Rems-Murr-Kreis

Mehr Müll, höhere Gebühren

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73 Kilogramm Papier und Pappe sammelten 2017 die Bürger – manchmal des Guten zu viel, wie der überfüllte Papiercontainer zeigt. © privat
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Solche Fremdstoffe finden sich im Biomüll.

Waiblingen. Die wachsenden Abfallberge schlagen sich bereits im Geldbeutel der Bürger nieder. Der Rems-Murr-Kreis hat in diesem Jahr die Müllgebühren angehoben - um rund sieben Prozent. Nicht zuletzt wegen der steigenden Mengen.

Mit 128 Kilogramm Haus- und Sperrmüll pro Einwohner lag der Landkreis 2017 unter dem baden-württembergischen Durchschnitt, weist die Abfallbilanz des Landes aus. 139 Kilo Haus- und Sperrmüll machten die Baden-Württemberger im vergangenen Jahr. Ein Kilogramm weniger als 2016. „Ein historisch niedriger Stand“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller. Er schränkte aber in seiner Abfallbilanz 2017 das Lob für die Bürger etwas ein. Das Land sei noch weit entfernt von einer echten Kreislaufwirtschaft. Im Rems-Murr-Kreis sind die Müllmengen entgegen dem Trend im Land aber 2017 angestiegen. Der Kreistag hat unter anderem aus diesem Grund die Gebühren 2018/2019 um rund sieben Prozent angehoben. Ein Vier-Personen-Haushalt zahlt nun 138 statt zuvor 128 Euro für die Entsorgung. Damit liegen die Müllgebühren wie auch die Mengen zwar unter dem Landesdurchschnitt von 151 Euro. Allerdings sind die Gebühren nur schwer zu vergleichen, da den Bürgern von Kreis zu Kreis ein ganz unterschiedlicher Service geboten wird.

Je ländlicher der Kreis ist, desto weniger Müll fällt an

Wie viel Müllmenge in einem Landkreis anfällt, hängt von vielen Faktoren ab, heißt es in der Abfallbilanz des Landes. Dennoch ermögliche es die Abfallbilanz den Stadt- und Landkreisen, sich mit den Kreisen zu messen, die eine ähnliche Siedlungsstruktur aufweisen. Das sind im Rems-Murr-Kreis die Nachbarlandkreise. Grundsätzlich gilt: Je ländlicher ein Kreis strukturiert ist, desto geringer sind die Müllmengen. In den sogenannten „Ländlichen Kreisen“ liegt die Menge an Haus- und Sperrmüll mit 122 Kilogramm pro Einwohner unter dem Müllaufkommen in den „Städtischen Kreisen“ (132 Kilogramm).

 

Ausnahmen bestätigen die Regel: Freudenstadt, der müllärmste ländliche Kreis, mit 73 Kilogramm wird von einem „Städtischen Kreis“, nämlich Calw, sogar noch unterboten. Dort fliegen jährlich nur 63 Kilogramm auf den Müll. Den meisten Haus- und Sperrmüll machen übrigens die Mannheimer (241 Kilogramm) und die Stuttgarter (190 Kilogramm).

Der meiste Sperrmüll wurde im vergangenen Jahr ebenfalls in Mannheim abgefahren (45 Kilogramm). Im Rems-Murr-Kreis waren es 27 Kilogramm nach 22 Kilo im Jahr 2016. Vermutlich haben die Rems-Murr-Bürger Ende 2017 noch schnell ihren Sperrmüll abholen lassen, bevor die Gebühren um fünf Euro von 15 auf 20 Euro steigen beziehungsweise von 35 auf 40 Euro für Leute, die es besonders eilig haben (Expressabfuhr).

Rems-Murr deutlich über dem Landesdurchschnitt

Eifrig genutzt wird inzwischen die Biotonne zwischen Rems und Murr. Sieben Kilogramm mehr Biomüll als 2016 ließen die Bürger im vergangenen Jahr entsorgen, inzwischen nämlich 88 Kilo. Damit liegt der Landkreis Rems-Murr deutlich über dem Landesdurchschnitt von 50 Kilogramm und auch dem Aufkommen in den Nachbarkreisen. Während in der Nachbarschaft die volleren Biotonnen das Aufkommen von Haus- und Sperrmüll jedoch sinken ließen, wachsen im Rems-Murr-Kreis beide Müllarten fröhlich miteinander. Biomüll ist nicht zuletzt ein Wertstoff. In der Vergärungsanlage Backnang-Neuschöntal wird der Biomüll in Strom, Flüssigdünger und Qualitätskompost verwandelt. Dank dieser Einnahmen können die Müllgebühren für die Bürger günstiger kalkuliert werden.

125 Kilogramm Wertstoffe sind 2017 im Kreis zusammengekommen, zwei Kilogramm mehr als ein Jahr zuvor. Rund ein Viertel (34 Kilogramm) davon landeten in der Gelben Tonne. Mit 73 Kilogramm machten Papier und Pappe den größten Batzen bei den Wertstoffen aus. Auf Glas entfielen 23 Kilogramm.

Der Biomüll muss sauber sein

Beim Biomüll kommt es nicht nur auf die Menge an, erklärte Umweltminister Franz Untersteller bei der Vorstellung der Abfallbilanz. „Auch die Qualität muss stimmen!“ Ein Problem, mit dem sich auch die Abfallwirtschaft Rems-Murr Tag für Tag herumschlägt und Metall, Glas, mineralische Abfälle und Ähnliches aus dem Bioabfall sortieren muss. Die haben in der Biotonne nichts zu suchen. Das Land hat deshalb „ein europaweit einzigartiges Forschungsvorhaben zur Detektion von Fremdstoffen in Bioabfällen“ mit einer Million Euro gefördert.

Um Metall in der Tonne „aufzuspüren“, nutzt die Abfallwirtschaft technische Hilfsmittel. So sind im Rems-Murr-Kreis Biomüllfahrzeuge unterwegs, die mit einem Metalldetektor ausgestattet sind. Dieser reagiert auf rein metallische Gegenstände, aber auch auf metallisierte Folien wie Chipstüten oder Verbundverpackungen, wie zum Beispiel Tetrapacks. Werden solche Stoffe entdeckt, erfolgt eine Meldung an das angeschlossene System, die Schüttung wird blockiert. Das heißt, die Tonne wird nicht geleert. Betroffene Haushalte werden mit einem roten Hänger an der Biotonne informiert.