Rems-Murr-Kreis

Partnergewalt im Rems-Murr-Kreis auf Fünfjahreshoch

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Alkohol spielt bei Gewalt in einer Beziehung oftmals eine Rolle. © Foto: Photographee.eu/ stock.ado

Waiblingen. Ein 30-jähriger Mann aus Weinstadt Der Beschuldigte sitzt laut Polizei nach wie vor in U-Haft. Er habe sich zwar zur Sache geäußert, doch ein volles Geständnis liegt offenbar nicht vor.

Ermittelt wird gegen den 30-Jährigen wegen Totschlags. Bis es zu einer Gerichtsverhandlung kommt, werden noch viele Monate vergehen. Der Fall liegt noch bei der Kripo in Waiblingen, berichtet Polizeisprecher Ronald Krötz. Erst wenn die Ermittlungen dort abgeschlossen sind, wird die Akte an die Staatsanwaltschaft Stuttgart übermittelt.

Massive Gewalt gegen Kopf und Hals hatte der mutmaßliche Täter gegen seine zehn Jahre ältere frühere Lebensgefährtin ausgeübt, das hatte seinerzeit die Obduktion ergeben. Am 10. Juli, einem Mittwoch, hatten Polizisten im Zuge einer großangelegten Suchaktion die Leiche der Frau an der Rems bei Endersbach gefunden. Zu jenem Zeitpunkt war die Frau schon einige Tage tot gewesen. Die 40-jährige Remshaldenerin hatte eine Beziehung mit dem Verdächtigen gehabt, die zwar beendet war. Dennoch hatten sich die beiden offenbar getroffen; es kam zum Streit.

Höchster Stand im Fünf-Jahres-Vergleich

Gewalt innerhalb von Beziehungen oder nach deren Ende kommt häufiger vor, als – vermutlich – die Mehrheit wahrnimmt. Im Rems-Murr-Kreis registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 505 Fälle von Partnergewalt – also rein statistisch fast 1,4 Fälle an jedem einzelnen Tag im Jahr. Vom höchsten Stand im Deliktfeld Partnergewalt im Fünf-Jahres-Vergleich berichtete die Polizei fürs Jahr 2018, bezogen aufs gesamte Präsidium Aalen.



Die Küche und das Sofa zählen zu den gefährlichsten Orten. Hinter verschlossenen Gardinen wird geschlagen und getreten, und meist nimmt niemand Notiz davon. „In allen gesellschaftlichen Schichten“ kommt es zu Gewalt zwischen Partnern, Ex-Partnern oder anderen Familienmitgliedern. Alkohol und Drogen spielen eine Rolle, aber auch „Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung“, heißt es in einer Analyse der Polizei. Sie spricht ferner von „Boshaftigkeit bis Hass“ als Grund für Gewaltausbrüche unter Menschen, die sich ehemals – vielleicht – geliebt haben.

Es geht um Macht und den Verlust von Macht

In der Analyse „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ des Bundesfamilienministeriums (auch Männer werden Opfer, aber weniger häufig) heißt es, häusliche Gewalt gegen Frauen habe „nichts mit Herkunft, Bildung oder Einkommen der Betroffenen zu tun. Die Forschung belegt, dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner erlebt“.

Gewalt unter (Ex-)Partnern dürfte in vielen Fällen mit veränderten Frauen- und Männer-Rollenbildern zu tun haben, zumindest legen das verschiedene Untersuchungen nahe. Es geht um Macht, und Verlust von Macht könnte zu Aggression führen. Wer keine Anerkennung erhält, im Leben draußen nicht und nicht in der Familie, der platzt vor Wut: Das ist nur der Versuch eines Erklärungsansatzes.

Eifersucht und Besitzdenken oder die Idee, den anderen bestrafen zu müssen – Gefühle dieser Art spielen eine Rolle. Könne er die Frau nicht haben, werde auch kein anderer sie bekommen: Mit diesem Gedanken im Kopf war nach Überzeugung des Landgerichts ein 40-jähriger Mann im März dieses Jahres in ein Casino in Fellbach gestürmt. Er versetzte der 24-jährigen Angestellten, die knapp zwei Monate zuvor die Beziehung zu ihm beendet hatte, mehrere Messerstiche. Zu acht Jahren Haft wurde der Mann in erster Instanz verurteilt.

Bald jährt sich der Mord an einer damals 22-jährigen zweifachen Mutter aus Backnang-Strümpfelbach zum zweiten Mal. Ihr früherer Lebensgefährte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, und das Gericht stellte eine besondere Schwere der Schuld fest.

Deutschlandweite Zahlen: In der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts sind fürs Jahr 2018 deutschlandweit 167 Todesopfer von Partnergewalt aufgeführt, darunter 31 Männer. Im Jahr 2017 waren es 179 Todesopfer, darunter 32 Männer.