Rems-Murr-Kreis

Microsoft-Betrugsmasche wieder aktuell

Telefon falsche Polizisten
Symbolbild. © Pixabay.com / CC0 Public Domain

Winterbach/Backnang. Betrüger versuchen es zurzeit wieder mit der Microsoft-Masche: Unbekannte behaupten am Telefon, sie müssten per Fernwartung den Computer vor Viren schützen. Alles Quatsch – nichts als Abzocke. Ein 48-Jähriger aus Backnang ist den Betrügern auf den Leim gegangen; eine Frau aus Winterbach zog gerade noch rechtzeitig die Reißleine.

Es trifft immer nur die anderen – denkt man. Die Winterbacherin war sich nach eigenem Bekunden bisher absolut sicher, dass sie auf solche Tricks niemals hereinfallen würde. Fast wäre es ihr dann doch passiert. Dass die Betrüger dermaßen professionell und psychologisch geschickt vorgehen, hätte sie sich nicht träumen lassen.

Via Fernwartung Zugriff auf den Computer

Sie gewährt bei Bedarf einem Experten via Fernwartung Zugriff auf ihren Computer, und aktuell hatte sie tatsächlich Probleme mit ihrem PC. Deshalb erschien es ihr zunächst nicht ungewöhnlich, dass ein Anrufer ihr sagte, man habe Probleme auf ihrem PC geortet, die beseitigt werden müssten.

Es handle sich um einen kostenlosen Dienst von Microsoft. Tatsächlich erhielt der Anrufer Zugriff auf den PC der Frau. Von abgelaufenen Lizenzen war die Rede und von einem Virenschutzprogramm, das Microsoft anbiete. Kostenpunkt: 99 Euro.

Nun versuchte der Betrüger, an die Bankdaten der Frau heranzukommen. Als sie zurückhaltend reagierte, folgte die Drohung, dann stürze der Computer eben komplett ab. Es sei denn, sie begebe sich zu einer ganz bestimmten Bank in Schorndorf und gebe dort eine Barüberweisung in Auftrag.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht

Nun schrillten wirklich alle Alarmglocken und die Winterbacherin drohte ihrerseits: Ich geh zur Polizei. Daraufhin löschten die Betrüger Fotos auf ihrem PC, die allerdings zwei Tage später wieder auftauchten. Als ein „Lehrstück in Manipulation“ bezeichnet die Winterbacherin den Fall, den sie dann tatsächlich bei der Polizei anzeigte.

Ihre Sorge, der Computer könnte auch jetzt noch manipuliert sein, bleibt. Obwohl die Frau mit fachlicher und ehrlicher Hilfe alle möglichen Vorkehrungen traf – hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, davon geht die Winterbacherin aus. Sie hat ihre Passwörter geändert und Karten gesperrt – doch das ungute Gefühl bleibt.

Ein 48-jähriger Backnanger hatte es mit derselben Art Trickbetrug zu tun. Der Mann verlor mehrere Hundert Euro. Der Vorfall hat sich laut Polizei bereits am Samstag ereignet, und zwar in der Zeit zwischen 14 und 17 Uhr. Auch hier gab sich ein unbekannter Anrufer als Microsoft-Mitarbeiter aus. Der PC des 48-Jährigen müsse per Fernwartung vor Computerviren geschützt werden, hieß es.

Die Polizei rät, derartige Gespräche sofort zu beenden

„Offenbar war der Anrufer so überzeugend, dass der Mann ihm via Onlinebanking mehrere Hundert Euro überwies“, heißt es im Polizeibericht. Die Polizei rät, derartige Gespräche sofort zu beenden, auf keinen Fall fremden Personen Fernzugriff auf den PC zu gestatten und schon gar kein Geld zu überweisen.

Die Betrüger holen sich, sofern man ihnen Zugriff auf den PC gewährt, das Geld einfach selbst: Sinn der Aktion ist, mittels einer Schadsoftware Bank- und Kreditkartendaten auszuspionieren. Offenbar gelingt ihnen das relativ häufig – denn die Masche ist uralt und kocht in regelmäßigen Abständen immer wieder hoch.

Der Microsoft-Konzern selbst kennt das Problem natürlich. „Zusätzlich zu Telefonanrufen nutzen die Betrüger heutzutage vermehrt E-Mails, infizierte Webseiten und Pop-ups, um illegal an Nutzerdaten zu gelangen“, heißt es auf den Internetseiten von Microsoft Deutschland.

So unterscheiden sie echt von falschen Microsoft-Angeboten

Das Ausmaß der Betrügereien ist gewaltig, wie eine eigens eingerichtete „Microsoft Digital Crime Unit“ herausgefunden hat. Demnach gaben weltweit zwei Drittel aller Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten Erfahrungen mit der Betrugsmasche gemacht zu haben. In Deutschland seien mehr als die Hälfte aller Befragten betroffen gewesen.

Microsoft listet eine Reihe von Fakten auf, die helfen sollen, betrügerischen Missbrauch des Namens „Microsoft“ zu erkennen und echte Microsoft-Angebote von den falschen unterscheiden zu können:

  • Microsoft führt unter keinen Umständen unaufgeforderte Telefonanrufe durch, in denen das Unternehmen anbietet, ein schadhaftes Gerät zu reparieren. Selbst auf offizielle Support-Anfragen erfolgen Hilfestellungen fast ausschließlich per E-Mail.
  • Microsoft schickt unaufgefordert weder E-Mails, noch fordert das Unternehmen per Telefonanruf persönliche oder finanzielle Daten an.
  • Gibt sich der Anrufer als Mitarbeiter der Microsoft-Lotterie aus, dann stimmt dies nicht: Es gibt keine Microsoft-Lotterie.
  • Microsoft fragt niemals aktiv nach Kreditkarteninformationen, um die Echtheit von Office oder Windows zu verifizieren.
  • Microsoft kontaktiert Nutzer nicht ungefragt, um über neue Sicherheitsupdates zu informieren. Ein Kontakt zum Microsoft-Support erfolgt ausschließlich auf Initiative der Nutzer, niemals umgekehrt.