Rems-Murr-Kreis

Leben auf La Palma, Urlaub in Sachsenweiler

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Machen zurzeit wieder Station in Backnang: La-Palma-Auswanderer Mike und Sabine Keim mit ihren Kindern Fee (links) und Lena. © Alexander Becher

Backnang. Sie leben in zwei Welten. Sabine und Mike Keim haben sich vor 13 Jahren den Traum vom Auswandern erfüllt. Neun Monate wohnen und arbeiten sie auf La Palma. Den Rest des Jahres zieht es das Ehepaar mit den beiden Töchtern zurück nach Backnang.

Für die dritte Sendung der Pro-Sieben-Serie „Die Auswanderer“ wurde das Ehepaar Keim mit seiner damals einjährigen Tochter von einem Kamerateam begleitet. Viele, die von einem Leben in wunderschöner Natur mit angenehmen Temperaturen auf einer Insel geträumt haben, sind gescheitert. Sabine und Mike Keim haben es geschafft.

Für die Backnangerin, die eine Ausbildung als Krankenschwester hat, und den aus Tübingen stammenden Mike begann alles 1997 mit der ersten Urlaubsreise auf die kanarische Insel im Atlantischen Ozean. Von dem Flair und der Natur waren sie sofort begeistert, und es zog sie immer wieder dorthin. Im Jahr 2003 verkaufte Mike Keim seine Autowerkstatt in Tübingen, und das Paar beschloss, ein Auszeitjahr zu nehmen. Sabine Keim, die in der Firma mitgearbeitet hatte, besuchte Coaching-Kurse für Menschen, die neue Beziehungsformen leben wollen. Wandern war schon immer ihre Passion, so bot sie „Wandern für die Liebe“ für Singles auf der Schwäbischen Alb an. Der Entschluss, nach La Palma zu ziehen und dort Wanderungen anzubieten, entstand, als das erste Kind auf dem Weg war. Eine Weile dauerte es noch, den Plan zur Auswanderung umzusetzen. Heute ist die Tochter Fee 14 Jahre alt. Sie ist auf La Palma aufgewachsen, geht dort zur Schule und spricht fließend Deutsch und Spanisch. Zu Hause wird Deutsch und von den Eltern Schwäbisch gesprochen.

Um deutschsprachige Urlauber zu begleiten, reicht Döner-Spanisch

Seine Grammatik in der Sprache der Wahlheimat sei immer noch nicht perfekt, sagt Mike Keim. Es sei eine Art Döner-Spanisch. Was allerdings kein Problem ist, denn die Wandertouren bietet das Ehepaar Keim in erster Linie für deutschsprachige Urlauber an. „Wandern wie mit Freunden“ heißt das Motto bei Graja-Tours. Der Name geht auf den auf La Palma beheimateten Rabenvogel zurück. Als einziger Vogel könne er auf dem Rücken fliegen, so Mike Keim, der sich in den Jahren viel mit Natur und Kultur des Landes beschäftigt hat. La Palma sei die „steilste Insel der Welt“, sagt der 60-Jährige. Auf einer Gesamtfläche von rund 708 Quadratmetern misst der höchste Berg 2426 Meter. 120 Vulkane gibt es. Den riesigen Erosionskrater Caldera de Taburiente mit einem Durchmesser von rund neun Kilometern kann man durchwandern.

Mit einem speziellen historischen Fortbewegungsmittel für große Höhenunterschiede hat sich Mike Keim beschäftigt. Salto del pastor heißt die Lanze, was „Sprung des Hirten“ bedeutet. An Steilwänden kann man an ihr hinaufklettern oder bergab von Absatz zu Absatz schwingen. „Es ist, als würde man fliegen“, sagt der Wahlinsulaner. Die WDR-Sendung „Wunderschön“ hat über ihn und dieses Thema berichtet. Eine Lanze mit einer Länge von 3,50 Metern wollte er mit nach Deutschland bringen. Das sei aber im Flugzeug nicht erlaubt gewesen. So habe er sich mit einer kürzeren Version begnügt, die mit 2,50 Metern als Surfboard deklariert werden konnte.

Drei Monate in Sachsenweiler

Knapp drei Monate lang tauscht die Familie nun ihr Haus in Los Manchas nahe Los Llanos de Aridane mit einer Wohnung in Sachsenweiler zur Zwischenmiete ein. Das ist nur möglich, weil die Schulferien in Spanien so lange dauern. Während ihres Aufenthalts in Deutschland nutzt Sabine Keim die Zeit, um in der ambulanten Krankenpflege zu arbeiten. Kräfte seien hier immer gesucht, auch wenn es nur vorübergehend ist. Körperlich fit ist die 52-Jährige, die wie ihr Mann sonst Wanderungen auf La Palma führt. Außerdem hat sie sich auf das Coaching von Auswanderern spezialisiert. Mike Keim bietet Wandertouren auf der Schwäbischen Alb an.


Die Erfahrungswelt der beiden Töchter

Die elfjährige Lena, die auf La Palma geboren ist, schaut ein wenig skeptisch auf ihren Aufenthalt in Deutschland. Sie fühle sich freier auf der Insel. Im Hause Keim auf La Palma wird deutsches Fernsehen geschaut. Nachrichten, was einem jungen Mädchen passieren kann, haben sie etwas verunsichert. In ihrem Dorf könne man ohne Gefahr bis in die Nacht draußen bleiben.

Die 14-jährige Fee freut sich, in Deutschland ihre Familie, wie ihre Oma, zu sehen und in der Sprache sprechen zu können, die ihr aus ihrem Elternhaus vertraut ist. Freiwillig wird sie bis zu den Sommerferien die achte Klasse der Backnanger Schickhardt-Realschule besuchen. „Die Schulleitung war sehr offen“, betont Sabine Keim. Nicht nur für Fee sei das eine Bereicherung, sondern auch für die Gleichaltrigen, die einen ganz anderen Lebensentwurf kennenlernen. „Wir möchten unseren Kindern verschiedene Perspektiven aufzeigen“, ist für Sabine und Mike Keim wichtig.