Rems-Murr-Kreis

Land plant Isolierunterkunft für Flüchtlinge

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In einem ehemaligen Freizeitzentrum des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes in Althütte-Sechselberg wird der Betrieb aufgenommen. © ZVW/Danny Galm

Althütte-Sechselberg.
Das Regierungspräsidium Stuttgart bereitet aktuell im Auftrag des Landes in einem ehemaligen Jugendfreizeitheim in Althütte-Sechselberg eine „temporäre Unterkunft für Flüchtlinge mit Isoliermöglichkeit in der Erstaufnahme“ vor – auf Laiendeutsch: eine Quarantänestation für Flüchtlinge, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Landrat Richard Sigel reagiert überrascht und äußert Bedenken, sichert dem Land aber Unterstützung zu.

Was ist geplant?

In einem ehemaligen Freizeitzentrum des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes in Althütte-Sechselberg soll laut einer Mitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart voraussichtlich Anfang April der Betrieb aufgenommen werden. Rund 30 bis 60 Geflüchtete – Einzelpersonen und Familien, je nach Unterbringung – können hier temporär untergebracht werden, um die Maßgaben einer häuslichen Isolierung sowie die Vorgaben des örtlichen Gesundheitsamts zu erfüllen.

Warum wird die Isolierunterkunft eingerichtet?

Unter den beengten Unterbringungsbedingungen in den Landeserstaufnahmeeinrichtungen ist eine häusliche Quarantäne für positiv getestete Personen derzeit nur schwer möglich, da sie große, abgetrennte Raumreserven benötigt, die nur in geringem Umfang zur Verfügung stehen. Daher soll mit der temporären Isolierunterkunft für Flüchtlinge eine Verbreitung des Virus in den entsprechenden Einrichtungen verhindert werden. Aktuell (Stand 27. März) gibt es in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes nach Information des Innenministeriums neun bestätigte Corona-Fälle. „Um den Betrieb in den weiteren Einrichtungen aufrecht erhalten zu können und um eine mögliche Ansteckung zu verhindern, nutzen wir das leerstehende, aber immer noch komplett eingerichtete Gebäude für eine zentrale Unterbringung. Die positiv getesteten Menschen werden dort aus den Landeserstaufnahmeeinrichtungen zusammengezogen“, sagt der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer laut der Mitteilung vom Freitagnachmittag.

Um sicherzustellen, dass die Auflagen der häuslichen Quarantäne in der Einrichtung in Sechselberg eingehalten werden, wird vorsorglich auf dem Gelände ein Sicherheitsdienst eingesetzt. Solange die untergebrachten Personen unter Quarantäne stehen, dürfen sie die Liegenschaft nicht verlassen. Daher werden die drei Unterkunftsgebäude mit einem Zaun vom restlichen Gelände abgetrennt. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen sich in den Zimmern aufhalten und dort auch das Essen einnehmen.

Wie reagiert Landrat Richard Sigel?

Die neue Einrichtung des Landes Baden-Württemberg für Flüchtlinge kommt für den Rems-Murr-Kreis überraschend. „Trotz der Bedenken, die mit einer Unterbringung von positiv auf Sars-Cov-2 getesteten Flüchtlingen in Althütte einhergehen, werden der Landkreis, der Rettungsdienst und die Rems-Murr-Kliniken das Land Baden-Württemberg selbstverständlich unterstützen. Es gilt, die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen und alle Menschen vor einer weiteren Ansteckung zu schützen, egal ob Geflüchtete oder Einheimische“, sagt Landrat Richard Sigel laut der Pressemitteilung. Dort kommt auch Althüttes Bürgermeister Reinhold Sczuka zu Wort: „Seitens der Gemeinde Althütte ist für uns zentral, dass die Einhaltung der Quarantäne und die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen vom Land sichergestellt werden. Nunmehr gilt es, aus der Situation das Beste zu machen und auf einen möglichst guten Verlauf der Corona-Krise zu hoffen.“

Dass der Landrat, ein eigentlich sehr diplomatischer Mensch, mit – wenngleich nur dezent – kritischen Tönen in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums zitiert wird, ist ein außergewöhnlicher Vorgang. Wer zwischen den Zeilen lesen will, kann vermuten, dass Sigel alles andere als glücklich gewesen sein dürfte mit der Transparenz und Kommunikation des Landes bei der Entscheidungsfindung. Diesen Eindruck teilt der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann: Offenbar habe das Regierungspräsidium vorab „wenig abgestimmt, was sehr unbefriedigend ist. Man wird sehen, ob dieser Standort im Hinblick auf die Versorgungskonzeption der Corona-Pandemie für den Rems-Murr-Kreis gut gewählt ist.“