiter des Murrhardter Alten- und Pflegeheims betroffen.

Bei Krätze handelt es sich um eine ansteckende Hautkrankheit. „Die Krätze ist ein Problem, das in den letzten Jahren wieder zunehmend ins Bewusstsein zurückgekehrt ist und auch in anderen Gemeinschaftseinrichtungen auftritt. Es ist also nicht nur das Seniorenhaus Hohenstein betroffen“, so das Landratsamt.

Am 5. Oktober meldete die Einrichtung den Krankheitsausbruch beim Gesundheitsamt. Laut Landratsamt handelte es sich um über 20 Bewohner und einzelne Mitarbeiter der Einrichtung, die zu den Betroffenen gehörten.

"Fälle von Krätze treten immer wieder einmal auf", erklärt Martina Keck vom Landratsamt. Weil die Erkrankung meldepflichtig ist, werden standardmäßig Schreiben an alle Betroffenen verteilt - auch wenn bis dahin nur ein Fall aufgetreten ist. Damit will das Gesundheitsamt einer Ausbreitung der Krankheit vorbeugen und dafür sensibilisieren, dass im Verdachtsfall ein Arzt aufgesucht wird. 

Was ist Krätze

Sogenannte Krätzemilben lösen die Erkrankung aus. Sie verursachen ein Brennen oder Jucken, später bilden sich stecknadelgroße Knötchen und Bläschen. Typisch, aber nicht immer erkennbar sind Milbengänge in der Haut. Diese Hautveränderungen treten bevorzugt an den Zwischenfalten der Finger und Zehen, an Achselhöhlen, Ellenbogen, Brustwarzenbereich, Nabel, Leistenbeugen und Knöchelregion auf. Kopf und Nacken sind meist ausgespart.

Die Milben werden meist durch direkten Hautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Vor allem bei längeren Berührungen ab fünf Minuten besteht ein Anteckungsrisiko. Händeschütteln, Begrüßungsküsse und Umarmungen sind laut Gesundheitsamt ohne Risiko. Nach einer Übertragung graben sich die 0,3 bis 0,5 mm langen weiblichen Milben in die Haut ein und bilden dort bis zu 2,5 cm lange Gänge. Dort legen sie ihre Eier und Kot ab. Bei heller Haut können Gänge als dunklere unregelmäßige Linien sichtbar sein. Weibliche Krätzmilben leben vier bis sechs Wochen. Aus den Eiern schlüpfen zwei bis vier Tage nach der Eiablage Larven. Nach 10 bis 14 Tagen erscheinen erwachsene Milben. Diese Symptome treten bei einer Ersterkrankung vier bis fünf Wochen nach Übertragung auf, bei Wiedererkrankung bereits nach ein bis zwei Tagen.

Kontaktverbot

In Murrhardt mussten die behandelten Bewohner innerhalb der Pflegeeinrichtung von den nicht Behandelten getrennt untergebracht werden, um eine erneute Übertragung zu verhindern. Einem Besucher musste der Zugang zur Einrichtung zeitweise untersagt werden. Es bestand der Verdacht, dass er selbst erkrankt war. Das Verbot hatte die Heimleitung in Absprache mit der Heimaufsicht im Landratsamt ausgesprochen.

Im Vorfeld hatte die Heimleitung Bewohner und Angehörige beziehungsweise Besucher persönlich, wie auch über Aushänge umfassend über den Milbenbefall und mögliche Schutzmaßnahmen informiert und aufgerufen, bis zum Behandlungserfolg engen Körperkontakt mit den Bewohnern zu vermeiden. Die Behandlung hat die zuständige Hautärztin nach Absprache mit dem Gesundheitsamt durchgeführt, wie das Landratsamt weiter informiert.

Krätze "auf dem Vormarsch"

Derzeit gibt es keine Besuchsbeschränkungen mehr, alle Betroffenen sind inzwischen wieder gesund, heißt es am Freitag auf Nachfrage. Angehörige oder andere Besucher sollten allerdings selbst beim Auftreten von stark juckenden Hautirritationen zu einem Hautarzt gehen, um einen Krätzmilbenbefall auszuschließen, damit die Krankheit nicht auf diesem Wege erneut ins Pflegeheim eingeschleppt wird, rät das Landratsamt. Zur Einordnung lässt es zudem wissen: Auch in anderen Gemeinschaftseinrichtungen des Rems-Murr-Kreises sind Krätzefälle aufgetreten.

Ein Punkt, den auch Markus Fleschmann, Geschäftsführer des Seniorenhauses Hohenstein, betont. Krätze sei insgesamt wieder vermehrt anzutreffen, sozusagen auf dem Vormarsch. Zudem werde sie von Hausärzten beziehungsweise Allgemeinmedizinern nicht immer so leicht erkannt. Die Murrhardter Heimleitung habe in Kooperation mit dem Gesundheitsamt nach Bekanntwerden des Befalls alle nötigen Schritte eingeleitet. Neben einem Wechseln der Wäsche habe dazu gehört, dass alle entsprechende Medikamente – Tabletten – eingenommen hätten.

Keine Ansteckungsgefahr mehr

Nach einer Kontrolluntersuchung eine Woche später durch die Mediziner gebe es nun keine Betroffene und auch keine Ansteckungsgefahr mehr. Als Verantwortlicher habe er große Bedenken, dass durch ein breites Bekanntwerden Unsicherheit und Angst geschürt würden. Eine Ansteckungsgefahr sei beispielsweise bei einem einfachen Kontakt wie Händeschütteln gar nicht gegeben, was aber viele nicht wüssten. Auch schwinge für ihn unterschwellig der Vorwurf mit, die Einrichtung gehe mit dem Hygienethema nicht anständig um. Eine Ansteckung mit Krätze habe aber mit Hygiene gar nichts zu tun.

Vor rund zwei Jahren war das Murrhardter Alten- und Pflegeheim mit Salmonelleninfektionen von Bewohnern und Mitarbeitern konfrontiert.