Rems-Murr-Kreis

Neues Hospiz wird größer und eine Million Euro teurer

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Der Rohbau des neuen Hospizes ist sehr zur Freude von Hospizchef Heinz Franke bereits weit fortgeschritten. Die Aufstockung ist dennoch aus technischer Sicht kein Problem. © Alexander Becher

Backnang. Das neue stationäre Hospiz, das derzeit im ehemaligen Krankenhausareal von Backnang gebaut wird, wächst nochmals um ein Stockwerk. Der Bedarf dafür ist da, bestätigt Heinz Franke, der Vorsitzende der Hospizstiftung Rems-Murr. Durch die weitere Etage steigt der Finanzierungsbedarf um nochmals eine Million auf nun 4,5 Millionen Euro.

Der Neubau im ehemaligen Klinikareal ist schon weit fortgeschritten, das Richtfest für Freitag, 9. November, bereits terminiert. Doch nun, kurz vor der Fertigstellung des Rohbaus, kündigt Hospizchef Heinz Franke die Aufstockung des Gebäudes um eine weitere Etage an. Formal ist laut Franke alles kein Problem, „der Bebauungsplan gibt das her“. Zwar liegt die Baugenehmigung noch nicht vor, „aber das Baugesuch läuft und es gibt auch eine Zusage, dass alles geht“. Auch technisch ist die Aufstockung kein Problem. Das Treppenhaus zum Beispiel führt ohnehin schon eine Etage weiter, da ursprünglich geplant war, auf dem Flachdach einen Dachgarten anzulegen. Dieser fällt nun weg, das künftige Dach wird lediglich begrünt.

Vor wenigen Tagen erst hat Franke die Mitglieder der Hospizstiftung über die Erweiterungspläne informiert. In derselben Versammlung segnete das Gremium das Vorhaben einhellig ab. Schließlich gab es schon früher Überlegungen zu einer Erweiterung des Angebots. Konkret geht es um ein Bindeglied zwischen Palliativstation und Hospiz. Damals aber scheiterte das Vorhaben daran, dass kein Träger den Betrieb finanzieren wollte.

Neue Aufgaben, denn Patienten sind länger stabil

Inzwischen aber hat sich die Situation stark verändert. So hat sich die Palliativstation des Rems-Murr-Klinikums Winnenden in den vergangenen Jahren etabliert. Die Abteilung genießt einen ausgezeichneten Ruf. Ebenso werden die SAPV-Dienste stark nachgefragt. Die Abkürzung steht für spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Ein Teil dieser Versorgung wird ebenfalls vom Hospiz aus koordiniert.

Durch die Fortschritte der Medizin und Leistungen der Palliativstation und die Angebote der SAPV sind die Patienten länger stabil. Dies bedeutet, dass sie noch nicht im Hospiz aufgenommen werden können. Denn die Richtlinien der Kostenträger schreiben klar vor: „Gäste des Hospizes sind unheilbar krank und haben eine begrenzte Lebenserwartung.“

Die Erweiterung des Versorgungsangebots richtet sich nun an alle Menschen, die etwas verloren zwischen den bereits etablierten Angeboten stehen. Sie können nicht mehr länger auf der Palliativstation bleiben, sind aber noch kein Fall fürs Hospiz. Wenn es sich dann noch um alleinstehende Menschen handelt, um die sich zu Hause niemand kümmert, wird die Versorgung schwierig. Einzige Lösung ist oft das Pflegeheim.

Finanzierung läuft auf Hochtouren

Diese Lücke will die Hospizstiftung schließen. Franke: „Alle Experten bestätigen uns den großen Bedarf an differenzierten Angeboten in Betreuung, Versorgung und Pflege. Diese Bedarfe führen dazu, dass es auch sehr unterschiedliche Angebote gibt. Wir fokussieren uns auf schwerstpflegebedürftige Menschen, die eine offensichtlich nicht heilbare Krankheit mit einer begrenzten Lebenserwartung haben.“

Die Finanzierung des neuen Hospizes läuft derweil auf Hochtouren. Franke hat bereits 2,5 Millionen Euro als Grundstock beisammen, der Rest muss in nächster Zeit noch auf Spendenbasis zusammenkommen oder auf dem freien Kreditmarkt aufgenommen werden. Die Kreisgemeinden haben zuletzt sehr unterschiedlich auf die Anfrage reagiert, das Hospiz mit einem Euro pro Einwohner zu unterstützen. Noch haben nicht alle Kommunen geantwortet, erklärt Franke, etliche haben schon einen Betrag überwiesen, andere haben ihn in Aussicht gestellt oder haben noch wegen weiterer Informationen nachgehakt. Franke ist sehr zufrieden mit der Aktion, weil er so auch vermitteln konnte, „dass unsere palliativ-hospizlichen Angebote dem gesamten Kreis zur Verfügung stehen“.

Richtfest im November, Einweihung im April

Das neue Angebot für Menschen im Stadium zwischen Palliativstation und Hospiz wird im vierten Geschoss untergebracht.

Die Anzahl der Hospizplätze im zweiten und dritten Geschoss bleibt im Neubau unverändert bei zwölf. Das derzeitige Hospiz im benachbarten Krankenhausweg verfügt über acht Plätze. Der Neubau ist unter anderem deshalb notwendig, weil die Warteliste für einen Platz im stationären Hospiz immer länger wird. Vergangenes Jahr wurden im stationären Hospiz 89 Menschen betreut und versorgt.

Ferner gibt es im Erdgeschoss Räume für den Kinderhospizdienst Pusteblume und für die Koordinierung und Einsatzleitung der sechs ambulanten Hospizgruppen im Kreis. Deren Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich und in erster Linie bei den Menschen daheim, aber auch in Heimen und in den Rems-Murr-Kliniken.

Geschaffen werden zudem Räume für die Trauergruppenarbeit und Beratungen zur Patientenverfügung und zu vorsorgenden Papieren sowie weitere Gruppenräume für Fortbildungen und Qualifizierung.

Das Richtfest soll am Freitag, 9. November, als Mitarbeiterfest begangen werden. Bei der Hospizstiftung arbeiten derzeit 35 hauptamtliche und etwa 150 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die eigentliche Einweihung wird dann jedoch groß gefeiert, als Termin steht der 12. oder 13. April nächsten Jahres im Raum.