Rems-Murr-Kreis

Neues Konzept für Radwege im Rems-Murr-Kreis

7S7A9721_0
Von diesem eng gestrickten Radwegenetz im Rems-Murr-Kreis können Radfahrer heute nur träumen. Doch beim Träumen soll es nicht bleiben. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Auf dem Übersichtsplan ist der Rems-Murr-Kreis schon mit einem eng gestrickten Netz an Radwegen überzogen. Rote Linien für das Radnetz BW, gelbe für die touristischen Routen und viele blaue für das Landkreisnetz. Wie die Lage für Radler wirklich ausschaut, hat der ADFC-Radklimatest dieser Tage gezeigt. Bis auf Winnenden sind alle Städte im Rems-Murr-Kreis durchgefallen.

Die Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, sich an dem Radwegekonzept des Rems-Murr-Kreises zu beteiligen. Bis September können sie Vorschläge, Ideen und Anregungen auf dem interaktiven Online-Portal einreichen oder ihre Erfahrungen über Gefahrenstellen und Tücken weitergeben.

Radfahren zwischen Rems und Murr ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. Vor allem Pendler, die täglich von und zur Arbeit mit dem Fahrrad unterwegs sind, ärgern sich über die mangelhafte Infrastruktur. Seit Oktober 2018 kümmert sich Radwegekoordinatorin Karen Fischer im Landratsamt um die Radwege und hat den Kreisräten kürzlich vorgestellt, welche Ziele das Radwegekonzept verfolgt:

  • Aufbau eines attraktiven und zusammenhängenden Radwegenetzes für den Alltags- und Freizeitverkehr;
  • Vernetzung der Städte und Gemeinden untereinander sowie Anbindung an Busse und Bahnen und in die Nachbarlandkreise;
  • ein hoher Qualitätsstandard des Netzes auf allen Radwegen;
  • durchgängige, einheitliche und leicht verständliche Beschilderung der Radwege.

Das Rems-Murr-Konzept baut auf den vorhandenen Radewegen in den Städten und Gemeinden auf. Das ist Fluch und Segen zugleich. Denn die Kommunen hatten und haben sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie viele Wege sie den Radfahrern gönnen und, vor allem, in welcher Qualität. Aber auch das Radnetz des Landes und der Region sowie die touristischen Routen wie der Stromberg-Murrtal- oder der „Idyllische Straße“-Radweg und der Remstalradweg werden ins Konzept integriert.

Geplant ist, den Zustand der bestehenden Radwege zu erfassen und zu bewerten. So war das Landratsamt bereits mit den Kreisstraßen verfahren und ermittelte, wo der Sanierungsbedarf am größten ist. Es stellte sich heraus: Die Hälfte der rund 380 Kilometer Kreisstraßen ist marode. Der Kreisstraßenmaßnahmeplan listet die Reihenfolge der Sanierungen und Ausbauten nach ihrer Dringlichkeit auf. Eine solche Projektliste ist auch für die Radwege geplant.

Jährlich eine halbe Million Euro für Radwege

Der Landkreis Rems-Murr hat das Straßenbau-Budget verdoppelt und gibt bis 2021 jährlich sechs Millionen Euro aus. Pro Jahr fällt dabei eine halbe Million Euro für Radwege ab. Das Landratsamt sieht sich auf einer Linie mit dem Land Baden-Württemberg, das den Radverkehr als alternatives und klimaneutrales Verkehrsmittel ausbauen möchte. Überfüllte Busse und Bahnen, Staus auf den Straßen: Die Region Stuttgart stöhnt unter dem Verkehr. Die Belastungen werden sogar noch zunehmen. Das Rad bietet sich als umweltfreundliche Alternative an und soll die Straßen entlasten.

Umgesetzt wird das Radwegekonzept in zwei Phasen. Zunächst wird ein Startnetz geschaffen, das die Lücken zwischen den wichtigsten Verbindungen schließen soll. „Der angestrebte endgültige Qualitätsstandard muss vorerst eine untergeordnete Rolle spielen, um zeitnah und mit dem zur Verfügung stehenden Mitteln attraktive Verbindungen und Lückenschlüsse zu schaffen“, hieß es in der Vorlage für die Kreisräte im Verkehrsausschuss. Im zweiten Schritt wird ein Zielnetz geplant, das auch höheren Ansprüchen genügt.

Die Radwegekoordinatorin Karen Fischer kümmert sich darüber hinaus auch noch um die beiden Radschnellwege, nämlich Ludwigsburg-Waiblingen sowie Schorndorf-Fellbach, und erstellt Machbarkeitsstudien. Unter Radschnellwegen werden relativ breite und kreuzungsfreie Radwege verstanden, die den Alltagsradler im Visier haben und ihm schnelle Verbindungen von A nach B ermöglichen. Ob diese teuren Radschnellwege realisiert werden, ist allerdings nicht Sache des Kreises, sondern des Landes. Das Land baut aktuell die Verbindungen Heidelberg-Mannheim, Heilbronn-Neckarsulm-Bad Wimpfen und Stuttgart-Esslingen-Plochingen sowie fördert als kommunales Pilotprojekt die Strecke Böblingen/Sindelfingen – Stuttgart mit circa 1,7 Millionen Euro.


Mitmachen!

Die Radwegekoordinatorin Karen Fischer will das Radewegekonzept nicht allein entwickeln. Sie ruft zum Mitmachen auf. „Ihre Hinweise und Anregungen sollen in die Erstellung des Netzes mit einfließen“, heißt es im Online-Portal, das die Möglichkeit bietet, Meldungen zum Entwurf des Radwegenetzes mitzuteilen und sich damit aktiv an der Radverkehrsförderung des Landkreises zu beteiligen. Die interaktive Karte bietet die Möglichkeit für zusätzliche Verbindungswünsche (Linie zeichnen), Ausbauwünsche (Linie zeichnen) sowie für die Meldung von Gefahrenstellen (Punkt setzen).