Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis ist Corona-Risikogebiet: Diese Einschränkungen gelten ab Sonntag (18.10.)

PK Corona Rot
Landrat Richard Sigel kurz vor der Verkündung der Allgemeinverfügung – die Maske wird auch für ihn ab sofort zur Dauereinrichtung. © Gabriel Habermann

Der Rems-Murr-Kreis muss in der nächsten Zeit mit harten Einschränkungen leben. Am Samstagnachmittag (17.10.) machte Landrat Richard Sigel die Verfügungen öffentlich, die ab Sonntag gelten. Denn der Rems-Murr-Kreis hat die kritische Marke in Bezug auf die Corona-Infektionen gerissen. Waren am Freitagnachmittag noch 47 Corona-Infektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gemeldet worden – sah am Freitagabend schon alles anders aus. Der Landrat und sein Krisenstab zählten mindestens 57 Infizierte auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, Tendenz ständig steigend. Die Corona-Ampel steht also auf Rot. Die Bevölkerung muss Regelungen hinnehmen, die wehtun werden.

Allgemeinverfügung: Das gilt ab Sonntag (18.10.)

  • Begrenzung der zulässigen Anzahl der Teilnehmenden bei Feierlichkeiten im öffentlichen und privaten Raum auf maximal zehn Personen. Diese Anzahl darf überschritten werden, sofern Personen aus maximal zwei Haushalten zusammenkommen.

Das heißt: Die vielen Konfirmationen, die das ganze Remstal rauf und runter am Sonntag gefeiert werden sollen, müssen innerhalb kürzester Zeit geschrumpft werden. Ganz egal, ob die selbst gebackenen Kuchen in einer Gaststätte oder daheim gegessen werden sollten: Nur noch insgesamt zehn Menschen dürfen sich an den Kaffeetisch setzen. Alle anderen, egal ob es Freunde, Nachbarn, Großeltern, Tanten oder Onkels sind, müssen ausgeladen werden. Eine Ausnahme gibt's nur, wenn nur zwei Haushalte zusammenkommen. Also: Ist die eigene Familie fünfköpfig und die eingeladene Gastfamilie aber sechsköpfig, muss das vierte Kind der Gastfamilie nicht zu Hause bleiben.

Übrigens: Diese Verfügung gilt erst ab 5 Uhr. Das Landratsamt hat ein Einsehen und Mitleid mit jenen, die am Samstag ihre Hochzeit feiern. Diese Partys dürfen quasi fertiggefeiert werden. Zur frühen Morgenstunde heißt's dann aber: Jetzt ist Schluss.

  • Begrenzung der Teilnehmerzahl bei öffentlichen Veranstaltungen auf 100 Teilnehmer.

Das heißt: Das Jubiläum des Fußballvereins oder das Herbstfest der Kita muss zwar kleiner werden als ursprünglich geplant. Aber mit immerhin 100 Leuten kann gefeiert werden. Da Feiern aber meistens zu einem kuscheligen Beisammensein führt, müssen all jene, die beim Jubiläum oder dem Herbstfest dabei sind, unbedingt die nächste Anordnung mitbedenken.

  • Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum, wenn das Einhalten eines Abstands von 1,5 Metern nicht möglich ist, beispielsweise in belebten Einkaufsstraßen oder innerhalb von Warteschlangen. Auf Messen und Märkten wird eine durchgängige Maskenpflicht festgelegt. Zudem erhalten die Kommunen die Möglichkeit, dort, wo im öffentlichen Raum typischerweise der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, wie in Fußgängerzonen, eine Maskenpflicht lokal vor Ort durch entsprechende Beschilderung selbst zu regeln.

Das heißt: Ein jeder sollte zu jeder Zeit eine Maske mit sich tragen. Denn ganz schnell kann's zu eng werden. Egal ob beim Einkaufen auf dem Markt oder in der Fußgängerzone, auf den oben genannten Festen oder auch am Spielfeldrand beim Kick der Jugendmannschaft – wer keine 1,5 Meter mehr um sich rum frei halten kann, muss sich maskieren.

  • Sperrstunde um 23 Uhr für Gastronomiebetriebe: Ab diesem Zeitraum darf außerdem kein Alkohol mehr verkauft werden, egal ob im Gastraum oder nach draußen.

Das heißt: Wer schön essen gehen möchte, darf dies nach wie vor tun, solange sich alle an die Regeln halten, die die Gaststätten vorschreiben. Also etwa die Maske bei Gängen auf die Toilette tragen et cetera. Allzu spätes Essengehen allerdings führt ab Sonntag womöglich zu Bauchschmerzen, weil die Speisen hastig verdrückt werden müssen. Denn um 23 Uhr müssen die Gäste das Restaurant verlassen. Nachfeiern im Park nebenan ist auch nicht mehr: Der Wirt, egal ob von Speiselokal oder Bar, darf ab 23 Uhr keine Flasche Wein für draußen mehr verkaufen. Landrat Richard Sigel spricht von einem „harten Schlag für die Gastronomie“.

  • Für Schüler ab der 5. Klasse gilt ab Montag, 19. Oktober, eine Maskenpflicht im Klassenzimmer. Das hatte das Kultusministerium bereits am Freitag erlassen.

Die Folgen für Urlaubsreisen

Wer in einem Risikogebiet lebt, muss mit Einschränkungen bei Urlaubsreisen rechnen, besonders wenn es nach Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern geht. Die Lage in den einzelnen Bundesländern ist derzeit unübersichtlich, weil die Gerichte teilweise Beherbergungsverbote gekippt haben und die Lage sich täglich ändert. Bayern hat sein Verbot am Samstag aufgehoben, Hessen wird dies am Montag tun. Es ist deshalb wichtig, sich vor Reiseantritt genau über die geltenden Bestimmungen zu informieren.

Einschränkungen gelten jetzt mindestens sieben Tage lang

Landrat Richard Sigel tut es ausdrücklich leid, dass diese Anordnungen so plötzlich und am Wochenende erlassen werden mussten. Er kritisiert in diesem Zusammenhang das Sozialministerium, das erst am Freitagabend anordnete, dass der Beschluss der Bund-Länder-Konferenz vom 14. Oktober sofort und nicht erst, wie ursprünglich kommuniziert, am Montag umzusetzen sei. Dann, erklärte Sigel, hätte er das sehr gerne früher gewusst und früher reagiert. Er hätte so all jenen, die für den Sonntag Feste geplant haben, die Möglichkeit geben können, diese mit etwas mehr Zeit umzuplanen.

Einige der sehr harten Einschränkungen, die im Frühjahr den Menschen das Leben schwer machten, werden bislang aber noch nicht angeordnet. So bleiben beispielsweise die Spielplätze noch offen. Auch Tagesmütter können ihre Kinder weiterhin betreuen, ganz gleich, wie viele Haushalte dabei zusammenkommen.

Die Verordnungen des Landratsamts gelten jetzt mindestens sieben Tage. Wahrscheinlich aber länger. Denn es müssen nach Inkrafttreten mindestens sieben Tage vergehen, in denen der 50er-Wert unterschritten wird. Erst dann kann alles wieder aufgehoben werden.

Fragen zu Corona?

Bei Fragen zu Corona steht die Hotline des Landratsamts unter  der Telefonnummer  0 71 51/50 13 00 0 ab Montag mit zwölf Leitungen von 8 bis 17 Uhr zur Verfügung.

Außerdem hat das Landratsamt noch eine FAQ-Liste online gestellt. Hier finden sich auf die meisten Fragen Antworten. Die Liste wird ständig erweitert.

Corona-Tests sollten alle Hausärzte und Kinderärzte vornehmen. Es gibt jedoch im Kreis auch etwa 30 Praxen, die dies schwerpunktmäßig tun. Sie sind auf der Homepage des Landratsamts verlinkt.

Gehen Sie auf rems-murr-kreis.de/corona und dann auf die Frage „Was tun bei einem Verdacht auf das Coronavirus“ und klicken Sie dann auf den Link „Karte mit allen Abstrichstellen und Schwerpunktpraxen“.