Rems-Murr-Kreis

Kreisbaugruppe will 500 bezahlbare Wohnungen bauen

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Die Kreisbau krempelt zusammen mit der Baugenossenschaft Winnenden das Wohngebiet Schelmenholz um: Ziel ist, die Zahl der Wohnungen von 100 mehr als zu verdoppeln. © ZVW/Gabriel Habermann
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Die Führungsriege der Kreisbaugruppe (von links nach rechts): Geschäftsführer Steffen Krahn, Torsten Demand, Leiter des Amtes für Beteiligungen und Immobilien im Landratsamt, Geschäftsführer Dirk Braune und Landrat Richard Sigel als Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisbau.

Waiblingen/Winnenden. Die Kreisbaugruppe wächst und wächst und wächst. Die Bilanzsumme hat sich in den vergangenen sechs Jahren mehr als verdoppelt. Am Donnerstag hat die Kreisbau ihre Bilanz 2018 vor- und ihre ambitionierten Ziele dargelegt. Bis 2028 sollen 1250 bezahlbare Mietwohnungen im Bestand sein – 500 mehr als heute. „Wohnen gehört nicht an die Börse“, sagte Geschäftsführer Dirk Braune.

Die Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg führte vor über 70 Jahren zur Gründung der Kreisbaugesellschaft Waiblingen. Fehlender Wohnraum ist auch heute eine der Antriebsfedern für die rege Bautätigkeit der Kreisbaugruppe. „Wir haben viel zu wenig Wohnungen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Kreisbau, Landrat Dr. Richard Sigel, bei einem Pressegespräch. Vor allem bezahlbarer Wohnraum fehle.

Rund 750 Wohnungen sind im Bestand, die im Durchschnitt für 7,03 Euro je Quadratmeter vermietet werden. In den kommenden Jahren will die Kreisbau weitere 500 bezahlbare Wohnungen neu bauen – eine Investition von immerhin rund 125 Millionen Euro. Sie trägt damit ihren Teil bei, die Wohnungsnot zu mildern. Benötigt im Rems-Murr-Kreis werden jedoch in den kommenden Jahren 5000, so die Schätzungen. „Der Rems-Murr-Kreis kann das Wohnungsproblem nicht alleine lösen“, so Sigel.

Schelmenholz: „Alle Mieter müssen einmal umziehen“

Zusammenarbeit mit Baugenossenschaften und privaten Bauträgern ist für die Kreisbau deshalb kein Tabu, betonte Geschäftsführer Dirk Braune und wies auf einen Wohnbau-Gipfel im September in Schorndorf hin. Derzeit krempelt die Kreisbau zusammen mit der Baugenossenschaft Winnenden das Wohngebiet Schelmenholz um, reißt alte Gebäude ab, saniert und verdichtet. Wo früher 100 Wohnungen standen, soll es am Ende 240 Wohnungen geben. „Alle Mieter müssen einmal umziehen“, illustrierte Braune das Ausmaß der Sanierung und Neubautätigkeiten. Dennoch betrage die Miete in den neuen Wohnungen anfangs nicht mehr als 6,70 Euro je Quadratmeter. Das sei die soziale Verantwortung eines öffentlichen Unternehmens wie der Kreisbau, so Braune.

Soziale Verantwortung schließt die Zusammenarbeit mit privaten, profitorientierten Bauträgern nicht aus, wie das Beispiel der Neuen Mitte in Schwaikheim gezeigt hat. Die Kreisbau hat das Gebiet projektiert und an einen privaten Investor verkauft. Auf dem Klinikareal in Waiblingen kooperiert die Kreisbau mit privaten Bauträgern, an die sie Grundstücke verkaufte – und deren Pflicht übernahm, einen Teil der Neubauwohnungen zu bezahlbaren Preisen zu vermieten. Die Kreisbau errichtet 80 Wohnungen, davon 42 öffentlich geförderte.

Wenn’s im Landratsamt um Immobilien geht, hat die Kreisbau immer ihre Finger mit drin. Die Kreisbautochter Rems-Murr-Immobilien-Management GmbH kümmert sich, wie der Name schon sagt, um sämtliche Liegenschaften des Kreises, sei’s die drei Berufsschulzentren oder die Gebäude des Landratsamtes selbst. In Planung ist beispielsweise ein Parkhaus für das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden, für das viel zu wenig Parkplätze vorgesehen waren. Mit dabei ist die Kreisbau auch auf der Hangweide in Kernen. Auf den acht Hektar, wo früher behinderte Menschen der Diakonie Stetten wohnten und lebten, soll ein neues Wohngebiet entstehen. Es ist bisher das einzige Projekt im Rems-Murr-Kreis, das für die Internationalen Bauausstellung Region Stuttgart 2027 ausgewählt worden ist.

Landrat Richard Sigel versteht die Kreisbau als ein Instrument der Kreispolitik, wenn’s um Wohnen und Immobilien geht – und lässt sich diese Möglichkeiten auch Millionen kosten, um das Eigenkapital der Kreisbau zu stärken. Das sei nun einmal die Voraussetzung für jegliche Bautätigkeit. Gehörten dem Landkreis bisher nur 92 Prozent der Kreisbau, so ist sie seit Ende 2018 faktisch eine 100-prozentige Tochter. Bis auf zwei Gesellschafter haben alle anderen die Kreisbau verlassen. Gewinne werden künftig nicht mehr ausgeschüttet, sondern grundsätzlich in das Unternehmen reinvestiert, erklärte Sigel.

Wohnen und Kindergeschrei schließen sich nicht aus

Wenn’s um bezahlbaren Wohnraum geht, arbeitet die Kreisbau eng mit den Kommunen zusammen. Voraussetzung für bezahlbare Mieten sind günstiges Bauland, das Städte und Gemeinden zur Verfügung stellen und im Gegenzug das Belegungsrecht erhalten – oder aber einen Kindergarten. Knappes Bauland mache es heute unmöglich, eine Kita einstockig auf die Grüne Wiese zu setzen mit reichlich Garten drumherum. „Das können wir uns nicht mehr leisten.“ Wohnen und Kindergarten schließen sich jedoch nicht aus, betonte Braune. Tagsüber, wenn die Kinder lärmen, seien die Bewohner sowieso bei der Arbeit. Und abends könnten sie das Grün des Kita-Gartens genießen. Die Kreisbau sei inzwischen zu einem Spezialisten für den Bau von Kindergartenbau geworden, wie die Beispiele Urbach oder künftig Weinstadt zeigen.