Rems-Murr-Kreis

Kuriose Weihnachtsbräuche aus aller Welt

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Da schaut selbst der Weihnachtsmann ungläubig drein. © Alexander Roth
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Symbolbild.

Jeder feiert Weihnachten anders. Bei den einen wird nach einer Tasse Glühwein schräg gesungen, bei den anderen bringen die Kinder ihre Flöten zum Quietschen. Mancher mag Kartoffelsalat mit Würstchen, anderswo bevorzugt man dann doch einen amtlichen Festtagsbraten. Ob Tannenbaum, Geschenke oder Dekoration - die Bräuche unterscheiden sich schon von Familie zu Familie. Weltweit gesehen geht das, was rund um Weihnachten so veranstaltet wird, natürlich noch weiter auseinander. Viel, viel weiter. Wir haben die seltsamsten Traditionen für Sie gesammelt.

Japan: Weihnachtsmenü von KFC

Japan ist bekannt für schräge Bräuche – davon bleibt natürlich auch Weihnachten nicht verschont. Während das Fest in Fernost lange Zeit nur als Nebensache behandelt wurde, entwickelte sich in den letzten Jahren eine Tradition, die vor allem durch geschicktes Marketing entstanden ist: Die amerikanische Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken, bekannt für frittierte Hähnchenschenkel in riesigen Eimern, stellt jedes Jahr ein Weihnachtsmenü für die Japaner zusammen.

Der Grundstein dafür wurde bereits in den 70er Jahren gelegt: Takeshi Okawara, der die allererste KFC-Filiale in Japan eröffnete, träumte eines Nachts angeblich von einem Festtags-Eimer. 1974 wurde die Idee dann landesweit beworben – ein voller Erfolg. Laut BBC kommt heute bei etwa 3,6 Millionen Japanern an Weihnachten KFC auf den Tisch.

USA: Wer hat Angst vorm Weihnachtsmann?

Fest der Liebe hin oder her, ein bisschen Schadenfreude muss schon sein: Der Chicago Tribune hat in den USA eine ebenso gemeine wie lustige Tradition ins Leben gerufen. Bei dem Fotowettbewerb „Scared of Sanata“ wurden jedes Jahr die besten Bilder von Kindern gesucht, die sich in der Gegenwart des Weihnachtsmanns, gelinde gesagt, etwas unwohl fühlten. Das kam so gut an, dass mittlerweile etliche Medienhäuser die Idee kopiert haben. Die Kinder werden sich in ein paar Jahren sicherlich bei ihren Eltern bedanken.

Norwegen: Besen verstecken

Auf die Idee, an Weihnachten einen Besen in die Hand zu nehmen, kommen wohl nicht mal die schwäbischsten aller Schwaben. In Norwegen ist es dagegen Tradition. Die Skandinavier verwenden ihn jedoch nicht etwa zum Kehren, sondern verstecken am sichersten Ort im Haus. Warum? Nun, vor Jahrhunderten glaubte man im tiefen Norden, dass Hexen und böse Geister an Heiligabend auf der Suche nach einem Besen durch die Häuser ziehen, um darauf in den Nachthimmel zu reiten. Was natürlich gefährlich wäre – schließlich ist da oben, wie wir alle wissen, schon der Weihnachtsmann unterwegs.

Spanien: Baumstamm scheidet Süßigkeiten aus

In der momentan medial sehr präsenten spanischen Region Katalonien gibt es einen eher gewöhnungsbedürftigen Brauch: In der Vorweihnachtszeit malen die Kinder ein Gesicht auf einen Baumstamm, ziehen ihm eine Mütze auf und legen ihn unter eine kuschlig warme Decke. An Weihnachten selbst wird dem sogenannten "Tió de Nadal" dann ein spezielles Lied gesungen, während die Kinder mit Stöcken auf ihm herumklopfen. Sinn der Sache: Durch die Prozedur wird die Verdauung des Baumstamms gehörig angekurbelt. Wenn die Kinder dann die Decke lüften, hat der Tió de Nadal sein Geschäft verrichtet und dabei viele kleine Leckereien und Geschenke ausgeschieden. Äh, ja.

Venezuela: Weihnachten auf Rollschuhen

In die Kirche gehen war gestern: Die Bewohner von Caracas in Venezuela rollen an Heiligabend lieber zur Messe. Und weil sich immer mehr Menschen zum Fest der Liebe Rollschuhe umschnallen, werden an diesem Tag die Straßen eigens dafür gesperrt. Einziger Nachteil: Auf dem Heimweg kommen sie nicht in den Genuss, „Driving Home for Christmas“ im Autoradio zuhören. Aber wozu hat man schließlich ein Smartphone.

USA: Essiggurken am Baum

Ist das nun eine Tradition oder einfach nur ein Missverständnis? Bei uns würde sicherlich niemand auf die Idee kommen, sich eine Essiggurke an den Weihnachtsbaum zu hängen. In den USA dagegen sind gläserne „Christmas Pickles“ keine Seltenheit. Der Clou: Dort herrscht die Vorstellung, dieser ungewöhnliche Brauch stamme aus Deutschland. 

Wie genau die Tradition nun tatsächlich entstanden ist, lässt sich nicht abschließend klären. Am häufigsten wird jedoch die Legende erzählt, dass ein bayrischer Soldat namens Hans Lauer im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft haben soll. Lauer geriet in Gefangenschaft und fragte seinen Wärter – na logisch – nach einer sauren Gurke, weil er am Verhungern war. Der Wärter gewährte ihm seinen Wunsch, und der bayrische Soldat wurde wieder gesund. In Erinnerung an diese großherzige Tat baumelt deshalb noch heute gläsernes Gemüse von amerikanischen Christbäumen.

Mexiko: Weihnachtsdeko aus Rettich

Was soll nach sauren Gurken zum Weihnachtsfest noch kommen? Nun, wie wäre es mit Rettich? Am 23. Dezember feiern die Bewohner der mexikanischen Stadt Oaxaca die „Noche de Rábanos“ (Nacht des Rettichs). Am Abend treffen sie sich an öffentlichen Plätzen, um das Gemüse zu kleinen Heiligenfiguren und anderen Formen der Weihnachtsdekoration zurecht zu schnitzen. Wer das am besten macht, kann saftige Preisgelder abräumen.

Auch zu diesem Brauch gibt es natürlich eine Legende: Mitte des 18. Jahrhunderts spross der Rettich in Oxaca angeblich so zahlreich, dass die Bauern sich dazu entschieden, die Ernte ruhen zu lassen. Im Dezember stießen dann zwei Ordensbrüder auf ein paar besonders lustig geformte Exemplare des Gemüses, und brachten sie spaßeshalber zu einem Weihnachtsmarkt. Dort wurden sie als besondere Kuriosität angepriesen, und irgendjemand kam auf die Idee, sich mit einem Messer daran zu schaffen zu machen. Wenige Jahre später rief der Bürgermeister zum ersten Wettbewerb im Rettich-Schnitzen aus. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.