Rems-Murr-Kreis

Remstalroute präsentiert Sommerteller

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Getränke und Gespräche mit Nebentönen: Hubert Falkenberger und Stefan Altenberger. © ZVW/Sarah Utz
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Der Sommerteller im "Kesselhaus".

Schorndorf. Plauderleicht, schmackhaft und, offen gestanden, nicht direkt elektrisierend – so gestalten sich oft die Pressegespräche, wenn der Verkehrsverein Remstalroute mal wieder seine Aktion „Sommerteller“ präsentiert. Diesmal war es anders: Das Gespräch kreiste um düstere Entwicklungen, schmerzhafte Entscheidungen und große Pläne.

Die riesigen Braukessel, silberglitzernd, messingschimmernd, die hohe Holzdecke – das Schorndorfer „Kesselhaus“ ist kein Gourmet-Tempel, aber was hier aus der Küche kommt, passt zum zünftigen Ambiente und ist, wie der knorrige Wirt Dietmar Haerer sagt, „reell“. Als Sommerteller gibt es Hähnchen-Gyros mit Vollkornnudeln und gebratenen Paprika-Streifen (die Röst-Aromen sind wunderbar), dazu ein selbst gebrautes böhmisches Tennen-Pils (herb mit fruchtigen Nebentönen): korrekt!

Das Prinzip des Sommertellers: Alle teilnehmenden Gastwirtschaften bieten vom 13. Juli bis zum 26. August ein Tellergericht mit Getränk für 15 Euro an. Der eine tischt Rindfleischsülze mit Röstkartoffeln, Braumalz-Schnitzel und Salat auf, der andere Schafskäse auf mediterranem Gemüse, der dritte Zanderfilet im Zucchinikleid. 18 Wirtschaften machen diesmal mit.

Wirtschaften schwinden

18 Wirtschaften? 2011 waren es noch 28. Dahinter, erklärt Stefan Altenberger, der Vorsitzende der Remstalroute, stecke ein „Riesenthema“ – allein in Kernen „haben wir drei Gastronomiebetriebe verloren“, und wenn sich für den „Ochsen“ in Stetten nicht nach „fünf Jahren Suche“ doch noch ein Nachfolger gefunden hätte, wären es vier. „Die alteingesessenen Gastronomen konnten leben“ von ihrem Tun, aber der Betrieb warf oft nicht so viel ab, dass es reichte, die Immobilie auf Vordermann zu halten. Hier und da bildete sich ein Sanierungsstau – weshalb ein Neuer erst mal investieren müsste. Aber bei den aktuellen Kreditrichtlinien sei das schwierig; „kein Geld ohne Sicherheiten“. Und so verkaufe mancher Wirt an einen Investor, der sagt: „Wir reißen die Hütte ab und bauen drei, vier Geschosse Wohnbebauung drauf.“

So schleichen sich Sorgen ein ins lockere Sommerteller-Gespräch – und jetzt müssen wir auch noch die Frage stellen, die uns die Kollegen in der Redaktion mit auf den Weg gegeben haben. Ende des Jahres läuft Hubert Falkenbergers Vertrag als Geschäftsführer der Remstalroute aus – und wird nicht verlängert. Warum?

Falkenberger selbst hat sich beim Small Talk vor der eigentlichen Pressekonferenz nur schmallippig geäußert, der 59-Jährige gilt als loyaler Angestellter und eher leiser Typ; vollkommen mit diplomatischem Schmink-Teint konnte oder wollte er seine Antwort dann aber doch nicht überspachteln: „Ein Wunsch des Vorstands“ sei’s gewesen. „Es hat mich schon gewundert. Viele hat das gewundert.“ Hat man ihm das Ende begründet? „Nicht im Detail.“

Gartenschau-Schwung

Nachdem die Entscheidung Ende 2017 bekanntgeworden war, drang wenig Habhaftes nach außen. Falkenberger, munkelten die einen, sei ein anständiger und fleißiger Mann – in Aufbruchszeiten aber, da der Tourismus im Remstal dank der Gartenschau 2019 enorme Dynamik entwickeln soll, seien Visionen und Innovationen gefragt. Andere grummelten: Ach, mit Falkenbergers Schwung habe das wenig zu tun; Remstalrouten-Chef Altenberger ist Bürgermeister von Kernen, Falkenbergers Nachfolger Werner Bader stammt aus Stetten, das dufte dezent nach Vitamin B.

Also noch mal, diesmal offiziell an Stefan Altenberger: Warum? „Ich hatte eigentlich gedacht“, seufzt der Chef, „das Thema ist schon abgehakt.“ Aber, nun gut, „die Aufgaben werden vielfältiger“, eine „Neuausrichtung“ sei sinnvoll, der Vorstand habe einen „einstimmigen Beschluss“ gefasst.

Fellbach als Hauptstadt des "Deutschen Wandertags" 2022?

So richtig habhaft war das nun auch nicht. Beim Blick in die Zukunft immerhin wird Altenberger konkret: Er will den „Deutschen Wandertag“ 2022 ins Remstal holen, mit Fellbach als Hauptstadt – und „ich wünsche mir, dass Herr Falkenberger da eine zentrale Rolle spielt“. Zum Wandertag – in Wahrheit eine Wanderwoche – strömen alljährlich 20 000, 30 000 Gutbefußte in die Austragungsregion. Das Programm für den August 2018 in Lippe-Detmold umfasst 191 Termine; Stadtführungen, Museumsbesuche, Touren. Wer so etwas auf die Beine stellen will, muss drei Jahre vorher anfangen zu planen. Angenommen, das Remstal reicht im Herbst tatsächlich seine Bewerbung ein, angenommen, die Chancen auf den Zuschlag stehen wirklich „sehr hoch“, wie Altenberger glaubt – dann könnte Falkenberger womöglich, kaum dass er bei der Remstalroute ausgestempelt hat, als Wandertagsmanager anheuern.

2019 Gartenschau, 2020 durchschnaufen, 2021 „Rems total“, 2022 Deutscher Wandertag – und die Idee, mal die B 29 für Autos zu sperren, habe „ich nicht vergessen“, sagt Altenberger: So könnte man „den Schwung der Gartenschau mitnehmen“.

Der Sommerteller

Den Flyer zur Aktion „Sommerteller“ mit allen teilnehmenden Gaststätten gibt es bei der Tourist-Information im Endersbacher Bahnhof, 07151/ 2765047, und in den Rathäusern der Region oder hier zum Download.