Rems-Murr-Kreis

Motorradfahrer fühlt sich von Polizei gefährdet

e82d931e-95f2-4a43-a488-9f5d5202d4d7.jpg_0
Ihre Saison hat begonnen. © Fotolia / Marc Xavier

Waiblingen. Ein und dieselbe Geschichte klingt zuweilen komplett anders – je nachdem, wer sie erzählt. Fakt ist: Ein 52-jähriger Motorradfahrer muss für zwei Monate seinen Führerschein abgeben und fast 1000 Euro Strafe zahlen. Er zog im Überholverbot viel zu schnell an einem Auto vorbei, von dessen Fahrer er sich genötigt fühlte. Was der Motorradfahrer nicht wusste: In dem Wagen saßen Polizisten.

„So was ist mir noch nie passiert“, erzählt der 52-jährige Motorradfahrer. Seit 34 Jahren besitzt er den Führerschein, und er empfindet sich selbst gewiss nicht als Draufgänger im Straßenverkehr. Doch seinerzeit, es war Sonntag, der 31. März, fühlte er sich vom Fahrer eines schwarzen Mercedes Kombi regelrecht provoziert, ja, sogar gefährdet.

Der 52-Jährige war am Nachmittag alleine auf der Landstraße von Bartenbach kommend Richtung Murrhardt unterwegs gewesen. Zwischen Bartenbach und dem Kreisverkehr Horbach traf er auf den Mercedes Kombi, dessen Fahrer deutlich langsamer als die erlaubte Geschwindigkeit fuhr, berichtet der Motorradfahrer. Der Mercedes-Fahrer habe zunächst beschleunigt – „und gleich darauf reduzierte er die Geschwindigkeit ohne ersichtlichen Grund, obwohl die Straße frei war.“

Fast wäre es zu einem Auffahrunfall gekommen

Das aus Sicht des Motorradfahrers auffällige Verhalten des Mercedes-Fahrers setzte sich noch eine Weile fort; nach dem Kreisverkehr habe er das Motorrad stark abbremsen müssen, weil der Mercedes wieder plötzlich so langsam fuhr, dass es fast zu einem Auffahrunfall gekommen wäre. Nachdem der Mercedes erneut beschleunigt hatte, „entschied ich mich, mich der Gefahrenquelle zu entziehen“, schildert der Motorradfahrer die Situation, wie er sie empfunden hatte. Er überholte und zog davon.

In Murrhardt stoppten die Beamten im Mercedes den 52-Jährigen. Der Vorwurf: Überholen im Überholverbot, und das mit viel zu hoher Geschwindigkeit. Im Polizeibericht hieß es später, der Biker habe sich einer Kontrolle entziehen wollen und deshalb bis auf Tempo 170 beschleunigt – in der 80er-Zone.

Der Bußgeldbescheid liegt inzwischen vor: zwei Monate Fahrverbot, zwei Punkte, knapp 1000 Euro Strafe. „Kein Verständnis“ hat der Mann fürs Strafpaket – weil die Polizisten ihn provoziert und gefährdet hätten. Bei der Kontrolle habe man ihm vorgehalten, „dass man sich nicht provozieren lassen darf“, berichtet der 52-Jährige weiter. Stimmt grundsätzlich, räumt er ein – „aber Provokationen gehören generell nicht in den Straßenverkehr. Insbesondere die Polizei hat hier eine Vorbildfunktion, nach der sich die Verkehrsteilnehmer richten müssen.“

Sprecher: Polizisten haben sich „rechtskonform verhalten“

Nun hat sich der Beschuldigte per E-Mail ans Polizeipräsidium Aalen gewandt. Darin schildert er ausführlich seine Sicht der Dinge und bittet darum, seine Stellungnahme an die Vorgesetzten der beiden betreffenden Beamten weiterzuleiten.

Polizeipressesprecher Ronald Krötz hat auf Nachfrage dieser Zeitung vorab Stellung zu dem Fall bezogen: Die Polizisten hätten sich „rechtskonform verhalten. Da ist alles in Ordnung“, betont Krötz. Der Mann sei mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gefahren – „der Fehler liegt bei ihm.“


Routine: Kontrolle von Motorradfahrern

An besagtem Wochenende 30./31. März hatte die Polizei anlässlich des Saisonstarts der Biker an beliebten Motorradstrecken eine Vielzahl von Zweiradfahrern kontrolliert. Solche Kontrollen finden immer wieder mal statt.

An jenem Samstag winkte die Polizei auf der B 14 zwischen Sulzbach an der Murr und Großerlach und dann sonntags darauf auf der Landesstraße bei Sulzbach Motorradfahrer heraus.

Mehr als 100 Fahrzeuge wurden überprüft, teilte die Polizei seinerzeit mit. 20 Zweiradfahrer – darunter der im Artikel genannte 52-Jährige – und fünf Autofahrer mussten sich wegen Verstößen verantworten.

Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Motorradfahrer beteiligt waren, ist im vergangenen Jahr im Gebiet des Polizeipräsidiums Aalen um fünf Prozent auf 440 gestiegen. Das Polizeipräsidium Aalen ist für den Rems-Murr- und den Ostalbkreis sowie für Schwäbisch Hall zuständig.

Laut der Jahresstatistik der Polizei wurden 245 dieser Unfälle von den Motorradfahrern selbst verursacht, was einem Rückgang von 2,4 Prozent entspricht.

Vier Motorradunfälle endeten 2018 im Rems-Murr-Kreis tödlich.