Rems-Murr-Kreis

Kurzarbeit oder Entlassungen: Betriebe stehen in der Corona-Krise am Scheideweg

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Michael Kempter, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr. © Alexandra Palmizi (Archiv)

„Viele Unternehmen stehen jetzt vor der Entscheidung, ob sie Personal abbauen müssen“, sagt Michael Kempter, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall Rems-Murr: „Mit verlängerter Kurzarbeit kann dies oftmals verhindert werden“. Die Metallarbeitgeber drängen auf eine schnelle Entscheidung der Bundesregierung, die aktuellen Regelungen zur Kurzarbeit auf bis zu 24 Monate zu verlängern.

„Vielen unserer Mitgliedsunternehmen steht das Wasser bis zum Hals“, heißt es in einer Pressemitteilung. die Betriebe müssten sich jetzt zt entscheiden, ob sie Personal reduzieren - vielleicht sogar in größerem Stil -, oder ob sie eine tarifliche oder betriebliche Überbrückungslösung finden, bis die Auftragslage sich wieder einigermaßen normalisiert habe. „Letzteres gelingt aber nur, wenn sich die Unternehmen längerfristig auf die Erleichterungen bei der Kurzarbeit verlassen können“, so der Geschäftsführer der Bezirksgruppe Rems-Murr des Arbeitgeberverbands Südwestmetall-

Laut einer Umfrage des Verbands rechnen die Unternehmen der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie für dieses Jahr im Schnitt mit 18 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. „Für viele Betriebe zeichnet sich ab, dass sie vor 2022 nicht annähernd zum Vor-Corona-Niveau zurückkehren werden“, sagte Kempter: „Das heißt, sie werden noch über viele Monate nicht ausgelastet sein, also zu viel Personal an Bord haben. Für diese Zeit brauchen wir dringend die erleichterte Kurzarbeit als stabile Brücke zur Beschäftigungssicherung. Dafür müssen sich auch unsere Bundestags- und Landtagsabgeordneten in ihren Parteien vehement einsetzen, wenn sie verhindern wollen, dass es hier in der Region zu Verwerfungen am Arbeitsmarkt kommt.“

24 Monate Kurzarbeit

Aus Sicht der Metallarbeitgeber sollte daher Betrieben, die Kurzarbeit einführen mussten, dieses Instrument für 24 Monate zur Verfügung stehen - statt bisher für zwölf Monate. „Zudem müssen die Erleichterungen wie insbesondere die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge oder die niedrigeren Zugangsvoraussetzungen fortgeschrieben werden“, sagte der Bezirksgruppen-Geschäftsführer.

Eine zwingende Verknüpfung der Kurzarbeit mit Qualifizierung lehnen die Metallarbeitgeber ab. Diese Forderung erhebt die IG Metall. „In vielen Bereichen mag es zwar sinnvoll sein, die Zeit der Kurzarbeit für Qualifizierung zum Beispiel im Hinblick auf eine anstehende Transformation zu nutzen. Aber nicht alle Betriebe, die jetzt durch Corona tief in die Krise gerutscht sind, haben ein umfangreiches Transformationsthema vor der Brust. Sie brauchen aber die Erleichterungen genauso“, so Kempter.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall ist eigenen Angaben zufolge einer der größten industriellen Arbeitgeberverbände Deutschlands. Er vertritt in Baden-Württemberg die arbeitsrechtlichen, tarif-, sozial- und bildungspolitischen Interessen von mehr als 1600 Mitgliedsbetrieben der Metall- und Elektroindustrie. Die Bezirksgruppe Rems-Murr als eine von insgesamt 13 regionalen Vertretungen betreut 96 Mitgliedsbetriebe mit knapp 20 000 Beschäftigten im Rems-Murr-Kreis.