Rems-Murr-Kreis

Pflegeberufe: Absolut krisensicher

b45ddfdf-b898-4daf-b85b-de058fa43e00.jpg_0
Von Mensch zu Mensch: Arbeit in der Pflege. © Photographee.eu - Fotolia

Waiblingen/Winnenden. Würde ein mit gut ausgebildeten Pflegerinnen und Pflegern besetzter Bus vorfahren und diese gesammelt vor dem Haus raussetzen, er würde sie alle einstellen – das, so wird kolportiert, hat der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken gesagt. Menschen, die in der Pflege arbeiten, sind gesucht wie nie und können heutzutage eine wunderbare Karriere hinlegen. Ein Informationstag im Haus im Schelmenholz soll Lust machen auf den Beruf – nein, auf diese Vielzahl von Möglichkeiten.

Kleiner Versuch auf der Homepage der Waiblinger Agentur für Arbeit: In der „Jobbörse“, in der Arbeitssuchende nach freien Stellen gucken können, die Stichworte „Krankenschwester“ und als Ortsangabe „Waiblingen“ eingeben. Es tauchen auf die ersten zehn von 1123 Suchergebnissen. Nun gut, da sind viele Angebote von privaten Arbeitsvermittlern und Zeitarbeitsfirmen mit dabei. Die sind nicht erwünscht? Bleiben, bei einem Anreiseradius von 20 Kilometern immer noch 186 Ergebnisse. Darunter ein Angebot vom Landratsamt, mehrere von der Diakonie- und Sozialstation Waiblingen, von verschiedenen Arztpraxen, von Kliniken in Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg, Kornwestheim.

Menschen, die pflegen, ganz gleich, ob im Krankenhaus, im Seniorenheim oder in anderen Einrichtungen, sind gesucht. Eine Stelle in der Pflege ist absolut krisensicher. Und längst ist eine Krankenschwester nicht mehr auf ewig die Krankenschwester, die Hilfskraft und Befehlsempfängerin des Arztes. Längst gibt es Karrieren, die beginnen auf Station und enden im Management. Zur Ausbildung gesellen sich Fortbildungen und Studien.

Rund 200 freie Stellen

Menschen aus Pflegeberufen sind in der Regel gar nicht oder nur kurz arbeitslos. Deshalb diese rund 200 freien Stellen im Bereich der Gesundheits- und Pflegeberufe, sagt Isa Herrmann, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Waiblingen. Und sie weiß: Das ist gar nicht alles. „Der Bedarf an qualifiziertem Personal ist deutlich höher.“ Doch viele Einrichtungen suchen gar nicht über die Agentur für Arbeit, sondern gehen andere Wege. Beispielsweise würden viele Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben.

Wer in der Pflege arbeitet, hat also ein sicheres Einkommen. Allerdings nach wie vor kein hohes. Die Hans-Böckler-Stiftung ordnet das mittlere monatliche Nettohaushaltseinkommen von Familien mit zwei Kindern unter 14 Jahren für das Jahr 2017 bei 3498 Euro ein. Laut Entgeltatlas der Arbeitsagentur betrug in 2017 das mittlere Einkommen in der Altenpflege in Baden-Württemberg 2744 Euro, in der Gesundheits- und Krankenpflege 3333 Euro und in der Heilerziehungspflege 3285 Euro. Das heißt, die Einkommen liegen knapp bis deutlich darunter.

Die Bandbreite sei beim Verdienst sehr groß, sagt Isa Herrmann. Privathaushalte oder Personen, die Pflegekräfte direkt beschäftigen, orientieren sich am Mindestlohn. Der liegt im Jahr 2018 bei 8,84 Euro in der Stunde. Es gibt Einrichtungen, die sich am Pflege-Mindestlohn orientieren, der bei 11,05 Euro in der Stunde liegt. „Sehr viele Einrichtungen, vor allem die größeren, bezahlen nach Tarif, wobei es neben dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, zahlreiche hausinterne Tarifverträge gibt.“ Dazu gehören beispielsweise die Diakonie und die Caritas. Weiterhin gibt es verschiedene Zulagen, je nach Weiterbildung steigt der Verdienst zusätzlich.

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es inzwischen viele

Und Weiterbildungsmöglichkeiten inklusive Karrierechancen gibt es inzwischen sehr viele. Ganz gleich, ob es nach der Altenpflege- oder Krankenpflegeausbildung weitergeht mit der Weiterbildung zum Wundexperten, zum Schmerzexperten, zur Hygienefrau, ob eine Spezialisierung in der Gerontopsychiatrie, also in der Psychiatrie für ältere Menschen ab 65, erfolgt oder in der Palliativ-Pflege, also in der Pflege für sterbende Menschen, die Fachleute sind gesucht. Die Pflegeeinrichtungen gehen sogar aktiv auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu und bieten Weiterbildungen an. Und so gehen manche Pflegerinnen und Pfleger weiter bis ins Studium, sei es beispielsweise in der Pflegewissenschaft oder im Pflegemanagement. Kurz: Wer in der Pflege arbeitet, aus dem kann richtig was werden. Sogar Chef.

Informationstag

Am Donnerstag, 28. März findet unter dem Titel „Care-Denker“ ein Informationstag zum Thema Pflegeberufe statt.

Mit dabei sind die Rems-Murr-Kliniken Winnenden, das Zentrum für Psychiatrie im Klinikum Schloss Winnenden und die evangelische Heimstiftung Haus im Schelmenholz in Kooperation mit dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Rems-Murr und der Agentur für Arbeit Waiblingen.

Es gibt einen Vortrag, Informationsstände mit Ansprechpartnern, Hausführungen und Mitmachaktionen.

Der Vormittag ist für Schülerinnen und Schüler reserviert, ab 14 Uhr kann sich jeder informieren. Weitere Infos unter www.care-denker.de.