Rems-Murr-Kreis

Nach Brandserie: Feuerwehrmann in Haft

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Im Kirchberger Ortsteil Frühmesshof ist in der Nacht auf Samstag ein Gebäude vollständig niedergebrannt. © SDMG / Kohls

Kirchberg an der Murr. Die Polizei hat am Dienstagabend einen Großbrand einer ausgebauten Scheune und der angrenzenden Garagen verantwortlich zu sein. Gestern wurde er einem Haftrichter vorgeführt. Der junge Mann befindet sich mittlerweile in einer Justizvollzugsanstalt in U-Haft.

Bereits während der Löscharbeiten am frühen Samstagmorgen im Frühmeßhof nahm die Polizei den jungen Feuerwehrmann vorläufig fest. Nach seiner Vernehmung bei der Kriminalinspektion 1 in Waiblingen wurde er dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Kirchberger Kommandant Rainer Drexler bestätigt auf Anfrage, dass der 20-Jährige, der mittlerweile in Untersuchungshaft ist, an den Löscharbeiten beteiligt war.

Vom Feuerwehrdienst suspendiert

In Kirchberg habe es jahrelang praktisch nicht gebrannt, in letzter Zeit hätten sich aber kleinere Brände gehäuft, erklärt Drexler. Zum Beispiel standen des Öfteren Papiercontainer in Flammen. Mit der Polizei sei man im Dialog gewesen. Hat man also schon länger vermutet, dass ein Mann aus den eigenen Reihen dafür verantwortlich sein könnte? Eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht.

Aber Andeutungen, Umschreibungen. Bürgermeister Frank Hornek spricht von Auffälligkeiten, „die bei uns in der Feuerwehr festgestellt wurden“. Was diese der Polizei denn auch so kommuniziert habe. Aber: „Das war sehr vage.“ Hornek weiter: „Überrascht sind wir dennoch, weil sich zumindest der Verdacht deutlich zu erhärten scheint.“

Nachdem der 20-Jährige am Samstag vorläufig festgenommen worden war, wurden Konsequenzen gezogen: Der junge Mann wurde vom Feuerwehrdienst suspendiert. „Am Sonntag hat er dann über Handy erklärt, dass er aus der Feuerwehr austritt“, so Hornek. „Man ist betroffen – als Feuerwehr und als Bürgermeister – wenn in der eigenen Feuerwehr so ein Verdacht besteht. Das macht auch die ganzen Feuerwehrangehörigen betrübt. Wir müssen jetzt warten, was die Ermittlungen ergeben.“

Warum wurde der 20-Jährige festgenommen und gleich wieder freigelassen?

Kreisbrandmeister René Wauro, der bei dem Großbrand am Samstag im Frühmeßhof vor Ort war, bestätigt ebenfalls, dass der Tatverdächtige in den Einsatz integriert war. Er selbst hat es noch nie erlebt, dass in seinem Tätigkeitsbereich ein Feuerwehrmann als Feuerteufel unterwegs war. Andererseits gibt zu bedenken: „In der Feuerwehr ist die Gesellschaft so abgebildet, wie sonst auch.“

David Ebert, ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, sagt aus ermittlungstaktischen Gründen nichts darüber, ob der Verdächtigte ein Geständnis abgelegt hat oder nicht. Man kann sich auch fragen: Warum wurde der 20-Jährige am Samstag festgenommen und dann gleich wieder freigelassen?

„Zwischen Samstag und Dienstagabend mussten einfach noch gewisse Ermittlungen geführt werden, die den Verdacht erhärtet haben“, so David Ebert. Um welche Brände es sich genau handelt, die in diesem Zusammenhang alle neu beleuchtet werden, auch darüber ist derzeit nichts zu erfahren. Die Rede ist nur von Bränden im Zeitraum zwischen April 2017 und September 2018, die Gegenstand der laufenden Ermittlungen seien.


Secondhand-Firma verlor Geschäftsräume

Das Gebäude an der Backnanger Straße in Kirchberg-Frühmeßhof brannte in der Nacht zum Samstag vollständig nieder. Auch ein Nachbargebäude wurde bei dem Feuer in Mitleidenschaft gezogen. Eine in der großen Scheune beheimatete Secondhand- und Umzugsfirma verlor ihre Geschäftsräume komplett. Die Bewohner der Nachbargebäude mussten während des Brandes vorsorglich ihre Wohnungen verlassen. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden an den Gebäuden beläuft sich nach Schätzungen der Polizei auf rund 200 000 Euro. Der Schaden an den Kraftfahrzeugen, darunter auch etliche Oldtimer und durch die Hitze beschädigte, auf dem Areal abgestellte Wohnwagen, kann noch nicht beziffert werden.

Am vergangenen Donnerstag löschten die Feuerwehrleute in Kirchberg eine in Flammen stehende Sitzbank, am Freitag rückten sie aus, weil rund 120 Strohballen in Flammen standen. Auch diese Brände erscheinen nun in ganz neuem Licht.