Rems-Murr-Kreis

Mehrweg-Kaffeebecher bislang mäßig erfolgreich

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Als Betreiberin eines kleinen Cafés möchte Kathrin Fischer größeren Cafés einen Anstoß geben, die Mehrwegbecher einzuführen. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen/Schornbdorf. Um den Verbrauch an Einwegbechern zu reduzieren, deren Produktion in Deutschland jährlich rund 83 000 Tonnen CO2 verursacht, möchte der Rems-Murr-Kreis in Zusammenarbeit mit der Firma Recup GmbH ein Pfandsystem für Mehrwegbecher etablieren. Vier Cafés haben das System bereits bei sich integriert. Mit bislang mäßigem Erfolg.

Kathrin Fischer findet das schade, hört sich doch das Mehrwegbecher-Konzept so einfach und gut an: Kaffee zum Mitnehmen im Mehrwegbecher bestellen, Kaffee unterwegs genießen, leeren Becher deutschlandweit zurückgeben. Die Inhaberin des Café-Anhängers auf dem Marktplatz in Schorndorf betrachtet die „Recup-Becher“ als eine tolle Möglichkeit, den Kunden Kaffee zum Mitnehmen anzubieten und dabei trotzdem Maßnahmen zum Umweltschutz zu ergreifen. Aber wenn nicht mehr Cafés und Bäckereien das System bei sich integrieren, befürchtet sie, dass es in Zukunft auch nicht mehr Kunden in Anspruch nehmen werden. Sie wolle, sagt sie, „als kleines Café den anderen, größeren Cafés einen Anstoß geben, die Mehrwegbecher ebenfalls zu integrieren“.

Ende Februar konnten sich interessierte Betreiber von Cafés und Bäckereien, auf Einladung des Landratsamtes Rems-Murr, an einem Runden Tisch über die Einführung der Mehrwegbecher informieren. Aktuell liegen Zusagen für 16 Standorte im Rems-Murr-Kreis vor, die den Mehrwegbecher einführen möchten. Unter anderem die Bäckerei Trefz mit ihren Standorten in Backnang und Weissach im Tal, das Café Mocca in Welzheim und Grau Backspezialitäten GmbH mit ihren Standorten in Fellbach und Kernen.

Einmal in Schorndorf, einmal in Winnenden, zweimal in Waiblingen

Vier Betriebe, der Café-Anhänger in Schorndorf, das Café Pilu und Uwes Backstube in Waiblingen sowie das Café Glückskind in Winnenden, schenken ihren Kaffee bereits im Mehrwegbecher aus. Beim Café-Anhänger haben seit der Einführung Anfang April erst rund zehn Kunden das Angebot in Anspruch genommen, sagt Kathrin Fischer. Grund hierfür sei unter anderem, dass die meisten ihrer Kunden ihren Kaffee direkt an ihrem Anhänger trinken und einen Mitnehmbecher deshalb gar nicht erst benötigen. Sie hat bereits 2018 Einwegkaffeebecher abgeschafft.

Auch Stefano Pilu, Besitzer des Cafés Pilu, klagt über bisher ausbleibendes Interesse seiner Kunden an den Mehrwegbechern. „Das Problem ist, dass die Kunden hier in der Gegend so wenige Möglichkeiten haben, die Becher wieder zurückzugeben“, schließt er sich Kathrin Fischer an.

Rund 30 Euro pro Monat

Die „Recup-Becher“ können nur beim teilnehmenden Betrieb abgegeben werden und nur dort erhält der Kunde sein Pfand zurück. Cafés und Bäckereien, die die „Recup-Becher“ integrieren, müssen der Firma Recup GmbH eine Gebühr von einem Euro/Tag/Standort zahlen. Wenn einer der Becher beschädigt ist, wird er von Recup ausgetauscht. Die Mehrwegbecher sind in drei Größen erhältlich, lebensmittelecht und spülmaschinenfest. Jeder Standort, der die Mehrwegbecher führt, wird in die Recup-App aufgenommen, über die sich Kunden dann übers Smartphone zum nächsten Recup-Partner navigieren lassen können.

Ein Problem sieht Stefano Pilu im Design der Becher: „Die Becher sind nicht verschließbar, man kann sie nicht einfach in die Handtasche legen, das stört viele“, betont er. Die nicht total dichten Mehrwegdeckel kosten zusätzlich 1,30 Euro und können nicht zurückgegeben werden.

Stefano Pilu hat sich selbst dennoch ein Versprechen gegeben, die Becher mindestens ein Jahr zu führen: „Wenn sie bis dahin immer noch nicht besser bei den Kunden ankommen, muss ich sie wieder absetzen, ansonsten mache ich mit den Bechern nur Verlust.“

Coffee-to-go nicht mehr im Einwegbecher

Anderer Auffassung ist Annika Traffa, Besitzerin des Cafés Glückskind. Sie möchte die Becher unter allen Umständen weiter führen. „Man muss einfach Abstriche machen, um etwas zum Umweltschutz beizutragen“, meint sie. „Wir haben zwar auch kaum Kunden, die „Coffee to go“ wollen, immerhin sind wir in Winnenden, hier gibt es kaum Laufkundschaft, aber wenn doch mal ein Kunde einen „Coffee to go“ möchte, ist mir wichtig, dass es eine umweltfreundliche Alternative gibt“, sagt sie.

Sie möchte, wenn ihr Vorrat an Einwegkaffeebechern aufgebraucht ist, keine weiteren mehr bestellen. „Wenn die Kunden dann einen Coffee-to-go möchten, müssen sie einen Recup-Becher nehmen, ansonsten gibt es eben keinen Kaffee zum Mitnehmen“, betont sie.

Bei Annika Traffa finden die Mehrwegbecher allerdings auch anderweitig Verwendung. Birchermüsli zum Mitnehmen kann man bei ihr beispielsweise anstatt im Plastikbecher auch im Recup-Becher bekommen. „Wir im Café Glückskind versuchen, bewusst auf die Umwelt zu achten, so benutzen wir beispielsweise Glasröhrchen anstatt Plastikröhrchen. Die Recup-Becher sind eine weitere Möglichkeit für uns, zum Schutz der Umwelt beizutragen. Ich hoffe aber, dass noch mehr Café und Bäckereien das System integrieren und Recup somit hier in der Region ein Erfolg werden kann.“


Teilnehmer gesucht

Ziel der Geschäftsstelle Klimaschutz des Landratsamtes ist es, mindestens dreißig Standorte für den Mehrwegbecher im Rems-Murr-Kreis zu gewinnen, um dann einen Becher mit regionalem Design zu gestalten.

An einer Teilnahme interessierte Verkaufsstellen von Kaffee können sich bei Felicia Wurster unter 07151/501-21 55 oder per Mail an f.wurster@rems-murr-kreis.de melden. Sie beantwortet gerne Fragen zum Mehrwegbecher. Weitere Informationen sind im Klimaschutz-Portal des Landratsamtes zu finden.