Rems-Murr-Kreis

Perfekter Wein-Jahrgang wartet auf die Lese im Rems-Murr-Kreis

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Der Schwaikheimer Ottmar Escher bei der Arbeit in seinem Wengert. Nach dem Motto „Weniger Ertrag, höhere Qualität“ wird ein Teil der Trauben abgeschnitten. © ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt. Die Weinbauern erwarten einen guten Jahrgang. Begann die Lese im heißen, trockenen Sommer 2018 schon oft Ende August, so startet in diesem Jahr die Lese wieder Mitte September. Hauptproblem beim 2019er-Jahrgang war zu viel Sonne. Sie führte vor allem beim Trollinger zu Sonnenbrand, der zu Verlusten führen kann. Generell sind die Probleme aber gut kompensierbar, sind sich die Wengerter einig.

Nicht nur der Mensch kann unter den extremen Wetterbedingungen leiden, sondern auch der heimische Wein. Zu viel Sonne führt bei Trauben zum Sonnenbrand und macht sie unbrauchbar. Die geschädigten Trauben könnten sich auch zu einem Einfallstor für die Kirschessigfliege entwickeln.

Die Wengerter sind sich fast einig, dass sie mit einer guten Ernte rechnen können und kaum Probleme haben. Friedrich Kern, Chef der Kellerei Kern in Rommelshausen, fasst den aktuellen Stand so zusammen: „Perfekt. Die Ernteaussichten sind einfach perfekt.“ Dank des Regens gebe es bei dem Weinbetrieb in Kernen kaum Schwierigkeiten. Sie freuten sich auf einen guten Erntebeginn zu normalen Zeiten Mitte September. Es könne zwar immer noch sein, dass in den kommenden Wochen etwas passiert, das den Ertrag etwas verschlechtert, wie zum Beispiel zu starker Niederschlag, aber davon geht Friedrich Kern nicht aus.

Vor allem der Trollinger zeigt sich anfällig für den Sonnenbrand

Der Weinbauer Johannes Bauerle, der sowohl in Bad Cannstatt als auch in Fellbach seien Reben stehen hat, berichtet dagegen, dass die nächsten drei Wochen entscheidend sind. Wenn es zu viele Niederschläge gibt, könne dies zu Problemen führen. An den Hängen Bad Cannstatts verlor er durch Regen und vor allem Hagel fast 30 Prozent seines Ertrages. In Fellbach dagegen berichtet er eher von Sonnenbrand, vor allem beim sehr anfälligen Trollinger. Doch auch Johannes Bauerle erwartet einen normalen Erntebeginn Mitte September. Sein Fellbacher Betrieb zeigt, dass die Ernte davon abhängt, wo und in welchen Lagen angebaut wird.

Zudem spielt die Traubensorte eine Rolle: Jens Zimmerle aus Korb berichtet von einer Ertragsminderung vor allem beim Trollinger, der in unserer Gegend sehr beliebt ist und oft angebaut wird. 50 Prozent seien bei dieser Sorte aufgrund von Sonnenbrand bei ihm bereits verloren gegangen. Die Trollinger-Trauben seien bekannt dafür, dass sie Feuchtigkeit lieben und somit am wenigsten mit Hitze und Sonne klarkommen. Sie kriegen am schnellsten einen Sonnenbrand, während andere Weinsorten besser mit der starken Sonneneinstrahlung umgehen können. Diese anderen Trauben entwickeln sich dafür bei manchen Weingärtnern besonders gut.

Regen der letzten Tage habe geholfen

Wie die meisten Wengerter berichtet auch Daniel Kuhnle aus Weinstadt-Strümpfelbach, dass er sich zwar mit ein paar Problemen herumschlage. Doch die sind kompensierbar. Vor allem der Regen der letzten Tage habe geholfen. Manche Weingärtner fügen noch hinzu, dass dies eben die Natur sei.

Ottmar Escher aus Schwaikheim erklärt: „Sonnenbrand gab es früher schon, aber deutlich seltener.“ Durch ein spezielles Qualitätsoptimierungsverfahren, bei dem man mehrmals durch die Weinberge geht, um die Pflanzen zurückzuschneiden, habe er aber kaum Probleme wegen vertrockneten Trauben. Sie werden sowohl bei dem Zurückschneiden der Pflanzen einfach entfernt als auch nach dem Ernten auf dem Fließband, bevor die gesunden Trauben zu Saft gepresst werden. Auch Wasser und zu viel Regen stellt für ihn kein Problem dar, da dieses durch Humus gesteuert wird, so dass nicht zu viel an die Pflanze komme. Ottmar Escher erklärt zudem: „Wenn es Richtung Reife geht, macht die Sonne weniger etwas.“ Die Juli-Sonne sei „am schlimmsten“.

Sorgen bereitet ihm eher die Kirschessigfliege, die als Schädling einiges kaputtmachen kann. Er bekräftigt aber, dass ein sehr guter Württemberger Jahrgang erwartet wird. Dass die Ernte dieses Jahr wieder normal anfängt, sieht er ganz locker: So könnten die Wengerter wenigstens wieder vor der Lese in Urlaub fahren.


Die Kirschessigfliege

Die Fachzeitschrift „Wein & Rebe“ befürchtet, dass die Kirschessigfliege in diesem Jahr zu einem Problem werden könnte. Die „Drosophila suzukii“ wurde 2008 erstmals in Europa nachgewiesen und tauchte 2011 in Deutschland auf. 2014 sorgte die Fliege auch in Württemberg für große Schäden im Obst- und Weinbau.

In diesem Jahr komme erschwerend hinzu, dass jetzt in der beginnenden Reife die mittelfristige Wettervorhersage keine trockene Hitzewelle melde. Das bedeutet, dass die Bedingungen für Kirschessigfliegen deutlich günstiger seien als in den Vorjahren. Geschädigte Beerenoberflächen mit Mikrorissen aufgrund des Sonnenbrands gerade beim Trollinger seien ebenfalls fördernd für einen Befall. Dies betrifft insbesondere den Trollinger.

Rechtzeitiger Laubschnitt bei überhängenden Trieben und Mulchen von höherem Bewuchs sind wichtige vorbeugende Maßnahmen. Inwieweit es notwendig werden wird, mit Pflanzenschutzmaßnahmen einzugreifen, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beantworten. Wer noch plant, Maßnahmen zur Ertragsregulierung zu ergreifen, sollte dies möglichst vor Reifebeginn tun, damit keine süßen Trauben auf dem Boden liegen und zusätzlich Fliegen anlocken. Je früher, desto besser.