Rems-Murr-Kreis

Remsbahn: Neue Züge, alte Lokführer

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Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Waiblingen/Stuttgart. Wettbewerb war gestern. Seit Donnerstag arbeiten die DB Regio und Go-Ahead Hand in Hand. Am 9. Juni übernimmt Go-Ahead den Betrieb der Remsbahn. Im Führerstand der neuen Züge vom Typ Flirt werden auch erfahrene Lokführer der Deutschen Bahn sitzen und helfen, dass der Übergang von einem zum anderen Betreiber möglichst reibungslos funktioniert.

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann weiß, dass die Tage um den 9. Juni herum die kritischsten überhaupt sein werden, seitdem der private Bahnbetreiber Go-Ahead der DB Regio den Auftrag für die Remsbahn weggeschnappt hat. In etwa 100 Tagen fahren auf der Strecke Karlsruhe-Aalen beziehungsweise Stuttgart-Aalen-Crailsheim nicht mehr die roten Züge der Deutschen Bahn, sondern moderne gelb-weiße „bwegt“-Züge des Landes Baden-Württemberg, wie sie schon auf der Murrbahn unterwegs sind. Neuer Betreiber ist das britische Eisenbahnunternehmen Go-Ahead, dem das Land 2016 den Zuschlag für den Betrieb der beiden Zug-strecken erteilt hat.

Für die Bahn war der Verlust der Strecken ein Schlag

Wettbewerb könne zum Betreiberwechsel führen. „Er darf aber nicht zulasten der Fahrgäste und der Beschäftigten gehen“, sagte Hermann bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen DB Regio und Go-Ahead in Stuttgart. Sowohl DB Regio wie auch Go-Ahead lobten die Vereinbarung. Go-Ahead bekommt rund 30 dringend benötigte Lokführer für die zunächst 28 Züge auf der Remsbahn. Erfahrene zumal, die sich auf der Strecke auskennen. Geschäftsführer Stefan Krispin hofft, dass im Laufe der Zeit der eine oder andere sich mit seinem Unternehmen anfreundet und den Arbeitgeber wechselt. Er nannte die Zusammenarbeit „einen Beitrag, damit wir den Betrieb stabil umstellen können.“ – In den vergangenen beiden Jahren hat Go-Ahead zwar auch eigene Lokführer ausgebildet, rund 60 an der Zahl. Dank der erfahrenen Lokführer der DB Regio stimme nun aber der Mix, sagte Geschäftsstellenleiter Hans-Peter Sienknecht.

Für die Deutsche Bahn und vor allem ihre Beschäftigten war der Verlust der Strecken „ein herber Schlag“, meinte David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Baden-Württemberg. „Wir verstehen uns als führender Mobilitätsdienstleister und sind stolz, dass wir diese innovative Lösung anbieten können. Das heißt auch, dass wir zusätzlich zu unserem Lokführer-Pool für Baden-Württemberg einem Teil der vom Leistungsverlust betroffenen Triebfahrzeugführer eine weitere heimatnahe Perspektive bieten.“

28 Züge sollen im April geliefert werden

Die Remsbahn ist nicht die einzige Zugstrecke, bei der im Sommer der Betreiber wechselt. Vom 19. Juni an soll Abellio, ein Tochterunternehmen der niederländischen Staatseisenbahn, drei Strecken von Stuttgart nach Bad Wildbad, Heidelberg und Bruchsal sowie ab 2020 die Strecke nach Tübingen in Betrieb nehmen. Aber der Eisenbahnhersteller Bombardier hat Probleme, die 52 Elektrotriebzüge des Typs Talent 2 pünktlich zu liefern. Im Juni stehen nur zehn von 16 Zügen zur Verfügung. Mit Abellio verhandelt die DB Regio derzeit, außer Lokführern auch Fahrzeuge vorübergehend zur Verfügung zu stellen.

Go-Ahead erwartet, dass Stadler die 28 Züge für die Remsbahn im April liefert. 1997 gegründet, bezeichnet sich Go-Ahead als eines der führenden Unternehmen im Personenverkehr in Großbritannien. Mit 26 000 Mitarbeitern werden rund ein Drittel der Bahnreisenden auf der Insel befördert. Go-Ahead will nun in Deutschland Fuß fassen.


Neuer Betreiber

Go-Ahead übernimmt ab Juni 2019 stufenweise im Stuttgarter Netz die Strecken Stuttgart-Aalen-Crailsheim sowie Karlsruhe-Aalen. Im Dezember folgen Stuttgart-Geislingen (Steige)-Ulm sowie die Strecke Stuttgart-Würzburg. Zum Einsatz kommen dann 58 Züge vom Typ Flirt des Schweizer Herstellers Stadler.

Den Zuschlag für das Los 1 (Neckartal) hatte der Betreiber Abellio erhalten. Die Betriebsübernahme beginnt ebenfalls im Juni. Allerdings hat der Zughersteller Bombardier kürzlich und damit reichlich spät Lieferschwierigkeiten eingeräumt.