Rems-Murr-Kreis

Leichenfund: Tragisches Ende eines Vermisstenfalls

Fund von Leichenteilen, Kanalstr., Remshalden-Grunbach, 03.01.2020.
Spurensuche am Freitagabend nahe der Rems in Grunbach © Benjamin Beytekin

Rems-Murr-Kreis.
Der DNA-Befund steht noch aus, die Kripo ist sich aber so gut wie sicher: Bei der am Freitagabend (3.1.) in einem Gebüsch nahe der Rems in Remshalden-Grunbach aufgefundenen Leiche handelt es sich „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ um eine seit 20. Mai 2019 vermisste 58-Jährige aus Welzheim. Nach derzeitigem Kenntnisstand könne ein Gewaltverbrechen ausgeschlossen werden, teilt die Polizei mit.

Damals, bei der Öffentlichkeitsfahndung nach der Vermissten im Mai, hatte die Polizei mitgeteilt, dass sich die Frau womöglich „in einer hilflosen Lage“ befinde. Kaum vorstellbar, warum der Leichnam der Frau in der Nähe des Hauses der Kunst, auf einer Grünfläche an einem Feldweg in der Verlängerung der Kanalstraße, so lange nicht gefunden worden ist, etwa von Spaziergängern mit Hund – bis schließlich am vergangenen Freitagabend gegen 18.30 Uhr eine Frau den Notruf absetzte, sie habe dort in einem Gebüsch bereits skelettierte, menschliche Überreste entdeckt. Einer der Vermisstenfälle, die schrecklich enden.

Tagelang vermisst wurde im Juli 2019 auch eine 40-Jährige aus Remshalden. Nach der Öffentlichkeitsfahndung stellte sich ihr 31-jähriger Ex-Freund selbst der Polizei, und der anschließende Fund ihrer Leiche am Remsufer bei Endersbach brachte die grausige Erkenntnis: Sie war Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Seit Mitte Dezember steht der 31-Jährige nun vor Gericht, er soll die 40-Jährige erwürgt haben.

Nach wie vor vermisst wird der 68-jährige Viktors S. aus Schorndorf. Er wurde zuletzt am 29. September 2019 gesehen und muss im Zeitraum zwischen diesem Tag und dem 5. Oktober seine Wohnung verlassen haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass er sich in einer hilflosen Lage befindet oder ihm etwas zugestoßen ist“, so die Polizei.

Früheren Angaben zufolge bearbeitet das Polizeipräsidium Aalen, das für den Rems-Murr- und den Ostalbkreis sowie für Schwäbisch Hall zuständig ist, rund 1000 Vermisstenfälle im Jahr. Die meisten sind laut Polizei schnell geklärt. Gar nicht selten nimmt sich jemand schlicht eine Auszeit und lässt Angehörige in Angst zurück. „Es ist ein Spagat“, sagte Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier bereits im August dieser Zeitung: Ob die Polizei sofort nach einer Vermisstenmeldung eine Suche starten wird oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Sind Kinder oder Jugendliche verschwunden, wird man ohne Zögern sofort alles Nötige in die Wege leiten. Verschwinden Erwachsene, gilt das auch – aber nicht in jedem Fall. Sofern es keinerlei Hinweise gibt, dass sich jemand selbst gefährden, in einer hilflosen Lage befinden oder Opfer einer Straftat geworden sein könnte – wartet man eventuell zuerst ab. „Erwachsene können hingehen, wohin sie wollen“, fasst Biehlmaier den Artikel elf des Grundgesetzes zusammen: Bürger genießen in Deutschland Freizügigkeit. Im Falle der 58-Jährigen aus Welzheim und des weiterhin Vermissten Viktors S. aus Schorndorf hatte es ja aber eine Öffentlichkeitsfahndung gegeben.

Ältere Menschen, die in verwirrtem Zustand nicht mehr ins Pflegeheim zurückfinden, oder Jugendliche, die abgehauen sind: Diese Dinge geschehen recht häufig, und sie finden dennoch meist ein gutes Ende. So wie bei der 76-Jährigen, an Demenz erkrankten Frau, die im November 2019 tagelang unterkühlt in einem Waldgebiet nordöstlich von Großheppach im Gebüsch lag, bis sie von einer Suchhündin gefunden wurde und gerettet werden konnte.