Rems-Murr-Kreis

Mit Displays am Straßenrand gegen den Motorradlärm im Rems-Murr-Kreis

Lärmdisplay
Wer mit knatterndem Auspuff oder röhrendem Motor an dem Display vorbeifährt, wird öffentlich um Ruhe gebeten. Weinstadts Pressesprecher Holger Niederberger: „Manche halten sich dran, andere wiederum leider nicht.“ Foto: Benjamin Büttner © Büttner

Noch bis zum 30. Juni 2020 können sich von Motorradlärm geplagte Städte und Gemeinden sowie Land- und Stadtkreise für eine Förderung zur Anschaffung von Displays gegen Motorradlärm bewerben. „Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg unterstützt Kommunen und Landkreise zum zweiten Mal mit bis zu 4000 Euro pro Display“, sagte Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann.

Die Stadt Weinstadt nimmt bereits seit mehreren Jahren an einem Pilotprojekt des Landes Baden-Württemberg teil. Seit 2016 steht solch ein Lärmdisplay an der Weinstraße in Weinstadt-Schnait in Fahrtrichtung Manolzweiler. Wenn eine zu hohe Dezibelzahl gemessen wird, warnt das Schild: „Lleiser!“. Ansonsten zeigt das Schild „Danke“.

Über die Erfahrungen damit berichtet Weinstadts Pressesprecher Holger Niederberger: „Das Verhalten der Fahrer ist ähnlich wie bei den Geschwindigkeitstafeln: Die Überzahl der Fahrzeugführer hält sich daran, andere wiederum leider nicht.“.

Das Land hält große Stücke auf die Lärmdisplays und hat diese auch in Modellversuchen erprobt. Motorradfahrer, so die Pressemitteilung von Verkehrsminister Winfried Herrmann, werden über die Displayanzeigen direkt angesprochen und zu einer leisen und damit rücksichtsvollen Fahrweise aufgefordert. „Die Motorradlärm-Displays haben sich als eine erstaunlich wirksame Maßnahme im Kampf gegen Motorradlärm erwiesen“, unterstrich Herrmann, „bereits 31 Motorradlärm-Displays sind landesweit im Einsatz und es sollen mehr werden.“

Setzen auf Freiwilligkeit und Vernunft

Und weiter: „Die Displays setzen auf Freiwilligkeit und Verantwortung der Biker. Mit diesen Anzeigen appellieren wir an die Vernunft und werben dafür, Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. Aber auch die Polizei wird Biker häufiger überprüfen. Gleichwohl bedarf es weiterer gesetzlicher Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene, um die Lärmbelastung dauerhaft zu senken. Daran arbeiten wir.“

Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg, Thomas Marwein MdL, freute sich, dass das von ihm initiierte Förderprogramm fortgeführt wird: „Zahlreiche Kommunen sind im letzten Jahr unserem Aufruf gefolgt und haben Lärmdisplays an Lärmhotspots aufgestellt. Dieses Jahr werden weitere Displays folgen. Die Corona-Pandemie hat das Problem des Motorradlärms zwischenzeitlich zwar verändert, aber nicht beseitigt.“

Der Lärmschutzbeauftragte verwies auf die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus den Kommunen: „Viele Städte und Gemeinden haben mir über ihre guten Erfahrungen berichtet. Die direkte Ansprache der Motorradfahrer scheint zu wirken. Sie reduzieren ihre Geschwindigkeit und somit den Lärm, nachdem das Display entsprechende Hinweise gegeben hat. Das Problem wird ihnen bewusst und sie verändern ihr Fahrverhalten. Das ist gut.“

In Kernen gibt es schon so ein Motorradlärm-Display

Landesweit sind derzeit laut der Pressemitteilung insgesamt 31 Motorradlärm-Displays im Einsatz. Das Verkehrsministerium hat im vergangenen Jahr bereits 19 Kommunen und Landkreise bei der Beschaffung von insgesamt 21 Lärmdisplays mit einem Fördervolumen von über 80 000 Euro unterstützt.

Diese sind: Baden-Baden, Baiersbronn, Bietigheim-Bissingen, Donzdorf, Eislingen/Fils, Gaildorf, Gammelshausen, Heidelberg, Hüfingen, Kernen, Loffenau, Mainhardt, Rottweil, Sasbachwalden, Sulzbach-Laufen, Untergruppenbach, Wüstenrot sowie der Hohenlohekreis und der Landkreis Lörrach.

Darüber hinaus versucht der Rems-Murr-Kreis mit verschiedenen Aktionen, Motorradfahrer zu sensibilisieren.

Das Kreis-Ordnungsamt führt regelmäßig gemeinsame Kontrollen mit der Polizei durch, so gab es an Ostern eine gemeinsame Messung mit der Polizei in Sulzbach-Berwinkel. Im Juni soll es voraussichtlich mit der Polizei Schorndorf Kontrollen geben, ebenso im September. Weitere Kontrollen sind in Planung.

Außerdem wurden an vielen Brennpunkten Lärmschilder aufgestellt. Kreis-Pressesprecherin Leonie Ries erklärt: „Mit den Schildern wollen wir Motorrad- und auch Autofahrer für unnötigen Verkehrslärm sensibilisieren. Dieses Jahr haben wir weitere Schilder in Berglen, in Rudersberg und in Schorndorf aufgestellt.

Aktion „Gelbe Karte“ soll aufmerksam machen

Die Gemeinden, die Polizei und ein Mess-Team des Landratsamts melden Lärm- und Abgasbelästigungen von Fahrzeugen, wie etwa das Hochjagen des Motors im Leerlauf und beim Fahren in niedrigen Gängen. Das Landratsamt wendet sich dann an den Fahrer, um auf das Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

Der Fahrer erhält dann eine Verwarnung - quasi eine Gelbe Karte. Kommt es zu weiteren Auffälligkeiten, kann es zu Bußgeldern und im schlimmsten Fall zu Fahrverboten kommen.