Rems-Murr-Kreis

Radschnellweg zwischen Waiblingen und Ludwigsburg?

Radschnellweg
Der erste Radschnellweg im Land ist zwischen Böblingen und Stuttgart entstanden. Auf Böblinger Gemarkung ist der Weg neu asphaltiert und beleuchtet. Foto: Winterling © Winterling

Ist ein Radschnellweg von Waiblingen nach Ludwigsburg möglich und sinnvoll? Eine Machbarkeitsstudie hat diese Frage untersucht. Die Kosten für den Ausbau der 14,8 Kilometer langen Strecke betragen schätzungsweise 31 Millionen Euro. Diesen Betrag teilen sich zum weitaus größten Teil der Bund und das Land. Für den laufenden Unterhalt müssten jedoch die Landkreise Ludwigsburg und Rems-Murr aufkommen. Denn mit gut 2000 Nutzern am Tag ist der Radschnellweg nicht mit einer Landes- und Bundesstraße oder gar einer Autobahn vergleichbar. Die schnelle Verbindung für Radler zwischen den beiden Städten rangiert auf dem Niveau einer Kreisstraße.

Welche Verbindungen kommen im Kreis für Radschnellwege überhaupt in Betracht?

Es handelt sich bereits um den zweiten Radschnellweg, der zwischen Rems und Murr ins Auge gefasst wird. Eine Machbarkeitsstudie liegt bereits für die schnelle Verbindung Schorndorf-Fellbach vor, die täglich von rund 2800 Radfahrern genutzt und etwa 32 Millionen Euro kosten würde. Während es auf den 20 Kilometern im Remstal weitgehend eben zugeht, müssen die Nutzer des Radschnellweges zwischen Waiblingen und Ludwigsburg das Neckartal überwinden. Zumindest für Pedelec-Radler stellt dies kein Problem dar.

Radschnellwege sollen das Fahrrad vor allem für Berufspendler attraktiver machen., hat der Rems-Murr-Kreis im Rahmen der Radstrategie des Landes ein Radwegekonzept erarbeitet, in dem überörtliche Strecken und örtliche Radwegenetze miteinander verknüpft werden. Schnellwege können helfen, die sowohl im Ballungsraum rund um Stuttgart verstopften Straßen zu entlasten wie auch die überfüllten Busse und Bahnen. Zwischen Waiblingen und Ludwigsburg könnten die Radler eines Tages am Dauerstau vor der Brücke in Neckarrems einfach vorbeiflitzen. Immer mehr Radfahrer, so der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), entdecken diese Vorrangstrecken mit ihren Vorteilen für Umwelt und Gesundheit immer mehr als ernstzunehmende Alternative zu bisherigen Autowegen.

Was ist ein Radschnellweg?

Radschnellwege sind qualitativ hochwertige, direkt geführte und leistungsstarke Radverkehrsverbindungen zwischen Kreisen und Kommunen, definiert das Land Baden-Württemberg die Radschnellverbindungen und nennt einige Kriterien:

  • Gesamtstrecke: mindestens fünf Kilometer, Breite: überwiegend vier Meter.
  • Interkommunale, weitgehend kreuzungsfreie Verbindung;
  • Bedeutende Verbindung für Alltagsradverkehr (mindestens 2000 Radfahrer pro Tag auf dem überwiegenden Teil der Gesamtstrecke).

Radschnellverbindungen seien neue, überörtliche Netzelemente für den Alltagsverkehr – insbesondere Berufs- und Ausbildungswege – in Verdichtungsräumen, heißt es weiter: Sie bieten die Möglichkeit, ganzjährig Distanzen von über fünf Kilometern zu zentralen Quell- und Zielorten umwegfrei, zügig und komfortabel zu befahren. Anders gesagt: schnelle Wege für eilige Radler.

Wo verläuft der Radschnellweg Waiblingen-Ludwigsburg?

Die Machbarkeitsstudie hat drei Trassen untersucht und kam zum Ergebnis, dass die Verbindung von Ludwigsburg-Oßweil über Neckargröningen nach Hegnach und Waiblingen die sinnvollste ist. Es handelt sich im Übrigen um den Korridor, auf dem derzeit auch Planungen für ein integriertes „Bus- Rapid-Transit System (BRT- und Rad-System)“ zwischen Ludwigsburg und Waiblingen laufen.

Die geplante Radschnellverbindung verläuft überwiegend auf Bestandswegen, heißt es in der Studie weiter. Innerorts werden bereits versiegelte Flächen gegebenenfalls umgebaut und der Straßenraumquerschnitt wird neu aufgeteilt. „Es werden keine zusätzlichen Flächen in Anspruch genommen.“ Außerorts erfolge auf kleinen Streckenabschnitten Neubau, auf dem Großteil der Strecke werden die Bestandswege ausgebaut beziehungsweise an die Bestandswege angebaut. Benötigt werden dazu vor allem landwirtschaftliche Flächen.

Warum Radwege und warum Radschnellwege?

Eingefleischten Autofahrern leuchtet der Sinn und Zweck von Radwegen oft nicht ein – und der von Radschnellwegen schon gar nicht. Das zeigen die Diskussionen in vielen kommunalen Gremien. Ein Schreckgespenst ist, wenn der Radverkehr zulasten des Autos geht und Radwege auf bisher den Autos vorbehaltenen Straßen ausgebaut werden. In der Machbarkeitsstudie werden Argumente für Radschnellverbindungen aufgezählt, die je nach Zielgruppe unterschiedlich sind:

  • Radfahren fördert die Gesundheit, entlastet Klima und Umwelt und verbessert die Lebens- und Wohnqualität in den Orten.
  • Jeder Radfahrer ist ein Auto weniger. Jeder Verkehrsteilnehmer, der von seinem Auto auf das Rad umsteigt, reduziert laut ADAC den Stau um rund zehn Meter. Das heißt, die Radschnellverbindung führt zu einer Verbesserung für Rad- und Kfz-Verkehr.
  • Alltags-/Pendlerradverkehr und Freizeitradverkehr treten zu unterschiedlichen Tageszeiten auf. Die Spitzenzeiten überlagern sich nicht. Werktags sind morgens und abends die Pendler unterwegs, am Wochenende nutzen Freizeitradler die Wege.
  • Die Nähe der geplanten Radschnellverbindung zur stauträchtigen Landesstraße 1140 (Neckarbrücke) wirkt als Einladung zum Umstieg.
  • Der Bau von Radinfrastruktur ist deutlich günstiger als der Bau von Kfz-Infrastruktur.
  • Radwege machen Städte attraktiver.

Wie stehen sich Kosten und Nutzen gegenüber?

Die Machbarkeitsstudie stellt auch eine Kosten-Nutzen-Analyse an, ob und inwieweit sich der Radschnellweg lohnt. So wie es für jede neue Straße oder jede neue Schienenstrecke getan wird. Ist der Nutzen höher als die Kosten, so zeigt der Daumen nach oben. Über die zugrunde gelegten Kriterien lässt sich bei solchen Kosten-Nutzen-Analysen meist trefflich streiten. Im konkreten Fall lautet das Fazit: „Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass die Realisierung einer Radschnellverbindung zwischen Ludwigsburg und Waiblingen technisch machbar ist und einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen im Landkreis Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis erzeugt.“

Die Autoren, die Karlsruher BIT Ingenieure AG, empfehlen, die Studie mit den betroffenen Kommunen und dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg abzustimmen und die Möglichkeiten einer Förderung zu erörtern. Derzeit ist immerhin eine Förderung von bis zu 87,5 Prozent aus Fördertöpfen des Bundes und Landes möglich. Für die beiden Landkreise wäre der Radschnellweg also zu einem Schnäppchenpreis zu haben.