Rems-Murr-Kreis

Kreis übernimmt Haftpflicht für 11 200 Schüler

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Haftpflicht für 11 200 Schüler © Joachim Mogck

Waiblingen. Dem Rems-Murr-Kreis als Schulträger ist der bürokratische Aufwand zu groß, von jedem der 11 200 Berufs- und Sonderschüler jeweils einen Euro für die Schüler-Zusatzversicherung zu kassieren. Also zahlt der Kreis – wie auch eine Reihe von Städten und Gemeinden – die Haftpflicht jetzt aus eigener Tasche.

Mit dieser Änderung sei gewährleistet, heißt es, dass Schüler ohne ausreichenden Versicherungsschutz ebenfalls an Betriebspraktika oder Schulveranstaltungen teilnehmen können.

Immerhin, so die Schätzung der Kreisverwaltung, verfügen 20 bis 30 Prozent aller Schüler über keine private Haftpflichtversicherung. Mit der Übernahme der Versicherung für alle Schüler sei garantiert, dass alle Schüler gleichermaßen versicherungsrechtlich abgesichert seien.

Wie der Kreis handhaben es auch zahlreiche Städte und Gemeinden für ihre Schule. Kürzlich hat der Schorndorfer Gemeinderat beschlossen, die Haftpflicht für die 4500 Schüler in der Daimlerstadt zu bezahlen. Zähneknirschend, wie Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Gemeinderat erklärte, und dem ausdrücklichen Hinweis, dass die überwiegende Zahl der Kreisgemeinden sowie der Landkreis zumindest den Abschluss des Basis-Moduls „Schüler-Zusatzversicherung“ ebenfalls in Erwägung ziehen und Schorndorf nicht ausscheren wolle.

Keine Pflichtversicherung

Hintergrund der Neuregelung ist, dass das Land den Gruppenvertrag zur Schülerzusatzversicherung gekündigt hat, den die WGV seit 1974 für einen Euro im Jahr anbot. Dieser Vertrag habe fälschlicherweise den Eindruck erweckt, dass es sich um eine Pflichtversicherung handele, weil der Euro über Lehrer oder Schulsekretariate eingesammelt wurde. Dem war und ist nicht so.

Und jetzt wird’s kompliziert. Die Schulträger halten eine Haftpflichtversicherung für die Schüler durchaus für sinnvoll. Also müssten sie jeden Einzelfall überprüfen, ob der Schüler oder die Schülerin schon über eine Familienhaftpflicht abgesichert ist oder nicht. Das ist zu kompliziert. Also übernehmen die Schulträger pauschal für alle Schüler die Versicherung.

Außer der Schülerzusatzversicherung (Haftpflicht, Sachschaden- und Unfallversicherung) können die Eltern für ihre Kinder weitere Versicherungen abschließen. Freiwillig. Als da wären:

  • Haftpflicht für Praktika und Landschulheime für 50 Euro je Klasse und Schuljahr.
  • Garderobenversicherung gegen Verlust oder Beschädigungen von Kleidungsstücken in der Schule für einen Euro pro Schüler und Schuljahr.
  • Sowie eine Fahrradversicherung gegen Beschädigung und/oder Diebstahl für drei Euro je Schüler ab Klasse 4 pro Schuljahr.

Grundsätzlich, schreibt der Kreis in der Vorlage für die Kreisräte, seien es die Eltern, die den Umfang des Versicherungsschutzes der Kinder verantworten. Die Schulträger haben jedoch ein Interesse daran, dass keine Versicherungslücken bestehen.

Schorndorf versichert mehr

Die Stadt Schorndorf leistet sich übrigens obendrein noch ein weiteres Modul: „Schäden an Kraftfahrzeugen bei Schulfahrten.“ Die 1500 Euro pro Jahr sollen das ehrenamtliche Engagement im schulischen Kontext fördern und schützen.