Rems-Murr-Kreis

Migranten fordern "Tag der deutschen Vielfalt"

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Symboldbild © Martin Winterling

Waiblingen. Migranten und Nachkommen fordern einen „Tag der deutschen Vielfalt“. Zu den Einheits-Feierlichkeiten erklären Migrant*innenverbände und Neue Deutsche Organisationen: Es ist wichtig, dass die Wiedervereinigung jedes Jahr symbolisch gefeiert wird. Doch die deutsche Gesellschaft umfasst mehr als Ost- und Westdeutsche. Als Einwanderungsland brauchen wir endlich auch einen Tag der deutschen Vielfalt, symbolisch für alle.

In einer Pressemitteilung von über 20 Vereinigungen heißt es weiter: "Deutschland war es vor der Wende und ist es nach der Wende geblieben: Die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland. Menschen aus Einwandererfamilien leben in Ost und West, viele haben die Teilung und Wiedervereinigung miterlebt. Die deutsche Einheit selbst wird üblicherweise aus einer rein „weißen“ Sicht betrachtet – deutschdeutsche Ostdeutsche wiedervereint mit deutschdeutschen Westdeutschen. Dass aber auf beiden Seiten viele Bindestrichdeutsche, also Menschen mit Migrationshintergrund dabei waren, wird meist vernachlässigt. Vergessen wird oft auch, dass die Wiedervereinigung für einen Teil unsere Gesellschaft mit rassistischen Erfahrungen einherging. Und: Bei einem großen Teil der ostdeutschen Bevölkerung gab es Entfremdungs- und Stigmatisierungserfahrungen. Diese Einheit bleibt unvollendet, wenn diese Geschichten nicht erzählt werden.

Ebenso wie das vereinte Deutschland braucht auch die Einwanderungsgesellschaft einen symbolischen Akt, der alle Gruppen anspricht und einbindet. Wir brauchen einen „Tag der deutschen Vielfalt“ – als Anerkennung der gesellschaftlichen Vielfalt in unserem Land. Denn es ist doch genau diese Vielfalt, die uns eint. Dabei geht es nicht um Minderheiten: mittlerweile haben 20 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. Dieses Land ist ihre Heimat geworden. Und die meisten Menschen in Deutschland finden das gut. Eine Mehrheit nimmt das Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft als etwas Positives wahr, wie der kürzlich erschienene Integrationsmonitor des „Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ zeigt.

Dieser Umstand sollte in einem „Tag der deutschen Vielfalt“ gewürdigt werden. Es wäre eine Chance unserer Gesellschaft ein positives Selbstbild zu geben, nach dem Motto: Wir stehen ein für eine plurale Republik, in der nicht Herkunft oder Aussehen entscheiden, wer dazu gehört. Der Tag würde uns die Gelegenheit geben, darüber nachzudenken, wer wir als Gesellschaft sind und wie wir in dieser Gesellschaft zusammenleben wollen. Ein Tag der Vielfalt bedeutet einen Raum der Identifikation zu schaffen und in einen Dialog zu treten. Gerade in Zeiten in denen völkisch-nationale Kräfte wieder Mauern bauen, braucht es eine starke Symbolik für Vielfalt."


Unterzeichnende Organisationen: Bundesverband russischsprachiger Eltern, Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat, Deutscher Soldat, DeutschPlus, djo-Deutsche Jugend in Europa, Forum der Migranten und Migrantinnen im Paritätischen, Korientation, Landesrat der Roma und Sinti Berlin-Brandenburg – RomnoKher Berlin Brandenburg, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Iranische Gemeinde in Deutschland, Neue deutsche Medienmacher, neue deutsche organisationen, Salaam-Schalom Initiative, Schülerpaten Berlin, Pan-African Women's Empowerment and Liberation Organisation, Polnischer Sozialrat, Türkische Gemeinde in Deutschland, Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine, Verband für interkulturelle Wohlfahrtspflege, Empowerment und Diversity, Vereinigung Afrikanischer Mandatsträger*innen, VIA – Bundesverband für interkulturelle Arbeit.