Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kliniken nach schweren Jahren auf gutem Weg

Klinikum Winnenden
Das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden. © ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden/Schorndorf. Das ist „wie Weihnachten und Ostern zusammen – dass man so was noch erleben darf!“ Die Rems-Murr-Kliniken sind nach schweren Jahren auf gutem Weg, der Kreistag zelebrierte bei der Sitzung in Auenwald eine Jubelmesse.

Die Bilanzzahlen der Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf verfärben sich von Grellrot in Rot: Rund fünf Jahre, nachdem das Winnender Haus den Betrieb aufgenommen hat, sieht der Kreistag endlich Land. Es bestand aber auch „dringender Handlungsbedarf“, betonte Landrat Richard Sigel in der Sitzung:

  • Der rund 300 Millionen Euro teure Neubau stürzte den Kreis tief in Schulden.
  • Der Betrieb produzierte alljährlich weitere Defizite: Zwischen 2015 und 2018 musste der Landkreis insgesamt 92 Millionen zuschießen – „ein Kraftakt, der seinesgleichen sucht“, wie FDP-Kreisrat Ulrich Lenk es ausdrückt.
  • Die Winnender Klinik wurde mit 620 Betten gebaut, obwohl das Landessozialministerium nur 550 als förderfähig einstufte. Folge: Die Kosten, rund 27 Millionen, für die zusätzlichen 70 Betten blieben zunächst am Kreis allein hängen – und die Leistungen für Patienten, die in diesen Betten lagen, konnte die Klinik nicht voll mit den Krankenkassen abrechnen. Hartmut Holzwarth, CDU: „Es war ein kommunalpolitischer Drahtseilakt“, derart ins Risiko zu gehen. Die damalige Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) signalisierte zwar mündlich, dass es für die 70 Betten eine Nachförderung geben werde; aber als sie 2016 aus dem Amt gewählt wurde, hinterließ sie in der Sache nichts Schriftliches, und ihr grüner Nachfolger Manfred Lucha stellte sich erst mal quer.
  • Der Bau in Winnenden forderte den damaligen Landrat Johannes Fuchs und den seinerzeitigen Kliniken-Geschäftsführer Jürgen Winter so erschöpfend, dass sie keine Zeit fanden, daneben noch eine Medizinkonzeption zu erarbeiten. Als Landrat Sigel 2015 sein Amt antrat, stellte er fest: Es war „nicht abgestimmt, wie sich die beiden Häuser zusammenfügen“. Die Chefärzte arbeiteten eher gegen- als miteinander, die Winnender regten gar an, den Standort Schorndorf zu schließen.

Vier Probleme – bei allen vieren aber hat sich die Lage massiv verbessert

  • Der neue Geschäftsführer Marc Nickel und Sigel erarbeiteten die überfällige Medizinkonzeption. „Was vor einigen Jahren noch undenkbar war“, ist jetzt Alltag, sagt Nickel: „standortübergreifende Zusammenarbeit von Chefärzten“ bis hin zu wöchentlichen interdisziplinären Fallkonferenzen. Sigel: „Die Chefärzte haben sich zusammengerauft.“
  • Dieses Konzept überzeugte den Sozialminister – wobei half, dass alle Landtagsabgeordneten aus dem Rems-Murr-Kreis hinter den Kulissen parteiübergreifend dafür warben: Manfred Lucha hat jetzt die 70 zusätzlichen Betten doch noch mit fast zehn Millionen Euro Nachförderung bedacht – und betrachtet mittlerweile gar einen weitereren Ausbau von Winnenden um 47 neue Betten als zuschusswürdig.
  • Wegen des Baus sitzt der Kreis zwar immer noch auf rund 200 Millionen Euro Schulden, aber der Berg schrumpft.
  • Die Kliniken sind sehr gut ausgelastet. Das jährliche Defizit lag 2015 bei brutalen 28 Millionen, betrug 2018 noch stramme 19, soll bis 2024 auf unter zehn pro Jahr sinken – und ab 2026, glaubt Marc Nickel, werde es per anno eine „richtige schwarze Null“ geben.