Rems-Murr-Kreis

Lokaljournalistenpreis für ZVW-Redakteurin Pia Eckstein

Pia_eckstein_0
ZVW-Redakteurin Pia Eckstein. © ZVW/Danny Galm

Waiblingen. Die ZVW-Serie „Wie funktioniert Inklusion?“ ist doppelt ausgezeichnet: Unsere Redakteurin Pia Eckstein erhält dafür nach dem Diakonie-Journalistenpreis nun auch den Deutschen Lokaljournalistenpreis in der Kategorie „Inklusion“.

(Hinweis: Die Serie ist nur über das Archiv verfügbar)

„Was bedeutet Inklusion? Eine ganz einfache Frage. Nicht so guter Journalismus würde es nun möglicherweise ganz einfach bei einer zu Herzen gehenden Schicksalsreportage belassen. Sehr guter Journalismus macht es sich schwer und betrachtet ein so komplexes Thema aus vielen Perspektiven.“ So begründet die Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises 2017, warum Pia Eckstein Preiswürdiges geleistet hat.

Mit großem Einfühlungsvermögen und klarem Blick

Die Autorin „spricht nicht über, sondern mit allen Betroffenen, dem schwerstbehinderten Schüler Dimitrios und seiner Mutter, mit Mitschülern, Lehrerinnen, den vielen Fachleuten in Institutionen und Ämtern. In ihrer Serie schildert die Redakteurin, was notwendig ist, um Inklusion zu organisieren und zu finanzieren; sie führt vor Augen, was gelingt und wo guter Wille an praktischen Problemen scheitert.

Mit großem Einfühlungsvermögen und klarem Blick gelingt es ihr, ein vielschichtiges Thema differenziert und anschaulich darzustellen. Die Reaktionen aus der Leserschaft sind so kontrovers, wie in Deutschland insgesamt über Inklusion diskutiert wird. Die Autorin liefert ihren Lesern die Basis, sich eine eigene Meinung zu bilden.“

Gesellschaftlich relevant und erzählenswert

Es gibt Themen, die einen anschreien und in Talkshows unentwegt aufgeregt diskutiert werden, man kommt daran nicht vorbei, Journalisten müssen sich darum kümmern, klar. Und es gibt Themen, die zunächst vielleicht kaum als solche erkennbar sind. Denn das Spannende, Bewegende, Menschliche verbirgt sich hinter abstrakten Begriffen wie „Inklusion“, und um Promis, um Berühmte gar geht es dabei nicht im entferntesten.

Es erfordert Zeit, um solche Themen zu erschließen, einen Zugang in sie hinein zu finden. Wer sich als Journalist auf diesen Weg begibt, mag sich manchmal, mitten in der Arbeit, zweifelnd fragen: Wird das, woran ich da gerade arbeite, nicht untergehen im sonstigen Nachrichtengetöse, im alltäglichen Debattenlärm?

Solche Themen anzupacken und weiterzuverfolgen, erfordert eine Haltung – jemand muss sich dafür entscheiden und sagen: Ich weiß zwar nicht, ob das, was ich dazu schreibe, zehn oder hunderttausend Leser finden wird – aber ich mache das. Denn ich finde, es ist wichtig, es ist erzählenswert, es ist gesellschaftlich relevant.

Dem eigenen inneren Kompass gefolgt

Dass unsere Kollegin Pia Eckstein genau so ein Thema angepackt hat und dafür nun bereits den zweiten Journalistenpreis erhält, ist für uns alle eine Bestärkung: Ja, es ist goldrichtig, bisweilen dem eigenen inneren Kompass zu folgen und nicht nur der Aktualitäten-Konjunkturlage nachzuhecheln.

Die Autorin hat mehr als ein halbes Jahr lang Dimitrios begleitet, einen Jungen, der trotz einer schweren körperlichen Behinderung in eine allgemeine Grundschule in Backnang geht. Er war seinerzeit das erste Kind mit einer so starken Einschränkung, das in Baden-Württemberg inklusiv beschult wurde.

Der erste Preis geht diesmal an die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten für ihre Investigativrecherche über den Bandenkrieg zwischen türkischen und kurdischen Rockerclubs. Den zweiten Preis erhält die Pforzheimer Zeitung für die Serie „Verschwiegene Verbrechen“.

Kategorien-Preise haben der Tölzer Kurier, die Main-Post, die Kieler Nachrichten, die Nordwest-Zeitung Oldenburg, der Nordkurier Neubrandenburg, die Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten, der Weser-Kurier Bremen, die Allgemeine Zeitung Mainz und die Badische Zeitung Freiburg gewonnen.


Zur Person

  • Pia Eckstein kam im Jahr 2001 als Redakteurin in den Zeitungsverlag Waiblingen. Zu ihren Lieblingsthemen gehören Schulpolitik, Naturschutz (derzeit erntet sie begeistertes Leser-Echo für ihre Serie „Insektensterben“) und die Kinderzeitung.
  • Außerdem trägt die studierte Literaturwissenschaftlerin einen Doktor-Titel – ihre Dissertation hat sie über die König-David-Geschichte im Alten Testament und ihre Verarbeitung im Roman des 20. Jahrhunderts geschrieben. Und sie gehört zu den wenigen Auserwählten, die Thomas Manns Großroman „Josef und seine Brüder“ von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen haben.