Rems-Murr-Kreis

Plüderhausen wird erster Standort im Rems-Murr-Kreis

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Am Stuttgarter Max-Eyth-See ist die erste von 100 geplanten Notrufsäulen für Badeseen in Betrieb genommen worden (von links): Andreas Mihm und Christian Lang von der Björn Steiger Stiftung mit Armin Flohr, Präsident des DLRG Württemberg. © ZVW/Martin Winterling

Plüderhausen/Stuttgart. 62 Menschen sind im Jahr 2018 in Württemberg ertrunken. Eine Notrufsäule an Stränden und Badeseen hätten dem einen oder anderen womöglich das Leben gerettet. Björn-Steiger-Stiftung und Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft wollen 100 Notrufsäulen an Stränden und Badeseen aufstellen. Kommende Woche folgt die erste im Rems-Murr-Kreis am Plüderhäuser Badesee.

Das Medieninteresse an der ersten am Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen aufgestellten Notrufsäule war enorm. Den vier Verantwortlichen der Steiger-Stiftung und des DLRG reckten sich zahlreiche Mikrofone entgegen, Kameras dokumentierten den ersten simulierten Notruf mit der Leitstelle. Dass dieser Standort am Parkplatz von Café und DLRG-Landesgeschäftsstelle kein idealer ist, räumte Armin Flohr, Präsident des DLRG-Landesverbandes Württemberg, unumwunden ein. Aber nicht nur das Medieninteresse hat der Stiftung und der DLRG gezeigt, dass sie mit ihren Notrufsäulen auf dem richtigen Weg sind. Bereits am Dienstagmorgen hatten sich bei Christian Lang, dem Projektentwickler der Björn-Steiger-Stiftung, bereits die ersten Städte gemeldet und Interesse an einer Notrufsäule an ihren Gewässern bekundet.



Die zentrale Frage beim Pressegespräch war, wieso nun an Stränden und Badeseen neue Notrufsäulen aufgebaut werden, während entlang der Straßen diese Säulen immer mehr verschwinden. Bei Verkehrsunfällen werden die Retter inzwischen meist mit Mobiltelefonen alarmiert. Doch wer am Badesee herumflackt, lässt sein Handy sicherheitshalber lieber im Auto oder zuhause, hat es ausgeschaltet – oder es fehlt in abgelegenen Gebieten schlicht das Netz. Und selbst wenn die 112 gewählt ist und sich die Leitstelle meldet, ist die Nervosität meist groß, sagte Christian Lang, um Rettungsdiensten, Feuerwehr und DLRG zum Unfallort zu dirigieren.

Geschwindigkeit ist bei der Rettung alles

Geschwindigkeit ist das Wichtigste, damit die Rettungskette funktioniert, hatte DLRG-Präsident Armin Flohr erklärt. Im heißen Sommer 2018 haben bei der DLRG Württemberg Einsätze und Todesrate stark zugenommen. 339 (2017: 281) Einsätze weist die Statistik aus. 21 (17) Menschen wurden vor dem Ertrinken gerettet. Von den 62 (38) Menschen, die 2018 ertrunken sind, fanden immerhin 52 (32) in Seen, Teichen und Flüssen den Tod. Die DLRG wacht ehrenamtlich an offenen Gewässer, meist nur an Wochenenden und in den Ferien. Und um Gegensatz zu einem Bademeister im Freibad haben die Wachen nie das ganze Gewässer im Blick. Umso wichtiger sei deshalb, dass andere Badegäste aufmerksam sind – und im Notfall Hilfe rufen können. Es geht aber nicht nur um die Gefahr zu ertrinken. DLRG-Wachen kümmern sich um Leute, die einen Hitzschlag erleiden, sich beim Grillen Verbrennungen erleiden, in eine Scherbe treten oder von Insekten gestochen werden.

Erst am Montag hatte am Max-Eyth-See ein gekentertes Boot mit Schülern zu einem Großeinsatz von Rettungsdiensten, Feuerwehr und DLRG geführt. Großeinsatz einfach deshalb, weil anfangs keiner weiß, wie schlimm es wirklich ist und die Devise deshalb laute „All in!“.

So funktionieren die Notrufsäulen

Bei den Notrufsäulen an Badeseen handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung, betonte Andreas Mihm, Projektmanager Notrufsäulen bei der Steiger-Stiftung die Funktionsweise. Sie sind autark, funktionieren mit Solarstrom und Akku und benötigen keinerlei Wartung. Sie sind auch an den abgelegensten Standorten einsatzfähig, da sich keinen Stromanschluss oder gar Telefonanschluss benötigen. Wohl aber eine mobile LTE-Verbindung. Jeden Tag melden die Säule der Björn-Steiger-Stiftung, ob sie einsatzbereit ist. „In den Notrufsäulen steckt 40 Jahre Know-how in der Umsetzung der Notruftechnik“, ergänzte Christian Lang. Dazu gehört beispielsweise, dass sich die Wache an einem weitläufigen Badesee per App auf die Notrufsäule aufschalten kann und zeitgleich mit der Rettungsleitstelle über den Notruf alarmiert wird. Auch ein DLRG-Rettungsschwimmer, der seine Freizeit gerade am See verbringt, könnte sich aufschalten, um im Notfall schnell vor Ort zu sein.

Eine solche Notrufsäule ist nicht billig. Rund 4000 Euro kostet eine Säule über zehn Jahre gerechnet. „Wir suchen Sponsoren!“ sagte Andreas Mihm. In der Pilotphase sind zunächst 30 Standorte im Rems-Murr-Kreis und am Bodensee vorgesehen. „Wir wollen das Projekt Schritt für Schritt ausweiten.“


DLRG und Björn-Steiger-Stiftung

Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft ist mit rund 1,8 Millionen Mitgliedern und Förderern eigenen Angaben zufolge die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Kernaufgaben der DLRG sind Schwimmausbildung, Aufklärung und Wasserrettungsdienste. In Württemberg zählt die DLRG 22 Bezirke und 197 Ortsgruppen mit 62 000 Mitgliedern, davon 3500 im Rems-Murr-Kreis.

Die Björn-Steiger-Stiftung ist von 50 Jahren von Ute und Siegfrid Steiger gegründet worden, nachdem ihr Sohn Björn nach einem Verkehrsunfall gestorben nicht. Nicht an seinen Verletzungen, sondern am Schock. Der Rettungsdienst war viel zu spät vor Ort. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich der Rettungsdienst deutlich verbessert, wozu die Stiftung einen maßgeblichen Beitrag leistete. So gehen die einheitlichen und kostenfreien Notrufe 110/112 nicht zuletzt auf die Initiative der Steigers zurück. Auch die Notrufsäulen an entlang der Straßen zählt zu den Verdiensten der Björn Steiger Stiftung wie auch die Einführung des Sprechfunks in Krankenwagen oder der Aufbau der Luftrettung.

Dieser Tage meldete sich die Steigerung Stiftung zu Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu Verbesserung der Notfallversorgung zur Wort und forderte Maßnahmen, die über Spahns Vorschläge hinausgehen.