Rems-Murr-Kreis

Mehr Holzbau hilft der Forstwirtschaft

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Zimmerer-Obermeister Roland Oettinger in seiner Firma in Fellbach. Was hilft der Forstwirtschaft und was hilft dem Wald, das ist die Frage. © ZVW/Gabriel Habermann
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Bezahlbarer Wohnraum in Holzbauweise? Das geht, zeigte der Zimmereibetrieb Bogunovic in Plüderhausen im Auftrag der Kreisbau. © ALEXANDRA PALMIZI

Fellbach. Der Wald ist krank. Das Holz muss schnell rausgeschafft werden. Damit die Preise nicht vollends in den Keller fallen, müsste auch mehr mit Holz gebaut werden. Das hat mehrere Vorteile, wirbt der Obermeister der Zimmerer-Innung im Rems-Murr-Kreis für den Holzbau, Roland Oettinger aus Fellbach.

Besuch in seiner Zimmerei an der Stuttgarter Straße. Oettinger, der Chef, ist allein. Die Halle: menschenleer. Alle anderen sind auf der Baustelle. Es liegt nicht an der Urlaubszeit. „Wir sind sehr gut ausgelastet“, sagt denn auch der Innungs-Obermeister und kann dabei wohl für die ganze Branche sprechen. Klar, der Bau boomt eh seit Jahren.

Der Wald stirbt. Das ist ein hausgemachtes Problem, sagen dazu Waldökologen. So wie er bei uns meist angelegt ist. Als Holzacker, als Plantage, als Stangenwald mit viel Fichte im Süden und viel Kiefer im Norden.

Der notwendige Waldumbau wird Jahrzehnte brauchen

Es ist so, wie es ist. Und zwar im Schlechten. Der notwendige Waldumbau wird Jahrzehnte brauchen. Derweil muss das Stangenholz aus dem Wald. Und es muss auch noch etwas verdient werden, um den Umbau zu schaffen. Wenn denn die Förster umlernen. Da kommt der Agrarminister Peter Hauk ins Spiel, ein gelernter Förster, der eine Holzbau-Initiative startete. Erst wollte er die staatliche Bauverwaltung dazu verpflichten, Holz als Baustoff vorzuschreiben. Dann kam es zur Einschränkung, Neu- und Umbauten sollten „so weit wie möglich in moderner Holz- oder Hybridbauweise“ erstellt werden.

Denn eins ist auch klar: Wenn von heute auf morgen umgestellt würde, wäre der Wald, den wir wahrlich als grüne Lunge und Klimaanlage brauchen, bald kahl. Aber davon kann auch keine Rede sein. Oettinger weiß von einem Anteil bei Ein- oder Zweifamilienhäusern von 30 Prozent hier im eh holzbaufreudigen Südwesten. Gebaut wird aber vieles anderes, und das mit steigender Gebäudegröße dann massiv und mit ökologisch vollends bedenklichem Beton. Oettinger verweist darauf, dass in Schweden gut über den Bedarf hinaus aufgeforstet wird.

Oettinger wird in der Argumentation praktisch. Und dann wieder städtebaulich allgemein. Es sei in Sachen Wohnraumschaffung schon viel geleistet, wenn bestehende Wohnbauten aufgestockt werden. Vor allem, wenn das Dach eh fällig ist. Dabei kommt dann meist nur eine Holzbauweise infrage, weil die Konstruktion leicht sein muss. Oft hätten die Eigentümergemeinschaften nicht genug Geld zurückgelegt für eine Dachsanierung. Mit der Schaffung von hochwertigen Wohnungen ganz oben finanziere das eine das andere. Oettinger beobachtet: „Da tun sich die Baurechtsämter noch schwer.“ Die Kommunen sollten die Bebauungspläne anpassen, damit noch ein Stockwerk draufgesattelt werden kann. Ansonsten ist auch Oettinger klar: „Ich denke, es ist nicht sinnvoll, alles mit Holz zu bauen.“

Mit Holz wird inzwischen zehn Stockwerke hoch gebaut

Dabei ist vieles, was früher undenkbar war, inzwischen möglich. Der Holz-Vorzeigebau auf dem Gartenschau-Gelände in Heilbronn ist zehn Stockwerke hoch. Freilich gehörte der Brandschutz dann zu den wirklich fordernden Aufgaben. Oettinger verweist auf die Hybridbauweise, etwa mit Stahl zusammen, um die Anforderungen unter ein Dach zu bekommen. Pro Holz, die Initiative des eigenen Verbands, will auch den Anteil bei den Gewerbebauten erhöhen. Oettinger weiß, dass die Forschung dazu noch lange nicht am Ende ist. So wird inzwischen Holz auch thermisch behandelt, um es witterungsbeständiger zu machen. Was freilich wieder Energie braucht. Denn einen Vorteil hat der Baustoff aus der Natur respektive Anbaukultur: Auch wenn das Holzhaus eines Tages doch abgerissen wird und das Holz verbrannt, es gibt dabei das Kohlendioxid frei, das der Baum vorher gebunden hat im Wald.

Schon gibt es Initiativen und Firmen, die total in Holz bauen. Oft ist das dann baubiologisch begründet. Ja keine Chemie-Rückstände. Bekannt ist die österreichische Firma Holz 100, bei der die Wände und Decken aus massivem Nadelholz sind, die Verbindungen gedübelt. Und zwar mit Holzdübel. Die Zimmerei Oettinger arbeitet mit dem Schwarzwälder Lieferanten Rombach zusammen, der auch massiv Holz propagiert. Die Brettschichten etwa für die Decken sind da zusammengehalten mit langen Schrauben aus Buche. Damit die Dämmung vorbildlich ist, kommen auf die Fassade noch Holzweichfaserplatten. Das ist dann endgültig eine Bauweise mit einem maximal hohen Holzanteil. Das geben, im großen Maßstab gedacht, unsere Wälder nicht her. Aber der Normalfall ist eine Holzständerbauweise mit Dämmmaterial zwischen den Pfosten und Riegeln. Und da kann der Holzbau viele Vorteile ausspielen.

Durchaus auch den Kostenvorteil. Holzbau müsse nicht teurer sein als aus Stein. Der Holzpreis habe sich eh in den letzten zehn Jahren nicht erhöht. Vor Ort, auf der Baustelle, geht es dann sehr schnell. Das kann sich auszahlen. Zudem wird Platz gespart. Die Ständerbauweise erlaubt dünnere Wandprofile, weil Holz an sich ein guter Isolator ist.

Architekten sind auf Steinbauweise fixiert

Oettinger ist ein ruhiger, vorsichtig formulierender Mann des Handwerks. Kein pseudostarkes Wort kommt über die Lippen dieses Mannes in seiner Zimmererkluft. Aber er beobachtet: „An den Hochschulen, da ist bislang alles aufs Mauerwerk ausgerichtet. Ich hoffe, dass da ein Aufschwung für den Holzbau stattfindet.“ Und ja, es hat ihn amüsiert. Als Hauk seine Holzbauinitiative vorstellte, meldeten sich prompt die Beton-Bauer. Der Industrieverband Steine und Erden sieht sich benachteiligt. Und bestreitet die ökologischen Vorteile von Holz. Es fängt wieder von vorne an.



Vorzeigeobjekt

Der Holzbau sollte zeigen, dass er gut mithalten kann beim Wohnungsbau, der nicht zu viel kosten darf. Mit dieser Idee trat die Zimmerei-Innung im Rems-Murr-Kreis an die Kreisbau-Gruppe heran. Entstanden ist so ein allemal vorzeigbares Pilotprojekt in Plüderhausen, erbaut von dem örtlichen Betrieb Bogunovic. Zwölf Wohnungen sind innerhalb von nur elf Monaten entstanden. Die Wohnungen sind gefördert, der Mietpreis beträgt dadurch nur 6,80 Euro pro Quadratmeter. Gefeiert wurde bei der Eröffnung auch die Zusammenarbeit unter den Handwerkern im Kreis.

Das Handwerk im Kreis präsentiert sich am Samstag, 21. September, in Fellbach auf dem Schaugarten an der Lutherkirche von 9 bis 15 Uhr.