Rems-Murr-Kreis

Manipulierte Geldautomaten: So schützen Sie sich

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Unbedingt immer die PIN verdeckt eingeben: Dazu raten die Banken und Sparkassen. Foto: Schneider © Schneider / ZVW

Waiblingen. Nach Berichten über Manipulationen an Geldausgabeautomaten bleibt stets dies ungute Gefühl: Ist mit dem Automat alles in Ordnung? Kann auch wirklich keiner die Geheimnummer ausspähen? Banken reagieren mit neuen Sicherungen auf Betrugsversuche. Daraufhin lassen sich die Gauner was Neues einfallen. Gesucht wird noch immer jener Mann, der um die Jahreswende in Fellbach Geld an Automaten abgegriffen hat.

Ein Foto aus einer Überwachungskamera ist noch immer auf den Fahndungsseiten der Polizei im Internet zu sehen. Der Unbekannte soll zwischen dem 10. Dezember 2017 und dem 6. Januar 2018 gleich sechsmal den Geldausgabeautomaten einer Bank in der Bahnhofstraße in Fellbach manipuliert und mehr als 900 Euro erbeutet haben. Seine Masche heißt im Fachjargon „Cash Trapping“. Betrüger bringen unbemerkt an einem Geldautomaten einen Aufsatz an. Ein Kunde möchte Geld abheben – doch er findet keine Scheine im Schacht, obwohl sonst alles wie immer gelaufen ist. Die Konstruktion des Kriminellen hat das Geld abgefangen, und sobald der Kunde weg ist, bedient sich der Gauner.

Wie reagiert die Volksbank Stuttgart auf die verbreitete Betrugsmasche „Cash Trapping“?

Die „Cash Trapping“-Methode nimmt aktuell bundesweit zu, beobachtet Matthias Layher, Pressesprecher der Volksbank Stuttgart. Er verweist auf Videoaufnahmen, die zeigen, wie schnell die Diebe arbeiten. Es vergehen nur wenige Minuten, bis eine falsche Blende angebracht und samt Geld wieder entfernt ist. Die Volksbank stattet alle neuen Automaten mit einem Modul samt optischen Sensoren aus, welches diese Art Betrug verhindern soll, erläutert Matthias Layher. Ältere Automaten habe die Volksbank mit einem neuen Geldausgabeschacht nachgerüstet, so dass Gauner keine falsche Blende mehr anbringen können.

Gibt es Fälle bei der Kreissparkasse Waiblingen?

Bei der Kreissparkasse Waiblingen gab es bisher noch keinen Fall dieser Art, so Pressesprecher Axel Kröninger. Das Phänomen trete „relativ selten“ auf. Die Automaten der Kreissparkasse sind laut Kröninger durch eine Sicherheitsvorkehrung vor solchen Manipulationen geschützt. „Außerdem setzen wir auf die Wachsamkeit und Sensibilität unserer Kunden“, sagt Kröninger: Wer an seinem vertrauten Automaten etwas Verdächtiges bemerke, solle sich unverzüglich melden und den Automaten natürlich nicht benutzen.

Etwa 13 Jahre ist es her, als eine andere Methode erstmals Anwendung fand. Mit Hilfe von manipulierten Aufsätzen lasen Betrüger die Magnetstreifen der Karten aus und fertigten Doubletten der Karte an.

Kann ein Betrüger von einer EC-Karte eine Doublette anfertigen?

Dieser Art Betrug hat die Branche einen Riegel vorgeschoben. Bereits seit 2012 sind zumindest auf deutschen Karten Chips angebracht, weshalb sich keine Doubletten mehr herstellen lassen. Täter haben es deshalb heute „wohl kaum mehr auf deutsche Karten abgesehen“, sagt Margit Schneider, die Leiterin des Sicherheitsmanagements bei der Euro-Kartensysteme GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen.

Wachsamkeit ist dennoch angebracht: Beim Geldabheben oder Bezahlen könnte jemand die Eingabe der PIN beobachten und danach die Karte stehlen. Deshalb sollte man immer während der Eingabe der PIN das Tastaturfeld abdecken und darauf achten, dass andere Personen genügend Abstand halten.

Wie kommen die Betrüger überhaupt an die PIN-Nummer?

Dass sich Betrüger sowohl die Karte als auch die PIN aneignen, kommt viel häufiger vor als das Cash-Trapping, sagt Margit Schneider. Unglaublich, aber wahr: Manche Leute notieren die vierstellige Geheimzahl direkt auf der Karte. Oder sie stecken einen Zettel mit der Zahl in den Geldbeutel. Das freut den Dieb, und wenn er Glück hat, bemerkt sein Opfer den Verlust des gesamten Geldbeutels nicht sofort.

„Halten Sie Ihre PIN geheim, schreiben Sie Ihre PIN nirgendwo auf“, dazu rät auch Axel Kröninger dringend. Ein weiterer Tipp: Regelmäßig die Kontoauszüge checken, damit eine betrügerische Abbuchung möglichst schnell auffällt.

Wer trägt den Schaden?

Im Fall der Fälle stellt sich die Frage: Wer trägt den Schaden? Es gibt dazu diverse Gerichtsurteile, deren Tenor lautet: Sofern der Kartenbesitzer nicht grob fahrlässig gehandelt hat, kommt die Bank für den Schaden auf; der Kartenbesitzer haftet nur bis zu einem Höchstbetrag von 50 Euro. Wer allerdings die PIN auf der Karte notiert hatte oder den Geldbeutel mit allem drin gut sichtbar im Auto liegen lässt, bleibt womöglich auf seinem Schaden sitzen.

Wie urteilen die Gerichte, wenn Geld vom Konto verschwunden ist?

Vor Gericht gilt der „Anscheinsbeweis“, das heißt: Ein Richter kann ein Fehlverhalten des Karteninhabers als gegeben annehmen, auch wenn dieser etwas anderes behauptet. Allerdings nur, sofern die Bank nachweist, dass der Dieb nicht wegen einer Sicherheitslücke beim Kreditinstitut an die PIN gelangt sein kann. Laut dem Infoportal „kartensicherheit.de“ ist es nicht möglich, die PIN aus dem Magnetstreifen oder dem Chip auszulesen.

Im Infoportal sind ferner einige Leitsätze aus Urteilen aufgelistet. Ein Beispiel: „Es stellt einen groben Sorgfaltsverstoß dar, wenn ein Karteninhaber den Einkaufskorb, in dem sich seine Geldbörse mit EC-Karte in einer Reißverschlussinnentasche befindet, an einem von Personen frequentierten Gehweg in circa einem Meter Entfernung von sich abstellt und sodann im geöffneten Kofferraum seines Pkw hantiert, ohne den Korb dabei im Blick zu haben.“


Karte sperren

Wird eine Karte gestohlen oder geht sie verloren, muss der Besitzer sie sofort sperren lassen. Der Sperr-Notruf ist erreichbar unter der Telefonnummer 116 116.

Die Kreissparkasse Waiblingen hat derzeit 130 Automaten im Einsatz, davon 90 Geldausgabeautomaten und 40 Geräte für Ein- und Auszahlungen.

Insgesamt 167 Geldausgabeautomaten betreibt die Volksbank Stuttgart aktuell.