Rems-Murr-Kreis

Mehr psychische Erkrankungen bei Kindern

Symbolbild
Depression und Angststörungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Kindern. © Psychische Erkrankungen

Jeder fünfte Junge beziehungsweise jedes siebte Mädchen war laut einer aktuellen Auswertung der AOK Baden-Württemberg wegen einer psychischen Erkrankung in ambulanter oder stationärer Behandlung. Im Rems-Murr-Kreis stieg der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit einer entsprechenden Diagnose zwischen 2014 und 2018 im Schnitt um drei Prozent pro Jahr. 2018 wurden insgesamt 3944 Minderjährige im Kreis wegen einer psychischen Erkrankung behandelt.

Zu den häufigsten Diagnosen zählen unter anderem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), soziale Verhaltensstörungen und auch Essstörungen. Kinder im Grundschulalter sind besonders häufig betroffen. Laut Robert-Koch-Institut leiden Jungen häufiger unter psychischen Erkrankungen als Mädchen. Das gilt insbesondere für die Altersgruppe zwischen sieben und 13 Jahren.

Depression und Angststörungen sind häufigste Erkrankungen

„Psychische Störungen wie zum Beispiel Depression und Angststörungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter“, sagt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK Baden-Württemberg. Durch die Einschränkung ihrer psychischen Gesundheit werden betroffene Kinder und Jugendliche stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, insgesamt sogar stärker als durch körperliche Erkrankungen. Auch auf die körperliche Gesundheit sowie die schulische und berufliche Entwicklung können sich psychische Störungen negativ auswirken. Das Risiko, dass diese im Kindes- und Jugendalter chronisch werden und die Betroffenen Begleiterkrankungen entwickeln, ist hoch. „Weil bei Minderjährigen nicht leicht zu erkennen ist, wann ein ärztlicher Beratungs- und Behandlungsbedarf entsteht, ist die Einhaltung der Vorsorgeuntersuchungen gerade auch im Jugendalter sehr wichtig“, so Dr. Knapstein. Fast die Hälfte aller psychischen Erkrankungen beginnen während der Pubertät, in drei von vier Fällen liegt der Krankheitsbeginn vor dem 25. Lebensjahr.

Zur Entstehung und zum Verlauf von seelischen Erkrankungen tragen viele Umstände bei, unter anderem auch individuell-lerngeschichtliche sowie psychosoziale Faktoren. Je besser die persönliche Unterstützung im Umfeld ist, umso besser kann sich die seelische Gesundheit eines Kindes entwickeln.

„Für Kinder und Jugendliche hat sich die AOK gemeinsam mit Hausärzten, Kinder- und Jugendärzten, Psychotherapeuten und Psychiatern darauf geeinigt, die seelische Gesundheit im Sinne des sogenannten biopsychosozialen Modells zu fördern, und die multidisziplinäre Versorgung zu einem alltagsnahen Hilfenetz zusammengeführt“, so Dr. Knapstein. „Durch diese Vernetzung wird das ambulante Versorgungsangebot flexibler und kann intensiviert werden. Das gilt für Diagnostik, Behandlungsverfahren und weitere unterstützende Maßnahmen. Dazu zählt auch der Zugang zu altersgerechten Gesundheitsangeboten zu Bewegung, Ernährung, Stressreduktion sowie ein erleichterter und schnellerer Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen.“