Rems-Murr-Kreis

Private Notfallretter gehen leer aus

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Helmut Winkler hat dem Landkreis seine Hilfe angeboten, den Rettungsdienst im Rems-Murr-Kreis schnell zu verbessern und binnen vier Monaten einen Rettungstransportwagen in Fellbach stationieren zu können. © Benjamin Büttner/ZVW

Waiblingen/Fellbach. Die Notfallrettung im Rems-Murr-Kreis liegt im Argen. Zu oft kommen Rettungssanitäter und Notärzte zu spät. Der Bereichsausschuss plant deswegen, mehr Notarzt- und Rettungswagen auf die Straße zu bringen. Bis die Maßnahmen umgesetzt sind, dauert es zwei, drei Jahre. Das Fellbacher Saniteam Winkler hätte schon in vier Monaten einen Rettungswagen in Fellbach im Einsatz. Darf es aber nicht.

Im Norden und Nordosten des Rems-Murr-Kreises lassen Rettungssanitäter und Notärzte oft lange auf sich warten. Dieser Missstand hat sich weiter verschärft, obwohl vor Jahren ein Notarzt in Althütte stationiert worden war und den Raum Murrhardt und Welzheim besser abdecken sollte. Doch die Rettungseinsätze steigen kontinuierlich an, so dass dieser Effekt verpuffte. Ein Strukturgutachten empfahl unter anderem, Althütte aufzulösen und durch zwei Notärzte in Welzheim und Murrhardt zu ersetzen, kündigte der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst kürzlich die Verbesserungen an. So soll auch in Fellbach ein neuer Rettungswagen stationiert werden.

Ausreichend Personal für einen 24-Stunden-Dienst

„Das Saniteam ist in der Lage, innerhalb von vier Monaten einen 24-Stunden-Rettungstransportwagen auf unserer Wache in Fellbach zu stellen“, schrieb Helmut Winkler an Landrat Richard Sigel. „Wir verfügen über ausreichend Personal, um das sicherzustellen.“ In seinem Brief zeigte der Chef des Fellbacher Saniteams Winkler auch seine Verwunderung, dass es für die neuen Rettungs- und Notarztwagen keine offene Ausschreibung gegeben habe. „Nicht nur Sie als Landrat räumen dem Thema höchste Priorität ein“, heißt es. Die Notwendigkeit für mehr Rettungstransport- und Notarztwagen sei unumstritten, damit sich die Hilfsfristen wieder verbessern und schnelle Hilfe kommt. „Dass sich die Hilfsorganisationen diese Fahrzeuge untereinander aufgeteilt und sich dabei einen Zeitraum von drei Jahren bis zur Umsetzung Zeit lassen, ist nicht damit zu rechtfertigen, dass zu wenig Personal da sei.“

Winkler erinnert Landrat Sigel an sein Angebot an den Bereichsausschuss vom März 2017. Das sei mit der Begründung abgelehnt worden, es sei kein Bedarf vorhanden. „Jetzt lässt man sich drei Jahre Zeit bis zur Umsetzung. Es geht hier um das Wohl der Bevölkerung im Rems-Murr-Kreis, die einen Anspruch darauf haben, bei Notfällen schnelle Hilfe zu erhalten - egal von wem.“

Freilich ist es nicht egal, wer schnelle Hilfe bringt, antwortete ihm Landrat Richard Sigel. „Nach Paragraf 2 Absatz 2 des Rettungsdienstgesetzes dürfen nur die vier Hilfsorganisationen – Arbeiter-Samariter-Bund, DRK, Johanniter Unfallhilfe und Malteser – Notfallrettung durchführen.“ Ziel dieser Regelung sei es, den in der Notfallrettung bewährten Leistungserbringern eine Sonderstellung einzuräumen, „um den Schutz von Leben und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu gewährleisten“.

Bis vor Kurzem hatte das Rote Kreuz ein Monopol im Rems-Murr-Rettungsdienst. Das DRK betreibt nicht nur die integrierte Leitstelle in Waiblingen, sondern auch sämtliche Rettungswachen. Vor zwei Jahren übernahmen die Malteser eine neue Wache in Sulzbach an der Murr. Die jetzt vom Bereichsausschuss angestrebten Verbesserungen wollen alle vier Hilfsorganisationen gemeinsam stemmen und teilten sich die neuen Aufgaben untereinander auf. Richard Sigel ist nicht nur DRK-Kreisvorsitzender, sondern als Landrat auch für die Aufsicht des Rettungsdienstes zuständig.

Die einzige Möglichkeit: eine Kooperationsvereinbarung

Die einzige Möglichkeit für ein Privatunternehmen, an einen der begehrten Aufträge zu kommen, sei es momentan, nach dem Rettungsdienstgesetz eine Kooperationsvereinbarung mit einer der vier Hilfsorganisationen zu schließen, riet Sigel dem Saniteam in seinem Antwortschreiben. Zusätzlich gab er Helmut Winkler den Rat, mit seinem Anliegen an den Bereichsausschuss für den Rettungsdienst heranzutreten. Der Bereichsausschuss sei letztendlich für die Erweiterung der Vorhaltung zuständig und habe die im Gutachten empfohlenen Erweiterungen vollumfänglich an die vier Hilfsorganisationen vergeben. Diese bereiten momentan die Umsetzung der Maßnahmen vor. Die Organisationen werden bei der Sitzung des Bereichsausschusses im Februar jeweils ihre zeitliche Umsetzung vorstellen.