Rems-Murr-Kreis

Maskenpflicht: Schutzmasken sind für Kinder nicht gefährlich

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Rems-Murr.
Ab Montag Kinder sind davon nicht ausgenommen. Im Internet kursieren dazu viele Gerüchte: Kinder würden unter den Masken ersticken. Oder: Die Maske würde Kohlendioxid zurückhalten, das die Kinder wieder einatmeten. Das würde dann zu Atemlähmung führen. Oder: Durch die Maske würden Keime zurückgehalten, die sich dann in der Lunge ansammelten.

Größtenteils Fake-News, „Schwachsinn“, sagt der Schorndorfer Kinderarzt und Sprecher der Kinderärzte im Kreis, Dr. Ralf Brügel. Der Chef der Rems-Murr-Kinderklinik in Winnenden, Prof. Dr. Ralf Rauch spricht von „Käse“.

Maskenpflicht gilt ab sechs Jahren

Der erste, ganz wichtige Fakt: Das Maskentragen ist erst ab dem Alter von sechs Jahren Pflicht. Kleinen Babys, sagt Brügel, setze man selbstverständlich keine Maske auf. Hier sollten Mütter so klug sein und dafür sorgen, dass niemand dem Säugling zu nahe kommt. Auch Kleinkinder und Kindergartenkinder würden, so Brügel, die Maske überhaupt nicht im Gesicht akzeptieren. Eine Maske ist lästig, das Atmen durch die Maske wird mit der Zeit anstrengend – „ein Kind wird das nicht tolerieren“. Kleine Kinder würden das störende Teil gleich wieder vom Kopf ziehen.

Kindern ab sechs Jahren, so Brügel, könne man erstens erklären, dass eine Maske notwendig ist. Und zweitens sollten die Kinder die Maske ja nicht stundenlang tragen, sondern höchstens mal die paar Minuten beim Einkaufen.

Weder ersticken Kinder, noch sammelt sich Kohlenstoffdioxid unter der Maske

Die Kinder, so Brügel, ersticken auch nicht unter der Maske. Und wenn ihnen das Atmen zu anstrengend würde, wäre selbst schon im Alter von drei Jahren erstens die Fähigkeit da, das zu verbalisieren, und zweitens der Reflex, sich zu befreien.

Dass sich ausgeatmetes Kohlendioxid unter der Maske ansammle, sei ebenfalls nicht richtig. Erstens schließen die Masken nicht dicht. Zweitens sind die CO2-Moleküle viel zu klein, um von den Stoff- oder Papier-Masken zurückgehalten zu werden. So etwas passiert nur unter Plastiktüten.

Ralf Rauch weiß aus dem Klinikalltag, dass Kinder medizinische Masken ohne Schaden zu nehmen sehr lange tragen können, weil sie sie tragen müssen. Es geht um Kinder, deren Immunsystem so geschwächt ist, dass sie sich vor jeder Ansteckung schützen müssen. Krebskranke Kinder etwa. Oder Kinder, die eine Nieren- oder Lebertransplantation hinter sich haben.

Vorischt vor Keimen und falschem Sicherheitsgefühl

Was richtig ist: Im Stoff der Maske können sich Keime sammeln. Vor allem, wenn sie zu lang getragen wird. Die feuchte, warme Atemluft macht den Stoff feucht-warm – eine ideale Brutstätte für Keime aller Art. Deshalb sollen Masken ja auch höchstens zwei Stunden lang getragen und dann gewechselt werden. Außerdem gilt bei mehrfach verwendbaren Masken: Auskochen, heiß bügeln, im Backofen oder in der Mikrowelle erhitzen. Das allerdings gilt nicht nur für Kinder, sondern ganz genauso für Erwachsene.

Was bei der ganzen Diskussion allerdings total vergessen wird: Die Maske, sagt Ralf Brügel, sei tatsächlich gefährlich. Denn sie wiege den Träger in falscher Sicherheit. All die Alltags-Masken, die die Menschen ab Montag tragen müssen, schützen nicht oder jedenfalls nur minimal vor einer Ansteckung. Sie sind nur ein winzigkleines Puzzleteil im Kampf gegen die Pandemie.

Viel, viel wichtiger, als die Maske im Gesicht, ist nach wie vor der Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Menschen. Und, und das gilt ebenfalls für Kinder und Erwachsene: Händewaschen nie vergessen. Denn an den Händen können die Viren sitzen. Und wer hat sich nicht schon mal unter die Maske gefasst?