Rems-Murr-Kreis

Mehr Laster, mehr Unfälle?

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Im Rems-Murr-Kreis gibt es nur eine solche Mautkontrollstelle an einer Bundesstraße, und zwar in Backnang. © Marco Urban

Waiblingen. Der LKW-Verkehr wird noch weiter zunehmen, daran zweifelt niemand. Die Zahl der Unfälle mit Lastern steigt auch. Im Rems-Murr-Kreis kam es 2017 zu deutlich mehr Unfällen mit Lastern als im Jahr davor. Wie sich die Verkehrsströme durch die neue LKW-Maut auf Bundesstraßen verändern, wird sich zeigen. Fahrverbote für LKW etwa auf Landes- oder Kreisstraßen durchzusetzen ist nicht ganz einfach; die Hürden liegen hoch.

Betroffene Kommunen müssen eine „besondere Gefahrenlage“ nachweisen, sonst werden die Behörden kein Durchfahr- oder Nachtfahrverbot für LKW verhängen. Laut Landratsamt spielen eine ganze Reihe von Faktoren bei solch einer Entscheidung eine Rolle. Geprüft wird, wie stark eine Strecke von Verkehr belastet ist, ob dort vergleichsweise viele Unfälle passieren, wie die Straße beschaffen ist oder wie sich ein Verbot auf benachbarte Strecken auswirken könnte.

„Angesichts der stetig wachsenden Infrastruktur muss generell von einer Zunahme des LKW-Verkehrs ausgegangen werden“, schreibt das Landratsamt in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung. Der Online-Versandhandel führt zu dichteren Verkehrsströmen; die Industrie setzt auf passgenaue Lieferzeiten. In vielen Kommunen im Rems-Murr-Kreis beklagen Anwohner seit langem, dass viel zu viele Brummis durch den Ort fahren und sie sich vom Lärm enorm gestört fühlen.

Ein Nachtfahrverbot für Laster gibt es laut Landratsamt aktuell nirgends im Rems-Murr-Kreis. Allerdings dürfen auf verschiedenen Strecken zumindest größere Laster gar nicht fahren.

Weichen Brummis nun auf Landstraßen aus?

Die LKW-Maut gilt auf Bundesstraßen erst seit dem 1. Juli diesen Jahres. Die Befürchtung liegt nahe, dass schwere Brummis nun vermehrt auf Landes- und Kreisstraßen ausweichen, um sich die Kosten für die Maut zu sparen.

„Wir werden jetzt die weitere Entwicklung genau beobachten“, versprach der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann Ende Juni. Für ein erstes Fazit ist es noch zu früh. Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte auf Anfrage, es sei eher nicht mit viel Ausweichverkehr auf Landesstraßen zu rechnen, weil sich das für die Speditionen wegen des Zeitverlustes meist nicht lohne.

Die LKW-Maut gilt auf Autobahnen schon seit 2005. Die neuesten Daten in Bezug auf Ausweichverkehr stammen aus dem Jahr 2014. Die Sprecherin des baden-württembergischen Verkehrsministeriums verweist auf einen entsprechenden Bericht der Bundesregierung. Demnach kam es zu Verkehrsverlagerungen, „wenn gut ausgebaute Ausweichstrecken vorhanden sind und diese nicht zu Zeitverlusten führen“.

Wirkt sich Mautpflicht auf den Verkehr aus? Noch nicht geprüft!

Offenbar hat der Bund kein Interesse daran, aktuellere Daten zum Ausweichverkehr zu erheben. Die Bundesländer haben laut der Sprecherin bereits 2015 die Bitte an den Bund herangetragen, er möge prüfen, wie sich die Mautpflicht auch auf Bundesstraßen auf den Verkehr auswirken wird. Passiert ist bisher nichts.

Deutschland verfügt seit Juli über das „weltweit größte zusammenhängende mautpflichtige Straßennetz“, heißt es in einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums. Mautpflichtig sind Laster mit einem Gesamtgewicht von mindestens 7,5 Tonnen. Speditionen zahlen denselben Satz unabhängig davon, ob sie auf einer Autobahn oder einer Bundesstraße unterwegs sind. Elektro-Laster sollen ab Januar 2019 von der Mautpflicht befreit werden. Der Bund rechnet pro Jahr mit durchschnittlich 7,2 Milliarden Euro Mauteinnahmen.

Es könnte sich nun ein Teil des LKW-Verkehrs zurück auf die Autobahnen verlagern – auch das ist ein mögliches Szenario. Dass zumindest in naher Zukunft insgesamt weniger Brummis unterwegs sein werden und mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert wird – damit rechnet wohl niemand. Der Schienenverkehr müsste deutlich an Attraktivität gewinnen, es bräuchte bestens funktionierende Umschlagzentren mit Bahnanschluss und vieles mehr.

Eine Maut-Kontrollstelle im Rems-Murr-Kreis

Im Rems-Murr-Kreis gibt es laut einer Sprecherin des Unternehmens Toll Collect in Berlin nur eine Mautkontrollstelle an einer Bundesstraße, und zwar an der B 14 in Backnang zwischen den Einmündungen Sulzbacher und Ludwigsburger Straße. Es seien keine weiteren Kontrollsäulen geplant. Es handelt sich um blaue Säulen, die auf den ersten Blick wie Blitzer aussehen.

Die Erfassung der Strecken, welche ein LKW auf mautpflichtigen Straßen, also Autobahnen oder Bundesstraßen, zurücklegt, funktioniert satelliten- und mobilfunkgestützt. Sofern ein Laster über eine entsprechende technische Einrichtung verfügt, „on-board-unit“ genannt, liefert diese die entsprechenden Daten an das Unternehmern Toll Collect, das für Erhebung und Kontrolle der LKW-Maut zuständig ist. Ergänzend sind neuerdings an Bundesstraßen blaue Mautkontrollstellen aufgestellt. Auf Autobahnen sind Kontrollbrücken angebracht. Das Bundesamt für Güterverkehr setzt zudem mobile Kontrollfahrzeuge sowie portable Kontrollbrücken ein.

Drei Tote in Haubersbronn

417 Unfälle, bei denen Lkw beteiligt waren, sind im vergangenen Jahr im Rems-Murr-Kreis passiert. Im Jahr davor waren es 360 Unfälle dieser Art.
Der wohl bisher schlimmste Unfall, bei dem ein Lkw beteiligt war, ist diese Woche zwischen Haubersbronn und Miedelsbach auf der Landesstraße beim Winfried-Kübler-Kreisel passiert. Drei junge Männer starben. Der 20-jährige Fahrer eines Golfs war offenbar zu schnell unterwegs gewesen. Sein Auto geriet auf die Gegenspur und stieß mit einem Zwölf-Tonner zusammen, der dort mitten in der Nacht unterwegs war.