Rems-Murr-Kreis

Prozess gegen Feuerteufel von Kirchberg

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Im September ist ein ehemaliger Bauernhof im Kirchberger Ortsteil Frühmeßhof niedergebrannt. Vom 21. Mai an steht der mutmaßliche Brandstifter, ein 21-jähriger Feuerwehrmann, vor Gericht. © SDMG/Kohls

Waiblingen/Kirchberg an der Murr. Die Überreste eines ehemaligen landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäudes im Frühmeßhof, das im September vergangenen Jahres niedergebrannt ist, liegen noch da wie kurz nach dem verheerenden Feuer. Der Grund dafür: Die Versicherungsfragen sind noch nicht geklärt, und es musste ein Vergleichsgutachten erstellt werden.

Am 21. Mai steht nun die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Feuerteufel vor dem Jugendschöffengericht in Waiblingen an. Zudem gibt es einen zweiten Angeklagten.

Ende September 2018 wurden bei dem Großbrand ein ausgebautes Wirtschaftsgebäude im Kirchberger Ortsteil Frühmeßhof mit angrenzenden Garagen sowie eine Maschinenhalle und darin abgestellte Oldtimer völlig zerstört. Das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen befindet sich im Besitz einer Erbengemeinschaft. Nun steht das Verfahren beim Jugendschöffengericht in Waiblingen gegen den damals 20-jährigen Tatverdächtigen an.

Strohballen und eine Sitzbank in Flammen

Überraschenderweise wird am 21. Mai noch ein weiterer junger Mann auf der Anklagebank sitzen. Es handelt sich um einen 17-Jährigen, der zum Zeitpunkt der Verhandlung das Alter von 18 Jahren erreicht haben wird. Es soll sich um einen Kumpel des mutmaßlichen Feuerteufels handeln, der sich allerdings nach den Worten von Heiner Römhild von der Staatsanwaltschaft Stuttgart nicht wegen des Großbrands im Frühmeßhof verantworten muss. Dem 17-Jährigen werde vorgeworfen, bei zwei kleineren vorausgegangenen Taten beteiligt gewesen zu sein – der Brandstiftung von Strohballen sowie einer Sitzbank.

Hauptangeklagter ist der mittlerweile 21-jährige ehemalige Angehörige der Kirchberger Feuerwehr. Noch während die Löscharbeiten im Frühmeßhof liefen, war er zur Kriminalinspektion 1 nach Waiblingen mitgenommen und dort verhört worden. Dann durfte er aber wieder nach Hause gehen. Ein paar Tage später wurde er dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.

Wieder aus dem Gefängnis rausgekommen

Schon vor längerer Zeit durfte er allerdings die Justizvollzugsanstalt wieder verlassen. Die Untersuchungshaft sei gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, so Römhild. Ob der 21-Jährige ein Geständnis abgelegt hat, will der Erste Staatsanwalt zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Dem 21-Jährigen werden laut Römhild drei Sachbeschädigungen und drei Brandstiftungen vorgeworfen. Bei den Brandstiftungen handele es sich um den Großbrand des einstigen landwirtschaftlichen Anwesens im Frühmeßhof, um den Brand eines Strohballenlagers und eines Holzstapels. Als Sachbeschädigungen werden in Brand gesetzter Sperrmüll und angezündete Altpapiercontainer gewertet. Am ersten Verhandlungstag sind sieben Zeugen vor Gericht geladen.

Wie es nun mit dem Gelände im Frühmeßhof weitergeht, ist nicht klar. Kirchbergs Bürgermeister Frank Hornek verweist darauf, dass es sich um ein Privatgelände dreht. Von der Erbengemeinschaft ist zu erfahren, dass sie mit der Versicherung im Clinch liegt. Es geht dabei um die Höhe der Schadenssumme.

Die Polizei gab nach dem Feuer einen Sachschaden an den Gebäuden von rund 200 000 Euro an. Der tatsächliche Schaden sei aber weitaus höher, sagen die Vertreter der Erbengemeinschaft. Anfang Mai wird laut Erbengemeinschaft jedoch eine Abbruchfirma mit den Aufräumarbeiten beginnen.

Immer wieder größere und kleinere Brände

Seit April 2017 gab es im Kirchberger Raum immer wieder kleinere und größere Feuer.

In der Nacht zum 22. September 2018 ist im Frühmeßhof ein Wirtschaftsgebäude, in dem ein Secondhandladen und Umzugsunternehmen angesiedelt war, bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Den Schaden allein an den Gebäuden bezifferte die Polizei auf rund 200 000 Euro.

Wegen zahlreicher Brände in der Gemeinde Kirchberg schon in den Monaten zuvor hatte die Kriminalpolizei bereits in Sachen mögliche Brandstifter ermittelt. Dem 20-Jährigen wurde Stand November 2018 vorgeworfen, mindestens sechs Brände vorsätzlich gelegt zu haben. Die Polizei ging davon aus, dass die Brandserie im April 2017 ihren Ursprung genommen hatte. Damals wurde ein Altpapiercontainer in Brand gesetzt. Ein gleich gelagerter Vorfall wurde im August 2018 registriert. An den beiden Tagen vor dem Großbrand im Frühmeßhof soll der Brandstifter noch Strohballen und eine öffentliche Sitzbank durch Brandlegungen beschädigt haben.