Rems-Murr-Kreis

Polizeihubschrauber! Was war da los?

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Mit ihrer blauweißen Karosserie sind sie optisch eher unauffällig, ihr Knattern geht im allgemeinen Verkehrsgeräuschpegel unter; zumal der H 145 über einen sogenannten Fenestron-Heckrotor verfügt, eingekapselt in eine Art Rahmengehäuse, was den Lärm verringert. © Airbus Helicopters / Christian

Waiblingen. Was war da los, ich hab den Polizeihubschrauber gesehen! Abgesehen von Lob oder Beschimpfung ist das wohl das häufigste Anliegen, wenn Leute in einer Zeitungsredaktion anrufen. In den vergangenen Tagen gab es wieder einige solcher Fälle. Ein Helikopter am Himmel elektrisiert die Menschen – für die Polizei gehört so ein Einsatz zur wöchentlichen Arbeits-Routine.

Mysteriöses habe sich zugetragen am Dienstag, 24. Juli, in Beinstein, erzählte der Anrufer: Gegen 23 Uhr in der Nacht sei am Himmel ein Polizeihubschrauber gestanden. Darunter: Streifenwagen mit Blaulicht, aber ohne Martinshorn und ein Rettungsauto. In der Zeitung indes habe er nichts gelesen – was hat sich da abgespielt?

Ja, richtig, bestätigt Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz nach kurzer Suche in den Unterlagen vom 24. Juli, da war was. Dass der Fall nicht in einem der Polizeiberichte auftauchte, die Krötz und Kollegen den Zeitungsredaktionen im Einzugsbereich des Polizeipräsidiums Aalen täglich zuleiten, hatte einen nachvollziehbaren Grund: Es ging um einen jener Vorgänge, die üblicherweise nicht an die große Glocke gehängt werden, um Betroffene zu schützen und potenzielle Nachahmer nicht zu bestärken. Deshalb Aufklärung nur in aller Kürze: Gesucht wurde eine Person, die „akut eigengefährdet“ war und verletzt. Der Einsatz endete erfolgreich und damit, so lässt sich wohl sagen: lebensrettend.

Am Dienstag, 31. Juli, haben Leser ebenfalls im Osten von Waiblingen einen Polizeihubschrauber wahrgenommen. Kaum vom Fleck habe er sich bewegt. In diesem Falle, sagt Krötz, handelte es sich um die Suche nach einem Vermissten.

Oft geht es um private, intime Angelegenheiten

Das ist durchaus typisch: Wenn der Polizeihelikopter aufsteigt, jagen die Beamten im Zweifel keinen flüchtigen Verbrecher, sondern suchen verwirrte ältere Menschen oder psychisch Kranke. Sprich: Es geht um private, um intime Angelegenheiten, nicht um Vorfälle von öffentlichem Interesse wie Bankraub oder Einbruch. Insofern ergibt es Sinn, darum kein großes Gewese im Polizeibericht zu machen.

Klar ist aber auch: So ein Hubschrauber ist nun einmal nicht unsichtbar, sein Anblick löst bei vielen Menschen Sorge und Aufwühlung aus. Dieses Spannung – hier berechtigte Schutzinteressen, da öffentliches Aufsehen – lässt sich nicht vollständig auflösen. Betonenswert aber ist: Wenn die Polizei einen Einsatz nicht dröhnend raus-posaunt, geht es mitnichten darum, Bedeutendes heimtückisch unter den Teppich zu kehren; Verschwörungstheorien, wonach in deutschen Nächten wilde Umtriebe abgingen, die verharmlost und vertuscht werden sollten, sind völliger Stuss.

Heli-Einsatz: Für die Polizei nichts Besonderes

Obendrein ist für die Polizei so ein Hubschraubereinsatz weit weniger spektakulär als für die Bevölkerung – er gehört mittlerweile zum Alltag. In Zahlen: Die aus sechs Airbus-Helikoptern vom Typus H 145 bestehende Polizeihubschrauberflotte des Landes Baden-Württemberg stieg im vergangenen Jahr zu 2600 Einsätzen auf. Allein, um den Rems-Murr-Kreis anzufliegen, rückte 2017 vom Stuttgarter Flughafen 67 Mal ein Heli aus; das macht im Durchschnitt 1,3 Landkreis-Flüge pro Woche.

Beim H145-Sixpack des Landes handle es sich mindestens um „die modernste Staffel Europas“, wie Roland Fleischer, Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen, einmal erklärt hat – wenn nicht gar „weltweit“. Rund 60 Millionen haben die sensationellen Sechs gekostet. Die Leistungsdaten der Hitech-Maschinen: bis zu 280 km/h schnell, bis zu sechs Kilometer Flughöhe. Kalkulieren wird mit zwölf bis fünfzehn Kilometern Luftlinie vom Flughafen-Standort bis Beinstein – der H 145 macht das in wenigen Minuten und dürfte so schnell da sein wie ein vom Alten Postplatz in Waiblingen aus startender Streifenwagen.

Tagsüber unauffällige Nachteulen

Tagsüber fallen diese Hubschrauber kaum auf. Mit ihrer blauweißen Karosserie sind sie optisch eher unauffällig, ihr Knattern geht im allgemeinen Verkehrsgeräuschpegel unter; zumal der H 145 über einen sogenannten Fenestron-Heckrotor verfügt, eingekapselt in eine Art Rahmengehäuse, was den Lärm verringert.

Sie sind wahre Nachteulen: Das mit der Schwenkrichtung des Suchscheinwerfers synchronisierte Kamerasystem liefert hochauflösende und dank einer Bildstabilisierung nicht wackelige Aufnahmen; und eine Wärmebildkamera registriert bereits Temperaturunterschiede von 0,1 Grad.

Zusammengefasst: Dass heutzutage öfter ein Hubschrauber fliegt als vor zehn oder zwanzig Jahren, bedeutet nicht, dass die Welt immer schlimmer wird; in Wahrheit wird schlicht die Technik immer besser. Dieser Fortschritt ermöglicht heute Suchaktionen, für die man einst Massen an Personal mobilisieren musste – um im Zweifel weniger zu erreichen.


Leichter als Jumbo

Der Helikopter H 145 ist knapp 14 Meter lang und recht geräumig: Er fasst neben zwei Mann Besatzung noch acht bis zehn Passagiere. Das Gesamtgewicht der Maschine aber beträgt weniger als vier Tonnen. Zum Vergleich: Ein SUV Mercedes-Benz der G-Klasse kommt auf rund 2,5 Tonnen, ein afrikanischer Elefantenbulle bringt im Schnitt fünf Tonnen auf die Waage, wobei es auch besonders mächtige Exemplare gibt, nämlich 7,5-Tonner.