Rems-Murr-Kreis

Meisterfeier der Handwerkskammer Region Stuttgart als Livestream

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Coronabedingte Premiere: Die Meisterfeier der Handwerkskammer Region Stuttgart fand als Online-Veranstaltung statt

Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, gratulierte 632 Handwerkern zum Bestehen der Meisterprüfung. Die Absolventen des aktuellen Jahrgangs dürfen sich erstmals auch „Bachelor Professional“ nennen. Reichhold erklärte, dass damit klargestellt sei, dass eine Berufsausbildung gleichwertig zur akademischen Bildung stehe. Als Bestmeister wurden Felix Purkert, Behälter- und Apparatebauer-Handwerk, Waiblingen, und Patrick Frank, Feinwerkmechaniker-Handwerk, Backnang, besonders geehrt.

Aufgrund der Corona-Situation nahm die Handwerkskammer Abstand vom klassischen Festabend und sendete das Programm per Livestream an die Haushalte der Jungmeister. Interviews, die Ehrung der Bestmeister, die Übergabe des Rotary-Preises und die Nationalhymne konnten so zu Hause erlebt werden. Auch Ministerpräsident Kretschmann war per Videoeinblendungen dabei. Teilweise wurden den Jungmeistern die Meisterbriefe an dem Abend nach Hause gebracht - selbstverständlich unter Einhaltung der geltenden strengen Hygienevorschriften.

Präsident Reichhold betonte: „Sie haben Ihren Abschluss teilweise unter Corona-Bedingungen mit Ausdauer, Fleiß und Ehrgeiz im wahrsten Sinne des Wortes gemeistert. Als Meister haben Sie nun alle Möglichkeiten: Sie können mehr verdienen. Sie können selbst ausbilden. Und vor allem: Sie können einen Betrieb übernehmen oder gründen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es wunderbar ist, einen Betrieb zu führen, selbst zu entscheiden, selbst zu gestalten! Tun Sie das auch und ergreifen Sie diese Chance.“

Kfz-Techniker sind die Größten

Das Elektro- und Metallgewerbe stellt mit 332 jungen Handwerkern aktuell einmal mehr die größte Branche. Davon sind 85 Meister im Kfz-Techniker-Handwerk, 64 Installateur- und Heizungsbauermeister, 49 Maler- und Lackierermeister sowie 35 Elektrotechnikermeister. Mit drei Absolventen stellt das Ofen- und Luftheizungsbauer-Handwerk eine kleine aber feine Branche dar. Bei den Orgel- und Harmoniumbauern waren vier Absolventen erfolgreich. Die Schilder- und Lichtreklamehersteller sowie die Sattler und Feintäschner brachten es auf jeweils sechs Absolventen.

Als ein starkes Zeichen für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses bezeichnete Rainer Reichhold die neu eingeführte Meisterprämie. Die baden-württembergische Landesregierung hat zum 1. Mai 2020 eine Prämie in Höhe von 1500 Euro für erfolgreiche Absolventen von Meisterkursen im Handwerk eingeführt. „Wir haben von Anfang an für die Meisterprämie gekämpft. Für manchen Jungmeister ist der Betrag vielleicht der Grundstein für den eigenen Betrieb.“ Neben der Meisterprämie soll es auch eine Meistergründungs- und Übernahmeprämie geben. „Beide Prämien zielen darauf ab, die zunehmenden Herausforderungen des Handwerks bei der Betriebsnachfolge anzugehen.“ Der Nachwuchsmangel sei gerade im Handwerk besonders ausgeprägt.

Trotz Corona-Krise stünden die Chancen für junge Menschen gut, bereits in ganz jungen Jahren in eine Selbstständigkeit im Handwerk zu starten. Die Erfahrung habe gezeigt, dass das Handwerk seinen festen Platz als verlässlicher Anker in der Wirtschaft einmal mehr behauptet habe. „Das liegt auch an der soliden Qualifizierung mit unternehmerischem Wissen.“

Nicht nur Start-ups sind wichtig

Reichhold forderte, dass das Land klassische Gründungen und Nachfolgen wieder stärker fokussiert und sich nicht nur auf Start-ups und besonders innovative oder ungewöhnliche Gründungen konzentriert.

Wichtig sei, frühzeitig zu planen und sich beraten zu lassen. „Das Gründen eines Betriebes gehört zur DNA des Handwerks. Eine Betriebsübergabe passiert aber nicht mal eben so. Was schon vor Corona galt, gilt nach Corona umso mehr: Die Beteiligten benötigen in aller Regel eine umfassende Beratung, um den Generationenwechsel erfolgreich zu bewältigen.“ Mit der Zukunftsinitiative Handwerk 2025 werden aktuell die Betriebe intensiv dabei unterstützt, passgenaue Konzepte für den technologischen Wandel und Fachkräftewettbewerb zu finden. Die hohe Nachfrage nach den Angeboten zeige, dass die Unternehmer die Themen angehen wollen, um sich zukunftsorientiert aufzustellen.