Rems-Murr-Kreis

Norwegen fordert Rentier-Obergrenze

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Seit Jahrhunderten überqueren die Rentiere die norwegisch-schwedische Grenze. © Alexander Roth
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Hat es sich bald ausgefläzt? Noch dürfen die Rentiere an der norwegischen Küste grasen.

In Norwegen stehen aktuell ganz besondere Einwanderer im Brennpunkt: Sie haben vier Beine, flauschiges Fell, und obwohl sie zu den sogenannten Stirnwaffenträgern gehören, gelten sie als weitestgehend ungefährlich. Die Rede ist von Rentieren, die im Frühjahr hordenweise die norwegische Grenze überqueren. Im Frühjahr treiben die Hirten ihre Tiere von Schweden aus an die Küsten des Nachbarlands, weil es dort besseres Futter gibt. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Vor der Gründung der beiden skandinavischen Staaten lebte in dem als Lappland bekannten Gebiet bereits das Volk der Sami, das seinen Lebensunterhalt auch heute noch mit traditioneller Rentierzucht bestreitet. Norwegen und Schweden verabschiedeten deshalb 1751 den Lappland-Kodex, der es den Ureinwohnern und ihren Tieren ermöglichen sollte, sich weiterhin unabhängig von den neu gezogenen Grenzen zu bewegen. Dieses Abkommen wird seitdem alle 30 Jahre neu verhandelt.

Das Parlament in Stockholm hat nun scheinbar angekündigt, den zuletzt 2009 neu unterzeichneten Vertrag nicht zu ratifizieren. Die Reaktion aus Norwegen ließ nicht lange auf sich warten: Landwirtschaftsminister Jon Georg Dale von der rechtsnationalistischen Fortschrittspartei FRP droht nach Medienberichten mit einer Obergrenze für schwedische Rentiere, sollten seine schwedischen Kollegen nicht von ihrer Position abrücken.

Dass der skurrile Streit tatsächlich in Grenzkontrollen für Paarhufer mündet, ist eher unwahrscheinlich. Sollte Norwegens Forderung allerdings stattgegegeben werden, müssen die Rentiere wohl künftig ein Visum beantragen, um an das gute Futter zu kommen.