Rems-Murr-Kreis

Mehrheit für eine Seilbahn im Kreis

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Bisher nur in der Fantasie existent, aber so könnte eine Seilbahn von Grunbach zum Bauersberger Hof aussehen. © Habermann/ZVW (Montage)

Remshalden. Was halten die Menschen im Kreis von einer Seilbahn, zum Beispiel im Remstal, wie sie in Stuttgart derzeit im Gespräch ist? Unser Check der Stimmungslage ergibt ein zwiespältiges Bild mit vielen Befürwortern, aber auch vielen kritischen Stimmen. Manchen fällt es auch schwer, die Idee so richtig ernst zu nehmen.

„Aprilscherz?“, fragt sich eine Facebook-Nutzerin in einem Kommentar zu unserem Artikel über die Idee einer Seilbahn im Remstal. Dieser Gedanke liegt nicht ganz fern. Tatsächlich berichteten die Schorndorfer Nachrichten vor zwei Jahren über Pläne der Gemeinde Urbach: Mit einer Standseilbahn oder einem Sessellift könnten Gartenschau-Besucher aus dem Ort hoch zum Bergrutsch gebracht werden, so die Idee. Der Artikel erschien aber am 1. April und wurde am Tag darauf als Scherz entlarvt. Ganz ernsthaft denkt jedoch derzeit die Stadt Stuttgart über Luftseilbahnen als umweltfreundliches Transportmittel zur Entlastung der verstopften Straßen zwischen Kessel und Höhenlagen nach.

Beispiele solcher Seilbahnen gibt es am Rhein in Rüdesheim oder Koblenz, aber auch in der türkischen Hauptstadt Ankara: Dort verkehrt eine mehr als drei Kilometer lange Luftseilbahn zwischen einem Vorort und dem Zentrum. Und in Künzelsau gibt es eine Standseilbahn, die das Wohngebiet Taläcker mit dem Stadtkern verbindet.

Aber im Rems-Murr-Kreis? Über www.zvw.de und Facebook haben wir gefragt, was die Menschen in der Region davon halten, eine Seilbahn zu bauen, und wo diese stehen sollte. An der Abstimmung mit drei Auswahlmöglichkeiten haben bis Freitagnachmittag 288 Menschen teilgenommen. Mehr als 53 Prozent von ihnen haben sich für „Toll, so was brauchen wir unbedingt“ entschieden. 32 Prozent meinten: „So ein Quatsch, das wäre Geldverschwendung.“ 14 Prozent sagen: „Ist mir egal.“ Eine Mehrheit für eine Seilbahn also.

„Lohnt sich nicht“ – „Ich glaube, das würden viele nutzen“

In den Kommentaren und Meinungsäußerungen unter dem Artikel auf www.zvw.de und auf Facebook ergibt sich ein differenzierteres Bild. „Lohnt sich doch nicht für die paar Leute, wo damit fahren“, findet zum Beispiel Julian. Ein anderer Kommentator meint dagegen zu der Seilbahn-Idee: „Das hätte mal Flair und Charme. Ich glaube, das würden viele nutzen. Vor allem würde sie bestimmt zuverlässiger und öfter fahren als der Bus.“ Nutzer Kimo meint: „Ich denke da an Beinstein, der Höhenunterschied zwischen Wohngebiet Hausweinberg und Dorf ist nicht ohne, und für die älteren Herrschaften im Ort wäre so was am Wochenende ideal, wenn kein Bus in den Hausweinberg fährt.“ Allerdings sei es eine Kosten-Nutzen-Frage, gibt er zu bedenken.

Gerade diese Frage sehen viele kritisch. „Für so was Geld ausgeben? Wir sind nicht in den Alpen“, sagt ein Facebook-Nutzer. Ein Remshaldener begegnet der Vorstellung einer Seilbahn von Grunbach über den Bauersberger Hof nach Buoch, wie sie dem BWV-Gemeinderat Karl Angele gefallen würde, mit unverhohlener Ironie: „Bei der Remshaldener Finanzlage sicher eine gute Idee.“ Und eine andere Facebook-Kommentatorin findet ganz allgemein: „Saniert mal lieber unsere Schulen, statt für so einen Scheißdreck Geld lockerzumachen.“ Und noch einer fragt: „Geld für Schwabenstreiche da? Mehr Geld für Schulen, Kindergärten, Videoüberwachung, Schuldenabbau.“

Hesky offen für Seilbahnen

Andere plädieren dafür, erst einmal das bestehende Nahverkehrsangebot zu verbessern. „Bus-Verbindungen, pünktliche S-Bahn. Da hat man mehr davon“, ist die Meinung einer Facebook-Nutzerin. Eine andere schreibt: „Bitte erst die Busverbindungen und die Infrastruktur auf dem Galgenberg verbessern.“ Sie bezieht sich auf das Waiblinger Wohngebiet und damit vermutlich auch auf die Äußerungen von Oberbürgermeister Andreas Hesky gegenüber unserer Zeitung, der sich grundsätzlich offen gegenüber der Seilbahn-Idee zeigte.

Eine Remshaldenerin mit Humor, die an die geplante Sanierung und Sperrung der Grunbacher Ortsdurchfahrt denkt, könnte einer Seilbahn von Grunbach nach Buoch Positives abgewinnen: „Wenn die Gondelbahn vor der Straßensanierung da wäre, wäre die Umleitung kein Problem mehr.“

Manche haben allerdings Bedenken in Bezug auf die Landschaft. So wie dieser Facebook-Nutzer: „Das Remstal wird schon genug verbaut. Da braucht es nicht noch eine Seilbahn, die eh kaum einer nutzt.“ Er empfiehlt, zu Fuß zu gehen: „Per pedes die schönen Hänge in wundervoller Natur hoch und von einem Aussichtspunkt die Natur und Gegend genießen. Eine Seilbahn stört da nur den schönen Ausblick.“

Wo sollte eine Seilbahn stehen? – Einige Ideen

Wir haben gefragt: Wo müsste in den Augen unserer Leser eine Seilbahn hin? Unsere Online-Leser haben einige Vorschläge gemacht. Hier eine Auswahl:

  • Auf den Schorndorfer Holzberg
  • Aus der Backnanger Innenstadt zum Bahnhof. „Eindeutig die anstrengendste Strecke im Kreis!“, meint der, den Vorschlag macht.
  • Zum Bahnhof in Waiblingen-Hohenacker beziehungsweise Neustadt.
  • Andere Vorschläge sind wohl weniger ernst gemeint, aber haben ihren Reiz, so wie diese:
  • Von Berglen nach Stuttgart ans Neckarstadion
  • Vom Gewa-Tower in Fellbach zum Postturm in Schorndorf, eventuell mit Zwischenstation an der Remstalkellerei in Weinstadt