Rems-Murr-Kreis

Mord an junger Mutter: Familie des Opfers sagt aus

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Symbolbild. © ZVW/Joachim Mogck

Stuttgart/Backnang. Gut ein Jahr nach dem Fund der Leiche einer jungen Mutter in Asperg hat der Mordprozess gegen ihren ehemaligen Partner begonnen. Familienangehörige der getöteten Katharina K. aus Backnang-Strümpfelbach beschreiben den mutmaßlichen Täter als aggressiv und „Psycho“ Der 25-Jährige soll seine Freundin im November 2017 erschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet den Gipfel eines erbitterten Streits um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn. 

Für die Familie von Katharina K. ist nichts mehr, wie es war. Früher habe es beinahe jedes Wochenende ein gemeinsames Essen im elterlichen Haus gegeben, erzählt die älteste Schwester beim Prozessauftakt am Montag am Landgericht Stuttgart. Auch als Katharina vermisst wurde, habe die gemeinsame Suche nach ihr alle eng zusammengeschweißt. Als der Tod der 22-Jährigen traurige Gewissheit wurde, sei das alles auseinandergebrochen. „Wir haben uns auseinandergelebt“, berichtet die Älteste der sieben Kinder der Familie K. im Landgericht Stuttgart. Jeder habe eine andere Art der Trauerbewältigung, erklärt auch der sichtlich mitgenommene Vater der Toten. Sein jüngster Sohn wolle überhaupt nicht darüber reden. Die jüngste Tochter weine oft heimlich. Ein anderer Sohn sitze manchmal die halbe Nacht am Grab.

Am schlimmsten habe es aber den ältesten Sohn Katharina K.s getroffen. „Für ihn war es die absolute Katastrophe“, erzählt die Schwester. Er weine oft aus dem Nichts heraus. Auf die Frage, warum er denn weine, antworte er dann: „Ich will zu meiner Mama.“ Die Familie habe den Grundschüler an seinem Geburtstag mit einer Feier überraschen wollen, doch der habe sich dann im Badezimmer eingeschlossen und den Wunsch geäußert, seine Geschenke am Grab seiner Mutter zu öffnen. Inzwischen sei das Kind in psychiatrische Behandlung, sagte die Schwester Katharina K.s. Beide Kinder hatten sich in der Wohnung in Backnang befunden, als Katharina K. am Abend des 9. November 2017 dort mutmaßlich von ihrem Ex-Freund ermordet wurde.

Mit Geschenken um den Finger gewickelt

Dass der angeklagte Daniel E. schon häufig Aggressivität gezeigt hat, erzählten sowohl der Vater als auch die Schwester der Getöteten. Dabei hatten beide, als sich Katharina K. und Daniel E. 2014 kennenlernten, einen guten Eindruck des heute 25-Jährigen. „Anfangs dachten wir, sie hätte den Jackpot getroffen“, erklärt die Schwester. Der junge Mann sei ruhig, aber freundlich aufgetreten und habe Katharina K. rundum verwöhnt. Zahlreiche Urlaube, ständig neue Kleidung, ein teures Auto – die Backnangerin genoss die vielen Geschenke ihres Freunds. Damit habe er sie immer wieder um den Finger wickeln können, auch wenn es mit der Zeit häufig Streit gegeben habe, erzählt die Schwester.

Schnell zeigte Daniel E. aber auch eine andere Seite. Nach einigen Monaten habe die Schwester bereits deutliche Veränderungen im Verhalten festgestellt, nicht nur bei ihm, auch bei Katharina K. War sie zuvor noch „sehr fröhlich“ und strahlte Lebensfreude aus, so habe sie sich in der Beziehung mit Daniel E. immer mehr zurückgezogen. Stellte man ihr Fragen, so antwortete E. oft an ihrer Stelle. „Sie war einfach nicht mehr sie selbst“, beobachtete die Schwester besorgt. Auch was die Erziehung der beiden Kinder angeht, sei die junge Frau von ihrem Freund stark beeinflusst worden. „Sie hat sich nicht gegen ihn durchsetzen können“, erklärt die Schwester. So sei es gekommen, dass das Paar abends ausgegangen sei, das Babyfon mit dem Handy verbunden und die beiden Kinder allein in der Wohnung gelassen habe.

Zudem hätten diverse Familienmitglieder vermehrt Fragen nach Daniel E.s Beruf und Einkommen gestellt – ein Thema, das bei dem Paar gar nicht gut ankam. Sei man darauf zu sprechen gekommen, habe E. aufbrausend reagiert und sei dann verschwunden. Auch Katharina K. blockte bei dem Thema ab. So sei es auch gekommen, dass die beiden Schwestern, die eine sehr enge Beziehung zueinander hatten und sich gegenseitig „Lieblingsschwester“ nannten, manchmal über Wochen und Monate nicht mehr miteinander sprachen. „Er hasst mich und ich hasse ihn“, fasst die Ältere die Beziehung zum Angeklagten zusammen. Er sei ein „Psycho“, dem es stets darum gehe, seine Machtposition anderen gegenüber zu stärken. Wenn es nicht nach seinen Vorstellungen geht, „hat er sich nicht mehr im Griff“.

Er bedrohte die junge Frau

Daniel E. habe Katharina K. misshandelt und gedroht, sie umzubringen, wenn sie ihn verlässt. Auch Katharina K.s Vater gab an, er habe schon früh Zweifel am Charakter des Angeklagten gehegt. Zum einen sei er oft wegen Kleinigkeiten an die Decke gegangen. Mit der Zeit seien aber auch die vielen Betrügereien ans Licht gekommen, mit denen Daniel E. sich Geld beschaffte. So vertauschte er etwa im Möbelhaus Etiketten, um Ware billig zu bekommen, betrieb Schwindel mit Internetbestellungen und erschlich sich einen fünfstelligen Betrag an Kindergeld. Wie aus einem Urteil gegen den 25-Jährigen aus 2017 hervorgeht, hat er inzwischen etwa eine Viertelmillion Euro Schulden. Der Angeklagte sitzt derzeit auch eine Haftstrafe wegen Betrugs ab, eine Verlängerung der Untersuchungshaft wegen des Mordverdachts war deshalb nicht notwendig.

Welches Ausmaß die Betrügereien angenommen hatten und dass die eigene Tochter darin verstrickt war, habe er erst spät erkannt, gab der Vater Katharina K.s vor Gericht zu. Er habe seiner Tochter deswegen oft ins Gewissen geredet. Als eine Gerichtsverhandlung deshalb anstand, sei dies für die Tochter ein Schuss vor den Bug gewesen. Sie bekam Bewährung. Die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, habe sie auch zur Trennung von Daniel E. bewogen. „Sie hat gemerkt, dass er doch nicht der Traumprinz war.“ Dass er zum Mörder werden könnte, damit habe aber niemand gerechnet.